Die Welt um 1914

Erde - Zeitalter des Imperialismus

978-3-14-100770-1 | Seite 22 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 90.000.000
Die Welt um 1914 |  | Erde - Zeitalter des Imperialismus | Karte 22/1

Informationen

Die Karte zeigt die Ausdehnung der Machtbereiche der imperialistischen und der anderen Kolonialstaaten am Vorabend des Ersten Weltkriegs.

Die Herrschaftsformen im British Empire
Das British Empire ist durch ein Mosaik sehr verschiedener Herrschaftsformen gekennzeichnet.
Die Kronkolonien waren dem Londoner Kolonialministerium direkt unterstellt und wurden von einem Gouverneur regiert. Es handelte sich dabei im Wesentlichen um kleinere, leicht zu kontrollierende Gebiete in der Karibik, um Hongkong und Ceylon (heute Sri Lanka) in Asien, um Sierra Leone und Ghana in Afrika sowie um die Falklandinseln und Gibraltar. Ebenfalls direkt, aber nicht in demselben Ausmaß wurden die Protektorate regiert (z. B. Kenia).
In kolonial beherrschten Gebieten wurden die Hoheitsfunktionen durch eine Kolonialverwaltung ausgeübt, der jeweils ein Gouverneur vorstand. Der bisherige lokale Machthaber und seine politischen Strukturen wurden meist vollständig ersetzt.
Indirekt wurde die Herrschaft bei der Ordnungsform des "indirect rule" ausgeübt. In Indien wurde z. B., unter der Oberherrschaft der Kolonialmacht, die Herrschaft in kleinen, zerstückelten Staatsgebilden durch lokale einheimische Autoritäten (Fürsten, Stammesalteste o. Ä.) ausgeübt. Deren Möglichkeiten und Einfluss war stark reglementiert und auf die Innenpolitik beschränkt. In Britisch-Indien gab es über 500 solcher Zwergstaaten, sie lagen oft in wirtschaftlich uninteressanten Gebieten (Gebirge, Halbwüsten, Landesinneres). In einigen Gebieten, wie z. B. Sansibar wurde die Herrschaft auch durch einen kleinen britischen Beraterstab ausgeübt, der die Politik einer als Fassade aufrecht erhaltenen Marionettenregierung aber in allen wesentlichen Fragen bestimmte.
Dominions waren staatsähnliche Gebilde, die ab 1839 (beginnend mit Kanada) durch schrittweise Transformation aus Kolonien entstanden. In ihnen übte die weiße Schicht der Siedler die Macht aus, gleichwohl waren sie noch eng mit dem Mutterland verknüpft. Weitere Beispiele sind Neuseeland, Australien und die Südafrikanische Union. Das Modell der Dominions wurde nach dem Ersten Weltkrieg auch in Teilen Afrikas eingeführt.
Indien nahm eine Sonderstellung ein, große Teile des Landes befanden sich lange Zeit unter der nichtstaatlichen Kontrolle der britischen East Indian Company. 1858 wurde dann ein Vize-König für Indien mit weitreichenden Machtbefugnissen eingesetzt und 1876 die englische Königin Victoria zur Kaiserin von Indien erhoben. Sie wurde somit in Personalunion offizielles englisches und indisches Staatsoberhaupt.
Zu den so mehr oder weniger direkt in das British Empire eingegliederten Staaten kamen Einflussgebiete in China, Thailand und Westasien, in denen mit Kanonenbootpolitik und notfalls auch mit Krieg (Opiumkriege gegen China) die Öffnung der Märkte für die britische Wirtschaft erzwungen worden war. Ort und Ausmaß eines solchen Engagements waren wesentlich von wirtschaftlichen Interessen bestimmt. Sonderrechte wurden in vertraglichen Regelungen festgeschrieben, Konsulate und Berater nahmen informell Einfluss auf die örtlichen Regierungen. Eine direkte Herrschaftsausübung wie über Kolonialverwaltungen oder einen Gouverneur gab es aber nicht.
M. Felsch

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