Diepsloot (Johannesburg) - geschlossene Wohnanlagen

Afrika - Bevölkerung/Siedlung

978-3-14-100700-8 | Seite 136 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 50.000
Diepsloot (Johannesburg) | geschlossene Wohnanlagen | Afrika - Bevölkerung/Siedlung | Karte 136/4

Informationen

Für einen Großteil der weißen und der arrivierten schwarzen Bevölkerung sind die innerstädtischen Bereiche von Johannesburg zu regelrechten "No-Go-Areas" geworden. Über einen Zeitraum von nur einem Jahrzehnt hat sich die ursprüngliche Bevölkerung aus der Innenstadt zurückgezogen und an der Peripherie neue Alternativen suchen müssen. Aber auch Menschen, die nie dort gewohnt haben, assoziieren mit den Innenstadtbereichen soziale und körperliche Gefahren, denen sie lieber aus dem Weg zu gehen versuchen.

Geschützte Wohnviertel
Angesichts steigender Kriminalitätsraten und immer krasserer sozialer Disparitäten werden in den letzten Jahren verstärkt vollständig ummauerte oder anderweitig vom öffentlichen Raum abgeschlossene Wohnbereiche angelegt. Die Bewohner dieser "Walled" oder "Gated Communities" sind vor allem Angehörige der Oberschicht sowie der weißen und aufstrebenden schwarzen Mittelschicht. Derzeit boomt insbesondere der sogenannte GASH-Markt (GASH = good address, small home), der mit relativ niedrigen Immobilienpreisen bevorzugt junge Paare, Singles und Alleinerziehende anspricht. Eine weitere Zielgruppe sind "Empty-Nesters"-Ehepaare, deren Kinder die gemeinsame Wohnung bereits verlassen haben. "Gated Communities" kommen nicht nur dem Wunsch nach wohnräumlicher Sicherheit entgegen, sondern auch nach Bequemlichkeit, denn viele Verantwortlichkeiten, beispielsweise das Reinigen des gemeinsamen Swimming Pools, lassen sich im kommunalen Verbund besser und bequemer organisieren.

"Security Villages" und "Townhouse Complexes"
Es gibt verschiedene Arten von "Gated Communities". Sogenannte Security Villages sind großflächige, in der Regel von einer privaten Entwicklungsgesellschaft "in einem Guss" angelegte Bauvorhaben, die durch Mauern oder Zäune nach außen abgegrenzt sind und eine kontrollierte und bewachte Zufahrt besitzen. Straßen innerhalb der Anlage sind privat und unterliegen der Instandsetzung und dem Management einer privaten Organisation. "Security Villages" können sowohl Wohn- als auch Geschäftsgebäude umfassen.
Je nach den finanziellen Möglichkeiten der Käufer handelt es sich, wie etwa im Falle von Dainfern (vgl. Karte), mitunter um "Large Security Estates", die an der urbanen Peripherie liegen und extensive Bauformen mit naturräumlichen Elementen wie Wasserläufen, Hang- und Tallagen oder Baumgruppen verbinden. Dainfern bietet ein komplettes "Lifestyle Package", das eine Vielzahl von Freizeitangeboten und baulichen Annehmlichkeiten bietet, darunter Golf- und Squashplatz nebst Fahrradwegen. Die Sicherheitseinrichtungen sind oft mit Grünanlagen "verblendet" bzw. in der Größe der Gesamtanlage für den einzelnen Bewohner nicht mehr augenfällig. Nahe gelegene Schuleinrichtungen und Shoppingcenter minimieren die Notwendigkeit, längere Wege durch die "ungeschützte" Stadt planen zu müssen.
"Townhouse Complexes" werden hingegen von Reihenhäusern dominiert. Im Gegensatz zum klassischen Einfamilienhaus mit umgebender Freifläche rücken die Wohnparteien im wahrsten Sinne zusammen, um das Wohnumfeld gegenseitig kontrollieren zu können. Man verzichtet dabei auf Anonymität und Grundfläche zugunsten mehrgeschossiger Bauweise und Gemeinschaftsflächen bzw. gemeinsam nutzbarer funktionaler Einrichtungen.
Der als "Cluster-Housing" bekannte Bautyp spricht die Mittelschicht als Klientel an. Im Gegensatz zu Image und Prestige steht der pragmatische Aspekt nach mehr Wohnsicherheit im Mittelpunkt. "Townhouse Complexes" können sehr unterschiedlich groß sein und eignen sich auch als Element der baulichen Nachverdichtung in älteren Wohngebieten.
U. Jürgens

Graphiken

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Bewachte Nachbarschaften im Nordosten Johannesburgs

Kartographie: U. Jürgens, Siegen
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Eingang zur bewachten Wohnanlage Kingsbridge Manor in Johannesburg

Foto: U. Jürgens, Siegen
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