Dresden - 1804 / 1945 / 2007

Deutschland – Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen

100750 | Seite 55 | Abb. 5 | Maßstab 1 : 25.000
Dresden | 1804 / 1945 / 2007 | Deutschland – Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen | Karte 55/5

Informationen

Dresden, im Zuge der deutschen Ostkolonisation von deutschen Bauern, Handwerkern und Kaufleuten gegründet und ab dem 15. Jahrhundert ständige Residenz des Wettiner Fürstengeschlechts, wurde im Barockzeitalter unter August dem Starken prächtig ausgebaut. Bis zu seiner völligen Zerstörung gegen Ende des Zweiten Weltkriegs galt das "Elbflorenz" als eine der schönsten Städte Deutschlands. In der Phase der deutschen Teilung wurden einige der zerstörten oder schwer beschädigten historische Bauwerke wie Zwinger und Semperoper wieder aufgebaut, viele andere wurden jedoch zerstört; die Neubauten gehorchten den funktionalistischen Grundsätzen der sozialistischen Stadtplanung. Die "Bausünden" dieser Epoche wurden nach der deutschen Wiedervereinigung teilweise wieder rückgängig gemacht, vor allem aber rückte der Wiederaufbau zentraler Elemente des historischen Stadtbilds wieder in den Mittelpunkt.

Dresden 1804
Das Kartenbild zeigt Dresden im Jahre 1804, zwei Jahre, bevor die Stadt zur Metropole eines von Napoleons Gnaden zum Königreich erhobenen Sachsens wurde. Die 1216 erstmals urkundlich erwähnte Stadt war im Laufe des 13. Jahrhunderts zunächst durch einen Palisadenwall und einen Stadtgraben, wenig später auch durch eine Stadtmauer befestigt worden. Im frühen 15. Jahrhundert wurden die bereits bestehenden Befestigungsanlagen durch eine zweite, vorgeschobene Mauer verstärkt, dazwischen entstand der sogenannte Zwinger, ein zunächst nur von Gräben durchzogenes Freigelände, das später zu einem Turnier- und Festplatz für den Adel werden sollte. Nach der Teilung Kursachsens zwischen den Brüdern Ernst und Albrecht wurde Dresden 1485 zur Haupt- und Residenzstadt. Nach einem großen Stadtbrand 1491 veränderte die Stadt ihr Aussehen. Kurfürst Moritz baute Dresden zu einer der Hauptfestungen des Landes aus, zugleich ließ er das Schloss in jenem Renaissance-Stil erweitern, der nun auch die neu errichteten Adelsresidenzen prägte. Diese erste Blüteperiode der Stadt wurde durch mehrere Pestepidemien unterbrochen, denen zwischen 1566 und 1633 etwa die Hälfte der Dresdner Bevölkerung zum Opfer fiel.
Seine große kulturelle Bedeutung als eine der europäischen Hauptstädte des Barock erlangte Dresden erst, als Friedrich August I., der Starke, der ab 1697 als König August II. auch über Polen herrschte, im Jahre 1694 seine lange Regentschaft begann. Schon in den letzten Jahrzehnten vor seinem Regierungsantritt hatten zugewanderte Handwerker die ersten Manufakturen gegründet und damit einen neuen Aufschwung eingeleitet. Nun gab der neue Landesvater ungeheure Summen für repräsentative Bauten, die Hofhaltung und prunkvolle Feste aus. In den folgenden drei Jahrzehnten verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf über 45 000 Menschen, zugleich wurden zahlreiche, bedeutende Gebäude errichtet, darunter der Zwinger, der zu den bedeutendsten Barockbauten Deutschlands zählt, die ebenfalls barocke Frauenkirche am Neumarkt und das Taschenbergpalais, das August der Starke für seine Mätresse erbauen ließ; auch das 1701 bei einem Brand stark beschädigte Dresdener Residenzschloss wurde neu und prächtig ausgebaut. Sein Sohn Friedrich August II. ließ ab 1737 die Katholische Hofkirche errichten, die später durch eine Brücke mit dem Schloss verbunden wurde, und erweiterte die umfangreiche Kunst- und Gemäldesammlung seines Vaters beträchtlich. Doch im Laufe des 18. Jahrhunderts wurde Sachsen durch seine Verwicklung in den österreichischen Erbfolgekrieg und den Siebenjährigen Krieg mehrfach von preußischen und österreichischen Truppen besetzt und durch Kriegshandlungen teilweise beschädigt oder zerstört. Viele Bewohner, die ihre Häuser durch Kanonenbeschuss und Stadtbrände verloren hatten, zogen fort, wodurch die Bevölkerungszahl bis 1804 von über 63 000 auf knapp 45 000 sank.

