Deutschland - Zusätzliche Einkommensquellen von Landwirten

Deutschland - Landwirtschaftliche Betriebe

978-3-14-100800-5 | Seite 58 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 7.000.000
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Überblick

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft und Einkommensverluste im Kerngeschäft haben viele Landwirte vor erhebliche Probleme gestellt. Die Erschließung neuer Einkommensquellen war häufig das einzige Mittel, die Existenz ihrer Betriebe langfristig zu sichern. Die Erfolgsaussichten solcher Diversifizierungsbemühungen hängen, wie eine aktuelle Studie des Bayrischen Instituts für Agrarökonomie gezeigt hat, sowohl von den Gegebenheiten des jeweiligen Betriebes als auch vom vorhandenen Umfeld ab. Faktoren wie das naturräumliche Potenzial, die Lage und Größe des nächstliegenden Ortes und die verkehrstechnische Anbindung an urbane Zentren sind von erheblichem Einfluss. So sind selbsterzeugte Produkte in wirtschaftsstarken, aufstrebenden Regionen in der Regel leichter zu vermarkten als in dünn besiedelten, marktfernen Räumen. Der Europäische Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER) fördert im Zeitraum 2014–2020 die Erschließung alternativer Einkommensquellen aus EU-Mitteln.

Alternative Einkommensquellen

Die Erzeugung erneuerbarer Energien hat seit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Jahre 2000 stark an Bedeutung gewonnen, insbesondere in den Sparten Solarenergie, Windenergie und Bioenergie. Für die stoffliche und energetische Nutzung von Biomasse wurden in Deutschland 2013 auf 2,39 Mio. Hektar nachwachsende Rohstoffe angebaut, was mehr als 20 Prozent der gesamten Ackerfläche entspricht. Zu den wichtigsten Energiepflanzen zählen derzeit Rapsöl für Biodiesel, Pflanzen für Bioethanol und Biogas sowie Agrarholz. Die Erzeugung erneuerbarer Energien hat in Westdeutschland eine deutlich höhere Bedeutung als in Ostdeutschland (wo sich zahlreiche Landwirte durch Auftragsarbeit für andere Betriebe ein zusätzliches Einkommen sichern). Die Erzeugung von Strom, Kraftstoffen und Wärme ist für viele Landwirte zu einem wichtigen zweiten Standbein geworden.

Eine weitere Nebenerwerbsquelle ist der Agrotourismus, der Urlaub auf dem Bauernhof. Seine Kerngebiete liegen in den klassischen deutschen Tourismusregionen an der Ostseeküste und im Alpenraum (vgl. 62.1), doch auch in vielen anderen Landesteilen gewinnt er zunehmend an Bedeutung. Überdies profitiert der Agrotourismus von der Tatsache, dass sich viele Höfe durch Lage, Grundstück und vorhandene Wirtschaftsgebäude hervorragend für eine Umnutzung eignen. Inzwischen werden in Deutschland in der Sparte „Urlaub auf dem Bauernhof“ mehr als 5 Mio. Reisen und 25 Mio. Übernachtungen pro Jahr registriert.

Auch die Direktvermarktung landwirtschaftlicher Produkte ist im Aufwind. Vorteile der Direktvermarktung sind die durch den Wegfall von Zwischenhändlern verbesserte Gewinnspanne, eine höhere Qualität und Frische, Transparenz (z.B. im Hinblick auf Tierhaltung) und eine starke Kundenbindung, Nachteile sind die stark erhöhte Arbeitsintensität und Schwierigkeiten bei der Werbung von Neukunden bzw. der Erschließung von Absatzgebieten.

Landwirtschaftliche Betriebe, die sich durch Pferdehaltung ein zusätzliches Einkommen sichern, haben ebenfalls stark zugenommen. Allerdings ist diese Art der Nutzung stark standortabhängig und im Wesentlichen auf das Einzugsgebiet der großen Ballungszentren konzentriert.

Angesichts der akuten Überfischung vieler mariner Speisefischarten (vgl. 263.3–4) ist die Fischzucht ein bislang noch vergleichsweise wenig entwickelter Wirtschaftszweig mit Wachstumspotenzialen. Auf dem deutschen Markt übersteigt die Nachfrage das Angebot aus heimischer Aquakultur noch deutlich. Führend unter den Bundesländern ist mit weitem Abstand Bayern

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