Deutschland - Schiffsverkehr

Deutschland - Verkehr

978-3-14-100803-6 | Seite 64 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 7.000.000
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Überblick

In Deutschland werden derzeit 7476 Kilometer Fluss- und Kanalstrecken als Bundeswasserstraßen eingestuft. Den größten Anteil daran haben der Rhein und seine Nebenflüsse (Neckar, Main, Mosel, Saar, Lahn), die ein 1797 Kilometer langes Schifffahrtsnetz bilden, gefolgt von den Wasserstraßen zwischen Rhein und Elbe (Ruhr, Weser, Mittellandkanal, Dortmund-Ems-Kanal usw.) mit 1437 Kilometern Länge. Das Elbegebiet (mit Unterelbe, Saale usw.) und die Wasserstraßen zwischen Elbe und Oder (mit Spree, Havel usw.) haben je eine Streckenlänge von rund 1000 Kilometern, die Gewässer an der Ostseeküste, Oder und Donau bringen es zusammen auf 900 Kilometer. Alle sonstigen Bundeswasserstraßen umfassen knapp 1400 Kilometer.

Binnenschifffahrt in Zahlen

2012 hatte die Binnenschifffahrt einen Anteil von 5,1 Prozent an der Beförderungsmenge im deutschen Güterverkehr. Gemessen an der Beförderungsleistung, also unter Berücksichtigung der Transportweite, kam sie aufgrund der durchschnittlich längeren Wegstrecken auf einen Anteil von 8,4 Prozent. Die wichtigsten Transportgüter in der deutschen Binnenschifffahrt waren 2012 Erze, Steine und Erden (etwa 25 % aller Güter), gefolgt von Kokerei- und Mineralölerzeugnissen (17 %), Kohle, Rohöl und Erdgas (15,3 %) chemischen Erzeugnissen (11,7 %) und landwirtschaftlichen Produkten (7,3 %), also vor allem Massengüter.

Der mit Abstand größte Teil des Gütertransports im Binnenschiffverkehr konzentriert sich auf das Rheingebiet, insbesondere auf den Niederrhein, der als Verbindung zwischen dem Rotterdamer Hafen (vgl. 123.3) und dem größten deutschen Binnenhafen in Duisburg (vgl. 65.5), dient.

Aufgrund der harten Wettbewerbsbedingungen musste die deutsche Binnenflotte ihren Bestand in den letzten Jahren beständig verringern. Die Binnenschifffahrt beschäftigte im Juni 2011 etwa 7200 Personen, rund 800 weniger als noch 2004. Auch der Bestand der deutschen Binnenflotte hat sich weiter verringert.

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Das deutsche Binnenschifffahrtsnetz

Durch Stauregulierung wurden Mosel, Saar, Main, Neckar, Ems und die Mittelweser für die Binnenschifffahrt ganzjährig nutzbar gemacht. Elbe und Oder hingegen sind in geringerem Maße ausgebaut. Dies schränkt ihre Befahrbarkeit während der sommerlichen Niedrigwasserperioden deutlich ein.

In Westdeutschland wurde mit dem seit 1976 schiffbaren Elbe-Seiten-Kanal eine Alternative zum Verkehr auf der oft von Niedrigwasser betroffenen Elbe geschaffen. Damit hatte der Hamburger Hafen einen ganzjährigen Anschluss an das westdeutsche Binnenschifffahrtsnetz.

Seit 2003 ist auch der Ausbau des östlichen Mittellandkanals und des Elbe-Havel-Kanals mit Kanalbrücke und Schiffshebewerk bei Magdeburg („Wasserstraßenkreuz“) abgeschlossen. Damit kann die Ost-West-Verbindung im Bereich zwischen Hannover und Berlin besser genutzt werden.

Der Mittellandkanal ist mit 326 Kilometern die längste künstliche Wasserstraße Deutschlands; er verfügt über drei Schleusen, die einen Höhenunterschied von maximal 19 Metern ausgleichen.

Neben der Funktion als Verkehrsweg spielen die deutschen Kanäle für die Wasserwirtschaft eine Rolle. So wird über den Main-Donau-Kanal Altmühlwasser in das Regnitz-Main-Gebiet gepumpt. Das Westdeutsche Kanalnetz dient bei Bedarf als Fernwasserleitung, ebenso der Oder-Spree-Kanal.

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Wirtschaftliche Bedeutung

Zugelegt hat der außereuropäische Seeverkehr, der im Zuge der Globalisierung durch die Zunahme des Handelsvolumens im Allgemeinen und die Verlagerung ganzer Produktionszweige nach Ost- und Südostasien im Besonderen starke Wachstumsimpulse bekommen hat. Die Seeschifffahrt erlebte daher in den letzten Jahren einen Boom wie nie zuvor. Deutsche Seeschiffe beförderten 2011 rund 293 Mio. Tonnen Güter – das waren rund 7 Prozent der gesamten Beförderungsmenge im Güterverkehr und etwa 35 Prozent mehr als noch 1999. Die Hälfte des Seeverkehrs findet jedoch noch immer mit dem europäischen Ausland statt. Der wichtigste Hafen im deutschen Seeverkehr ist Hamburg (vgl. 34.2).

Der Boom des Containerverkehrs hat auch den Gütertransport auf den Binnenwasserstraßen verändert. Im „kombinierten Verkehr“ werden zunehmend Transportketten gebildet, die unterschiedliche Verkehrsträger (Lkws, Güterzüge, Schiffe) integrieren. Etwa 80 Prozent des Containerverkehrs konzentrierten sich auf den Rhein und seine Nebenflüsse (Main, Neckar, Mosel, Saar). Der Großteil (rund 90 %) entfällt auf den grenzüberschreitenden Verkehr.

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