Deutschland und seine Nachbarländer - Energiewirtschaft

Deutschland - Energie

978-3-14-100389-5 | Seite 44 | Abb. 1
Deutschland und seine Nachbarländer | Energiewirtschaft | Deutschland - Energie | Karte 44/1

Überblick

Die Bruttostromerzeugung in Deutschland ist in den letzten 25 Jahren von rund 550 Terawattstunden (TWh = Mrd. kWh) im Jahr 1990 auf 654 TWh im Jahr 2017 gestiegen. Gleichzeitig haben sich die Anteile der einzelnen Energieträger verändert. Deckten Braunkohle, Steinkohle und Kernenergie 1990 noch 84,4 Prozent der Bruttostromerzeugung, waren es 2017 nur noch 49 Prozent (davon Braunkohle 23 %, Steinkohle 14 %). Am stärksten zurückgegangen ist – vor allem in den letzten 14 Jahren – der Anteil der Kernenergie: von 27,1 Prozent im Jahr 2003 auf 12,0 Prozent im Jahr 2017. Erneuerbare Energien verzeichneten dagegen 2017 einen Rekordanteil von 33 Prozent. Erdgas trug 13 Prozent zum deutschen Strommix bei und hat damit im Vergleich zu 2003 (10,3 %) leicht zugenommen.

Stein- und Braunkohle

Die räumliche Verteilung der deutschen Steinkohlekraftwerke zeigt eine starke Konzentration in den traditionellen Steinkohlenrevieren an Ruhr und Saar und an stark frequentierten Schifffahrtswegen. Die deutsche Steinkohlenförderung ist seit den 1990er-Jahren durch den Abbau von Subventionen stark zurückgegangen, 2006 wurde von der Bundesregierung der Ausstieg aus dem subventionierten Steinkohlenbergbau bis 2018 beschlossen. Parallel stieg der Importbedarf: Wurden 2003 noch 28,9 Millionen Tonnen eingeführt, waren es 2017 40,2 Millionen Tonnen. Wichtigste Herkunftsländer der deutschen Steinkohlenimporte waren Russland (16,4 Mio. t), gefolgt von den USA/Kanada (8,4 Mio. t) und Australien (5,1 Mio. t). Der bedeutendste fossile Energieträger in Deutschland ist die Braunkohle, die im Unterschied zur Steinkohle ohne Subventionen gefördert und verarbeitet werden kann. Die Braunkohlekraftwerke konzentrieren sich stark auf die traditionellen Abbaugebiete (gleiches gilt für die Nachbarländer Polen und Tschechien). Deutschland verfügt über rund zehn Prozent der weltweit wirtschaftlich gewinnbaren Braunkohlenreserven. Etwa 35 Milliarden Tonnen lagern im Rheinland, weitere 8 Milliarden Tonnen im Helmstedter, im Mitteldeutschen und im Lausitzer Revier. Alle deutschen Braunkohlekraftwerke liegen in diesen vier Abbaugebieten. 2017 wurden in ihnen 148 Milliarden kWh Strom erzeugt, damit hatte die Braunkohle einen Anteil von 22,6 Prozent am deutschen Strommix. Umweltpolitiker und -verbände kritisieren dies, weil die Stromerzeugung aus Braunkohle besonders klimaschädlich ist und die Verminderung des CO2-Ausstoßes durch Investitionen in erneuerbare Energien zu konterkarieren droht. Sowohl bei Steinkohle- als auch bei Braunkohlekraftwerken ist der Anteil an der Stromerzeugung deutlich größer als der Anteil an der insgesamt installierten Kapazität. Dies lässt sich unter anderem durch ihre Rolle als Grundlastkraftwerke, die rund um die Uhr Strom erzeugen, erklären.

