Dortmund - 1858 / 1945 / 2007

Deutschland – Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen

100750 | Seite 55 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 12.500
Dortmund | 1858 / 1945 / 2007 | Deutschland – Wandel ländlicher und städtischer Siedlungen | Karte 55/4

Informationen

Die an der oberen Emscher gelegene Stadt Dortmund, heute die größte Stadt in Westfalen, bildete sich im frühen Mittelalter bei einem karolingischen Königshof heraus. Im Jahre 1220 zur Reichsstadt erhoben, entwickelte sie sich zu einem bedeutenden Fernhandelsplatz und wurde zu Beginn des 15. Jahrhunderts Mitglied der Hanse. Doch mit dem Niedergang des Kaufmannsbundes begann auch derjenige der Stadt. Besiegelt wurde er durch die schweren Verwicklungen im Dreißigjährigen Krieg. Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 sank Dortmund für lange Zeit zur Ackerbürgersiedlung herab, bis die Stadt im 19. Jahrhundert einen neuen Aufschwung erlebte.

Dortmund 1858
Das Kartenbild von 1858 zeigt Dortmund zu Beginn der Industrialisierungsperiode. Etwa 30 Jahre zuvor hatte die Stadt erst etwa 6000 Einwohner gezählt, hatte also nach heutigen Maßstäben eher einem Dorf geglichen, nun war ihre Zahl bereits auf 21 000 angestiegen. Und doch lassen sich im Stadtbild noch viele mittelalterliche und frühneuzeitliche Bauelemente entdecken. Die rund 80 Hektar große Stadt befand sich noch innerhalb ihrer ehemaligen Befestigungsanlagen, von denen die Stadtmauer und die Stadttore zu diesem Zeitpunkt noch vollständig erhalten waren; nur zwei Jahre später entschlossen sich die Stadtväter, diese Anlagen aufgrund der explosiven Bevölkerungsentwicklung zu schleifen. Die Stadtmauer grenzte die Stadt scharf gegen das ländliche Umland ab.
Im Straßennetz tritt noch immer klar das Achsenkreuz der beiden historischen Fernhandelsverbindungen hervor, an dem Dortmund einst entstanden war. In Ost-West-Richtung war dies der "Hellweg", den vermutlich schon Kaiser Karl der Große benutzt hatte und der später zu einem Teil der — zwischen der niederländischen und polnischen Grenze verlaufenden — Bundesstraße 1 wurde, die Nord-Süd-Trasse führte von der Nordsee zum Rhein-Main-Raum; sie wurde später Teil der Bundesstraße 54. Beide Verbindungen kreuzten sich am Marktplatz, wo auch die Hauptkirchen standen. Das übrige Straßennetz war unregelmäßig gestaltet. Auffällig ist der zu diesem Zeitpunkt noch außerordentlich hohe Anteil von Acker- und Gartenland in der Innenstadt. Auf die einsetzende Industrialisierung und die wachsende Bedeutung Dortmunds als Zentrum der Kohlenförderung und Stahlverarbeitung weisen die 1847 errichteten Eisenbahnanlagen der Köln-Mindener Eisenbahn am Stadtrand hin.

Dortmund 1945
Das Kartenbild von 1945 zeigt Dortmund nach der fast vollständigen Zerstörung der Innenstadt durch eine ganze Serie alliierter Luftangriffe zwischen 1943 und 1945. Bis Ende der 1930er-Jahre war aus der dorfähnlichen Siedlung des frühen 19. Jahrhunderts eine weit über ihre Mauern hinaus gewachsene Industriegroßstadt geworden, die deutlich über 500 000 Einwohner zählte. Die industriellen Grundlagen ihres rasanten Wachstums waren Kohle und Stahl. An den Verlauf der ehemaligen Befestigungsanlagen erinnerten die "Wälle", auf denen nunmehr die mit Grünanlagen besetzten Ringstraßen verliefen, die die historische Altstadt umschlossen. Auch sonst hatte sich der mittelalterliche Straßengrundriss im Innenstadtbereich trotz des rasanten Wachstums beinahe unverändert erhalten. Zahlreiche öffentliche und zentrale Einrichtungen, die meist am Rand der historischen Altstadt, also dem Stadtring, lagen, zeigten allerdings den Funktionswandel zum Verwaltungs- und Wirtschaftszentrum an.
Die meisten dieser Verwaltungs- und Geschäftseinrichtungen waren im Sommer 1945 durch die Kriegshandlungen zerstört, gleiches galt für einen Großteil der Industrieanlagen. Auch die Wohnbebauung im Bereich der historischen Altstadt lag nahezu vollständig in Trümmern. Einen neuen und vergleichsweise raschen Aufschwung erlebte die Stadt, als wenige Wochen nach Kriegsende die erste Dortmunder Zeche wieder ihren Betrieb aufnahm. Die große Nachfrage nach Kohle und Stahl ermöglichte der Stadt einen raschen Wiederaufbau. Die Einwohnerzahl, die 1945 auf 433 000 gefallen war, wuchs allein in den ersten zehn Nachkriegsjahren auf rund 600 000 an, wodurch Dortmund zur größten Stadt in Nordrhein-Westfalen und zu einer der größten Städte Deutschlands wurde.

Dortmund 2007
Der Dortmunder Stadtkern von 2007 ist zu weiten Teilen Resultat der städtebaulichen Maßnahmen nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Grundlage für den Wiederaufbau des zu annähernd 95 Prozent zerstörten Stadtkerns war eine Neuordnung des Bodens: Ohne Bindung an alte Grundstücksgrenzen wurde der Stadtkern durch Baulandumlegung neu geordnet. Das wichtigste Ergebnis dieser vor allem auf eine großzügigere Verkehrserschließung abzielenden Neuordnung war eine Verminderung der Flächen für Baugrundstücke um 28 Prozent. Das Verhältnis der öffentlichen Verkehrs- und Freiflächen zu den Bauflächen beträgt deshalb nun etwa 1 : 1. Abgesehen von dieser Neuordnung, lassen die Straßenverläufe in der heutigen City noch immer stark die Grundzüge des historischen Stadtgrundrisses erkennen.
Zu den wichtigsten Baumaßnahmen der Nachkriegszeit zählten die Erweiterung der Straßenflächen und Freiräume und die damit einhergehende Durchgrünung der City, der Ausbau der "Wallstraßen" zu einer leistungsfähigen, mehrspurigen Ringstraße, der Neubau eines Busbahnhofs und die Schaffung von Fußgängerzonen im Zentralbereich der Haupteinkaufsstraßen. Der öffentliche Nahverkehr wurde am Ende der 1960er-Jahre durch den Bau einer U-Bahn verbessert, ein Ausgleich für die Reduzierung der Bauflächen zugunsten von Straßen- und Freiflächen wurde durch die Errichtung zahlreicher Hochhäuser im Stadtkern geschaffen. Dieser Stadtkern mit seinen Geschäftspassagen ist nun das Haupteinkaufszentrum für die gegenwärtig rund 587 000 Einwohner der Stadt.
H. Pape, W. Meißner

Graphiken

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Entstehungs- und Gliederungsmodell der deutschen Stadt

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Siedlungswachstum in München (1948,1972,2005)

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Charakteristische bauliche Merkmale

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Mitteleuropa: Stadtentstehung und -bauepochen

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