Dresden 1945
Nach dem Sturz Napoleons 1815 blieb Dresden die Hauptstadt des — allerdings deutlich verkleinerten — Königreiches Sachsen. Die prachtvollen Barockbauten aus der Blütezeit bestimmten weiterhin das Stadtbild, das sich allerdings in der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert deutlich modernisierte. Die starken Festungsanlagen um die historische Altstadt wurden abgetragen. Zu den wichtigsten Neubauten zählten neben der zentral gelegenen Stadtpost die ab 1838 errichtete erste Semperoper, die schon 1869 von einem Feuer vernichtet wurde. Zugleich entwickelte sich die Stadt immer mehr zu einem Industrie- und Wirtschaftsstandort. Nur ein Jahr nach dem Bau der Semperoper wurde auf dem neuen Stadtbahnhof mit der Eisenbahnlinie von Dresden nach Leipzig die erste Fernverbindung im deutschen Schienenverkehr in Betrieb genommen. Der Verlauf der Gleisanlagen markiert den Umfang des damaligen Stadtgebiets.
Sichtbarer Ausdruck für den Beginn der Gründerjahre in Dresden war der Bau der neuen Semperoper, der noch im Jahr der Reichsgründung 1871 begonnen wurde, nur ein Jahr später begann der Ausbau der Dresdener Straßenbahn. Zeichen des neuen Aufschwungs waren die Gründung zahlreicher Aktiengesellschaften und Banken, darunter auch die der Dresdner Bank. Bis zum Ersten Weltkrieg, von dem die Stadt weitgehend verschont blieb, wurde noch eine Vielzahl neuer kommunaler Bauten fertiggestellt, darunter 1910 das Rathaus. Der kulturelle Blüte der 1920er-Jahre, in denen unter anderem die Maler Otto Dix und Oskar Kokoschka in der Stadt lebten und wirkten, endete mit dem Beginn des Nationalsozialismus. Durch verheerende Bombenangriffe der Alliierten wurde die Dresdener Innerstadt im Februar 1945 nahezu vollständig zerstört, darunter auch die Frauenkirche, die zu den großartigsten Sakralbauten des Barockzeitalters zählte.
Der Wiederaufbau nach dem Krieg wurde maßgeblich durch politisch-ideologische Motive bestimmt. Zunächst in der sowjetischen Besatzungszone gelegen, wurde Dresden ab 1949 zur drittgrößten Stadt der neu begründeten DDR. Von den historischen Baudenkmälern der Stadt wurden nur einige wiedererrichtet, andere wurden teils aus Geldmangel und teils auch mit der Begründung, eine sozialistische Stadt benötige weder Kirchen noch Barockbauten, entweder abgerissen oder gesprengt, wie die stark zerstörte Sophienkirche 1962. Kennzeichnend für die moderne sozialistische Großstadt, zu der sich Dresden nun entwickeln sollte, waren vor allem die überbreiten Straßen, die sich, wie beispielsweise die St. Petersburger Straße, zum Teil bis heute erhalten haben. Die mitunter klotzig wirkenden Plattenbauten, die in diesen Jahrzehnten sowohl im Zentrum als auch in den Außenbezirken entstanden, wurden vor allem unter funktionalen Gesichtpunkten errichtet, ohne den Anspruch, sich in das historische Stadtbild zu fügen.