Kernenergie

Nachdem sich Bundesregierung und Kernkraftwerksbetreiber 2000 im sogenannten Atomkonsens darauf geeinigt haben, langfristig auf die Nutzung von Kernenergie zu verzichten und der Ausstieg aus dieser Form der Energiegewinnung nach der Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima (März 2011) von der schwarz-gelben Koalition beschleunigt wurde, unter anderem durch Abschaltung von Reaktoren (acht sofort, Grafenrheinfeld 2015, Gundremmingen B 2017), gibt es gegenwärtig in Deutschland noch sieben Kernkraftwerke, die der kommerziellen Stromerzeugung dienen. In Atomkraftwerken wird durch Kernspaltung Wärme erzeugt, die durch Übertragung auf Wasser eine Turbine antreibt. Die Umwandlung der Energie geschieht also ähnlich wie in anderen Wärmekraftwerken, dennoch ist die Kernenergie besonders umstritten, nicht nur aus Angst vor Strahlenbelastung, sondern auch, weil bis heute unklar ist, wie und wo der anfallende Atommüll gelagert werden kann. Wie auch bei den Kohlekraftwerken ist der Anteil der Kernkraftwerke an der Stromerzeugung deutlich größer als der Anteil an der insgesamt installierten Kapazität (Funktion als Grundlastkraftwerke). Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz soll der Versorgungsbeitrag der Kernenergie mit ihrem Auslaufen 2022 durch erneuerbare Energien gedeckt werden. Das bedeutet allerdings auch, dass die Beiträge von Stein- und Braunkohle vermutlich unverändert hoch bleiben. Dies wird unter Gesichtspunkten des Klimaschutzes kritisch bewertet. Ein energiepolitischer Gegensatz zwischen den Ländern der EU wird deutlich, wenn man den Einsatz der Kernenergie in Deutschland und seinem Nachbarn Frankreich vergleicht (siehe Karte).

Erdgas

2017 wurden 7,3 Milliarden Kubikmeter Erdgas in Deutschland gefördert – mit rückläufiger Tendenz. Fast das gesamte deutsche Erdgas kommt aus Niedersachsen. Mit der heimischen Förderung können aber nur etwa 5 Prozent des inländischen Bedarfs gedeckt werden, das weitaus meiste Erdgas stammt aus Importen vor allem aus Russland, Norwegen und den Niederlanden. Während Erdgas in Deutschland einen vergleichsweise geringen Anteil (13 %) am Strommix hat, trägt es in den Niederlanden und in Italien – ebenso wie in Großbritannien und in Irland, die ebenfalls über große eigene Gasvorkommen verfügen – in erheblich stärkerem Ausmaß zur Stromversorgung bei. Die Funktion der Erdgaskraftwerke als relativ schnell verfügbare Kraftwerke für Spitzenzeiten des Stromverbrauchs äußert sich im geringen Anteil an der Stromerzeugung in Beziehung zur installierten Kapazität. Erdgaskraftwerke können prinzipiell aber auch die Rolle von Grundlastkraftwerken übernehmen.

Wasserkraft in den Alpenländern

Wasserkraft ist die älteste erneuerbare Energie im deutschen Energiemix und zur Grundlastversorgung geeignet (im Falle von Pumpspeicherkraftwerken auch zum Ausgleich von Verbrauchsspitzen). Seit 1990 liegt der Anteil der Wasserkraft an der Stromversorgung mit leichten Schwankungen relativ kontinuierlich bei 3–4 Prozent (2017: 3,8 %). Die deutschen Wasserkraftwerke liegen vor allem im Süden Deutschlands (kettenartig an den Flüssen im Alpenvorland, am Rhein und an der Mosel). Einen weit größeren Anteil an der Stromversorgung hat die Wasserkraft in der Schweiz, wo sie die wichtigste heimische Energiequelle ist. Lauf- und Speicherkraftwerke deckten 2016 59 Prozent des schweizerischen Strombedarfs und hatten einen Anteil von 97 Prozent an der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien, während Wind- und Photovoltaikanlagen nur geringfügig zur Energieproduktion beitrugen. Zweitwichtigste Energiequelle des Landes ist die Kernkraft, die ein Drittel des Schweizerischen Energiebedarfs deckt. In Österreich trägt die Wasserkraft fast zwei Drittel zur Stromversorgung bei und ist damit der mit Abstand wichtigste Energieträger. Etwa zwei Drittel der gewonnenen Elektrizität aus Wasserkraft stammen aus Laufkraftwerken, ein Drittel aus Speicherkraftwerken. Die rund 600 Wärmekraftwerke des Landes hatten 2016 einen Anteil von 21 Prozent an der österreichischen Stromversorgung. Andere erneuerbare Energien wie Wind, Photovoltaik oder Geothermie tragen noch nicht stark zum österreichischen Energiemix bei, haben allerdings eine deutlich steigende Tendenz. Das einzige Kernkraftwerk des Landes wurde zwar fertiggestellt, ging aber nach einer Volksabstimmung 1978 nie in Betrieb.

Basiskarte

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