Deutschland - Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte

Deutschland - Landwirtschaft

978-3-14-100800-5 | Seite 57 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 7.000.000
Deutschland | Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte | Deutschland - Landwirtschaft | Karte 57/3

Überblick

In der Nahrungsmittelindustrie entscheidet ein ganzes Bündel von Faktoren über die Lage der Verarbeitungsstandorte: die Nähe zu Absatzmärkten, Häfen und Handelsplätzen, die Verkehrslage, Knowhow und Arbeitskosten, Fördermittel bei Unternehmensansiedlungen, regionale Produktionsnetze / Cluster und nicht zuletzt auch marketingwirksame Traditionen einer Region. Die Nähe zu den Anbaugebieten der Ausgangsprodukte spielt oft nicht mehr eine so bedeutende Rolle wie früher, ist jedoch in einigen Branchen noch ein ganz wesentlicher Faktor.

Die Zuckerindustrie ist vorrangig in Gebieten mit fruchtbaren Böden angesiedelt, die für den Zuckerrübenanbau geeignet sind, um kurze Transportwege zwischen Ernte und Verarbeitung zu gewährleisten. Ihre wirtschaftliche Lage wird derzeit noch durch die EU-Zuckermarktordnung bestimmt, die noch bis 2017 in Kraft sein wird. Zweifellos wird das Auslaufen der Zuckermarktverordnung die deutsche Zuckerindustrie verändern.

Die milchverarbeitende Industrie ist mit einem Produktionswert von gut 9 Mrd. Euro und einem Anteil von 30 000 Arbeitsplätzen der wichtigste landwirtschaftliche Produktionszweig in Deutschland, deutlich vor dem Getreideanbau oder der Schweinemast. Die Zahl der Betriebsstätten ist in den letzten Jahrzehnten jedoch stark zurückgegangen, vor allem die der kleinen und mittelständischen Betriebe. Die Standorte konzentrieren sich wegen der leichten Verderblichkeit an den Orten der Milchviehhaltung; sie sind regional breit gestreut.

Im Bereich der Fleischverarbeitung ist eine Konzentration in den Produktionsgebieten unverkennbar. Früher erfolgte die Schlachtung in den Verbrauchsgebieten, da der Transport von lebendem Vieh unproblematischer war als der von Schlachthälften oder Teilstücken. Durch bessere Kühltechnik bereitet heute der Transport von Schlachthälften und Teilstücken kaum noch Probleme.

Betriebe der Gemüse- und Obstverarbeitung konzentrieren sich aufgrund der leichten Verderblichkeit von Obst und Feingemüse bei längeren Transporten in den Hauptanbaugebieten. Ein ähnlicher Trend lässt sich bei den Betrieben erkennen, die Kartoffeln verarbeiten. Grund ist hier weniger die Verderblichkeit als der Transportaufwand. Um genügend Rohstoffe zur Verfügung zu haben und die verarbeitenden Betriebe auszulasten, werden in diesen Sektoren häufig Verträge mit den liefernden Landwirten aus der Region abgeschlossen.

Die Fischverarbeitung erfolgt in Deutschland v.a. auf der Basis von Importen, die an der Küste angelandet werden; Zentren sind Bremerhaven und Cuxhaven. Auch in diesem Sektor hat eine Konzentration stattgefunden.

Veränderungen des Marktes

Die Industrie steht heute vor anderen Herausforderungen als noch vor einigen Jahrzehnten. Der Preisdruck und die Verbraucheransprüche im Hinblick auf Qualität, Frische und Sortiment sind stark gestiegen, während der Anteil der Kosten für landwirtschaftliche Rohstoffe an den Nahrungsmittelpreisen drastisch gesunken ist.

Marktvorteile können sich ergeben, wenn sich zum Beispiel unterschiedliche Unternehmen der landwirtschaftlichen Produktion auf engem Raum ansiedeln. Solche Konzentrationen, gibt es im Bereich der tierischen Veredelungswirtschaft beispielsweise im Raum Vechta/Cloppenburg (vgl. 59.5). Der ökonomische Erfolg solcher Cluster verdankt sich Synergieeffekten, die durch das Zusammenspiel von guten Produktionsbedingungen, kurzen Transportwegen und geballtem Knowhow entstehen. Unter dem Gesichtspunkt des Umwelt- und Verbraucherschutzes (Massentierhaltung, Gefahr der Überdüngung durch hohen Tierbesatz, Seuchenrisiko, Einsatz von Zusatzstoffen etc.) werden Teilaspekte solcher Cluster in den letzten Jahren auch kritisch gesehen.

Im Ernährungsgewerbe sind sowohl internationale Konzerne als auch mittelständische und kleine Unternehmen tätig, doch letztere unterliegen immer häufiger dem harten Konkurrenzdruck. Insbesondere bei Bäckereien und Metzgereien hat das Handwerk zwar noch immer Bedeutung, doch gibt es starke Konzentrations- und Verdrängungsprozesse hin zu industriell fertigenden Großbetrieben, die Fertig- oder Vorprodukte herstellen und vertreiben. Mit dieser Entwicklung eng verflochten ist die globale Tendenz zur Internationalisierung des Ernährungsgewerbes, in der Karte erkennbar an den zahlreichen Standorten, die zu multinationalen Unternehmen gehören (z. B. Großbrauereien).

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