Deutschland - Wirtschaftsstruktur

Deutschland - Wirtschaftsstruktur

978-3-14-100700-8 | Seite 64 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 3.500.000
Deutschland | Wirtschaftsstruktur | Deutschland - Wirtschaftsstruktur | Karte 64/1

Informationen

Die Wirtschaftsstruktur Deutschlands wird von einer Vielzahl historischer, ökonomischer und sozialer Erscheinungen und Entwicklungen geprägt. Bestimmend sind vor allem die Sektor- und Branchenstrukturen, die Produktionsleistungen und die Wertschöpfung, die Kosten von Arbeit und Kapital, der private Konsum und nicht zuletzt die Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt.

Regionale Unterschiede
Regional gibt es in Deutschland erhebliche sektorale Strukturunterschiede, wie vor allem der Dienstleistungsanteil zeigt. In großen Handels- und Dienstleistungszentren wie Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt a. M. oder München machen die Erwerbstätigen, die im Handel, im Verkehrsbereich und in sonstigen Dienstleistungsbereichen beschäftigt sind, fast drei Viertel der Beschäftigten aus. Auch viele Küstenregionen, in denen der Tourismus eine große wirtschaftliche Bedeutung hat, erreichen vergleichbare Werte, wie in Schleswig, Ostholstein und Vorpommern.
Der Anteil des produzierenden Gewerbes hat sich in den letzten Jahren bundesweit kontinuierlich verringert. Inzwischen sichert dieser Wirtschaftsbereich nicht einmal mehr 30 Prozent der gesamtdeutschen Beschäftigung. Vor allem die ostdeutschen Regionen waren nach der deutschen Einigung durch eine starke Deindustrialisierung gekennzeichnet. Nur in wenigen der traditionellen ostdeutschen Industrieregionen erreicht der sekundäre Sektor heute noch einen Anteil von über 30 Prozent; den höchsten Wert von 36,7 Prozent findet man in der Region Südthüringen. In den alten Ländern gibt es noch einige zum Teil eher ländlich geprägte Regionen, in denen noch mehr als 35 Prozent der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe tätig sind. Spitzenwerte von knapp über 40 Prozent finden sich vor allem in solchen Regionen wie Schwarzwald-Baar-Heuberg und Ostwürttemberg, die sich durch traditionelle gewerbliche Spezialisierungen auszeichnen, sei es im Bereich des Fahrzeugbaus oder der Textil-, Leder-, Feinmechanik-, Glas- und Keramikindustrie.
Stadtregionen sind in Deutschland nur noch selten bedeutsame Industriestandorte. Entsprechend hat das produzierende Gewerbe in großen Ballungsräumen wie Berlin, Hamburg oder dem Rhein-Main-Gebiet nur noch geringe Anteile von teilweise weit unter 20 Prozent. Diese Regionen haben sich längst zu überregional bedeutsamen Dienstleistungszentren entwickelt.
Die in der Karte nicht eigens aufgeführte Landwirtschaft erreicht nur noch in wenigen ostdeutschen Regionen wie der Altmark und der Mecklenburgischen Seenplatte sowie in Westmittelfranken einen Anteil von über 6 Prozent an den Erwerbstätigen.