Dresden 2007
Als Dresden nach Mauerfall und Wiedervereinigung 1990 zur Hauptstadt des Freistaates Sachsen wurde, siedelten sich in der Stadt zahlreiche Ministerien und Landesbehörden an. Auf dem Kartenbild ebenfalls gut zu erkennen ist die außerordentlich hohe Zahl von Akademien, Instituten und anderen Bildungseinrichtungen. In der Stadtplanung setzten sich nun Konzepte durch, die dem Wiederaufbau des historischen Altstadtkerns um den Neumarkt oberste Priorität einräumten. 1992 wurde die Errichtung des World Trade Centers Dresden beschlossen, das 1996 im Westen der Altstadt als ultramodernes, 16-geschossiges Büro- und Geschäftshaus mit integriertem Hotel, Kongresszentrum und Ausstellungsflächen eröffnet wurde; mit seinen 3000 Beschäftigten wird es inzwischen von jährlich mehr als 2 Mio. Menschen frequentiert. Gleichzeitig wurden große Anstrengungen unternommen, der Stadt bis zu ihrem Jubiläumsjahr 2006 durch eine Mischung von Neu- und Wiederaufbauten etwas von ihrem alten Glanz zurückzugeben.
Am 30. Oktober 2005 wurde nach elfjähriger Bauzeit die Dresdner Frauenkirche wieder eröffnet. Auf dem benachbarten Neumarkt, der als geschlossenes Bauensemble des bürgerlichen Barock bis zu seiner Zerstörung als Baudenkmal von weltweitem Rang galt, erlebt die historische Dresdener Altstadt derzeit ihre Wiederauferstehung. Nachdem der Platz über mehr als vier Jahrzehnte eine innerstädtische Brache gewesen war, soll er nun seine historische Struktur zurückerhalten, wobei sich barocke und moderne Fassadenentwürfe mischen. Unmittelbar an diesem Platz wurde im Juli 2006 das luxuriöse Quartier QF fertig gestellt, ein Fünf-Sterne-Boutique-Hotel mit 61 Zimmern, das auf rund 17 000 m² Fläche neben exklusiven Wohnungen mehr als drei Dutzend Einzelhandelsgeschäfte, Kunstgalerien, Büroflächen und ausgesuchte Restaurants und Bars bietet.
Nur kurz nach seiner Eröffnung wurde am 15. September 2006 das Historische Grüne Gewölbe im Dresdner Residenzschloss für das Publikum geöffnet. Die einzigartige Schatzkammer des sächsischen Kurfürsten August des Starken gilt mit ihren rund 3000 kostbaren Objekten aus Gold, Bernstein und Elfenbein als eine historische Sehenswürdigkeit von Weltrang. Das Dresdner Schloss soll nach den Plänen der Stadt in den kommenden Jahren sukzessive zum "Sächsischen Louvre" ausgebaut werden. Um ein großzügiges Foyer für die weiteren Museen zu schaffen, die noch in das Residenzschloss einziehen werden, soll der Kleine Schlosshof 2008 mit einer Glaskuppel überdacht werden. Weitere wichtige bauliche Neuerungen der letzten Jahre sind das neben dem Sächsischen Landtag gelegene Kongresszentrum an der Elbe, das 2005 eingeweiht wurde, und der neu gestaltete Postplatz, der als zentrale Haltestelle des Dresdner Nahverkehrs dient. Der Aufsehen erregende Umbau des Dresdner Hauptbahnhofs, für den der britische Star-Architekt Sir Norman Forster ein lichtdurchlässiges Membrandach entworfen hatte, wurde zum Jubiläumsjahr 2006 weitgehend abgeschlossen.
Dass die Stadt wirtschaftlich erstarkt und in der Elektronik, aber auch der Automobilindustrie zu einem bedeutenden Standort geworden ist, lässt sich im Kartenbild an der Gläsernen Manufaktur ablesen.
K. Lückemeier

Graphiken

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Entstehungs- und Gliederungsmodell der deutschen Stadt

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Siedlungswachstum in München (1948,1972,2005)

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Charakteristische bauliche Merkmale

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Mitteleuropa: Stadtentstehung und -bauepochen

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