Zur Regionalstruktur der Wirtschaftskraft
In der regionalen Wirtschaftskraft spiegeln sich noch immer die gravierenden Ost-West-Disparitäten. Die Ost-West-Schere im Produktivitätsniveau (Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen) hat sich seit 1989 zwar kontinuierlich verringert, aber selbst 2003 erreichte das BIP je Einwohner in den neuen Bundesländern nur knapp 70 Prozent des westdeutschen Vergleichswertes. Die hohe Dynamik, die der Angleichungsprozesses Anfang der 1990er-Jahre noch zeigte, konnte in den letzten Jahren nicht mehr erreicht werden.
Unter den ostdeutschen Bundesländern hat Sachsen mit einem BIP von 16 659 Kaufkraftstandards (KKS) je Einwohner im Hinblick auf seine Wirtschaftskraft das höchste Niveau erreicht. Aber selbst dieser Spitzenwert reicht nicht, um eines der westdeutschen Bundesländer hinter sich zu lassen. Auch das Land Berlin, das zumindest im Westteil der Stadt wettbewerbsfähige Strukturen haben sollte, erreicht nur ein unterdurchschnittliches Niveau der Wirtschaftskraft. Von den westdeutschen Bundesländern rangiert einzig Rheinland-Pfalz hinter Berlin. Neben den vielfältigen Problemen im Ostteil der Stadt hat Berlin offensichtlich auch noch viel Arbeit zu leisten, um die Strukturen zu modernisieren und anzupassen, die sich im Westteil der Stadt in den Jahren der deutschen Teilung, vor allem infolge umfangreicher Subventionen, herausgebildet haben.
Das höchste Niveau der Wirtschaftskraft konzentriert sich vor allem auf die kreisfreien Städte und/oder deren Umlandkreise in den Ländern Hamburg, Bremen, Hessen, Bayern und Baden-Württemberg. Neben der Region München zeichnen sich dementsprechend vor allem die kreisfreien Städte Frankfurt am Main, Wolfsburg, Düsseldorf, Schweinfurt, Regensburg und Stuttgart durch ein sehr hohes Niveau der Wirtschaftskraft aus.
Die ostdeutschen Regionen sind noch immer flächendeckend durch ein weit unterdurchschnittliches Niveau der Wirtschaftskraft gekennzeichnet. Auch hier weisen die Städte in der Regel ein höheres Niveau auf als die ländlichen Kreise. Aufgrund des insgesamt sehr niedrigen Niveaus der Wirtschaftskraft lag der Anteil der neuen Länder am Bruttoinlandsprodukt 2003 mit 15,2 Prozent weit unter ihrem Bevölkerungsanteil von 20,5 Prozent. Bundesweit die niedrigste Wirtschaftskraft weisen Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Thüringen auf.
Ein Blick auf die Standardabweichung des Bruttoinlandsproduktes je Einwohner verdeutlicht zudem, dass die ostdeutschen Bundesländer hinsichtlich ihrer Wirtschaftskraft untereinander wesentlich geringere Disparitäten aufweisen als die westdeutschen Länder. Die geringere regionale Streuung des Wirtschaftskraftniveaus — gemessen am Variationskoeffizienten — zeigt sich am deutlichsten im Verhältnis der Regionen mit Extremwerten. Während die westdeutschen Kreise mit der höchsten Wirtschaftskraft mehr als sechsmal höhere Werte als die Kreise mit der niedrigsten Wirtschaftskraft realisieren, erreichen die besten ostdeutschen Kreise Eisenach und Zwickau lediglich dreimal so hohe Werte. Die echten Wachstumsregionen fehlen den neuen Ländern offensichtlich noch.
S. Maretzke

Graphiken

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Beschäftigte in der Stahlindstrie

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Deutschland — Wachstumsmotor Außenwirtschaft

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Strukturwandel in der Erwerbstätigkeit nach Witschaftssektoren

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Kaufkraft im nördlichen Speckgürtel Hamburgs

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Erwerbstätige (Informationssektor), Deutschland

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Beschäftigungsstruktur IKT

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Die Struktur des tertiären Sektors in Deutschland (2003)

Tertiärisierung bedeutet, dass der tertiäre Sektor an der Zahl der Beschäftigten und am Beitrag des Bruttonationaleinkommen gemessen, der bedeutendste Wirtschaftszweig ist.
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Bruttowertschöpfung im Ruhrgebiet (1980-2005)

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Beschäftigung, Produktion und Produktivität in der Textilbranche

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Entwicklung der Beschäftigtenanteile der Wirtschaftssektoren in Deutschland 1882-2005

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Entwicklung der Beschäftigtenanteile der Wirtschaftssektoren nach Fourastie (1949)

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