Deutschland (mittlerer Teil) - Physische Karte

Deutschland (mittlerer Teil) - Physische Karte

978-3-14-100870-8 | Seite 56 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 1.500.000
Deutschland (mittlerer Teil) | Physische Karte | Deutschland (mittlerer Teil) - Physische Karte | Karte 56/1

Überblick

Die Karte zeigt den südlichen Teil des Norddeutschen Tieflandes, die Mittelgebirgsschwelle und einen Teil der süddeutschen Stufenlandschaften einschließlich der großen Täler, Becken und Senken.

Die Großlandschaften im Norddeutschen Tiefland

Die Landschaften des Norddeutschen Tieflandes (zwischen den Küsten im Norden und der Mittelgebirgsschwelle im Süden) wurden während der Eiszeiten geformt. Sie gehören entweder zum Jung- bzw. Altmoränengebiet oder zu den nur periglazial beeinflussten Landschaften des Tieflandes.

Die Jungmoränengebiete wurden während der letzten Eiszeit (Weichseleiszeit) glazial umgeformt. Sie lassen sich grob in Grund- und Endmoränen, Sander, Ur-stromtäler bzw. Schmelzwasserabflussrinnen gliedern. Sie sind gewässerreich (vgl. Seenreichtum im Kartenbild im Berliner Umland).

Die Altmoränengebiete wurden vor allem während der älteren Saaleeiszeit glazial geformt und während der jüngeren Weichselkaltzeit periglazial überformt. Die ehemals frischen glazialen Formen wurden abgetragen und eingeebnet. Die Altmoränengebiete sind mit Ausnahme der großen Flüsse gewässerarm und enthalten mancherorts Lössablagerungen. Zu den im Kartenbild gut erkennbaren Teillandschaften zählen der Südliche Landrücken (Lausitz, Fläming, Altmark), die großen Flusstäler und die heute stark vermoorten westniedersächsischen Niederungen (Emsland).

Periglazial geprägt ist das Vorland der Mittelgebirgsschwelle: Zwar während der jüngsten Eiszeiten selbst unvergletschert, lag das Gebiet dennoch im Einflussbereich arktischen Klimas und wurde durch Dauerfrostboden, fehlende bis geringe Vegetationsbedeckung, Winderosion und andere Auswirkungen starken Frostes geprägt. Eventuelle Spuren des glazialen Formenschatzes älterer Eiszeiten sind kaum noch erkennbar. Teillandschaften sind der Niederrhein sowie Teile der Leipziger Tieflandsbucht.

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Besiedlung und Namen

Alb: hat wie die Alpen den Wortstamm "alb" (von: Berg), Abwandlung "Alp" bzw. "Alpe" für Bergweide

Bad Hersfeld: entstanden als Marktsiedlung in der Nähe einer Abtei (775 als Hairulfisfelt genannt), der Name enthält den Personennamen Hariulf und die Endung "-feld" (für: offene Fläche, Ackerfeld); späterer Zusatz "Bad" nach Entwicklung zum Kurort

Dresden: an der Stelle eines slawischen Dorfes Gründung einer Burg zur Sicherung einer Elbbrücke, später Marktsiedlung, 1216 als Stadt erwähnt; 1485 Residenz, 1547 Hauptstadt des Kurfürstentums Sachsen; Namensableitung von einem slawischen Namen mit der Bedeutung "Siedler am Auenwald"

Eifel: wahrscheinlich von "eiffilia", einer Zusammensetzung aus "aik" und "ville" (Bedeutung: mit Eichenwald bestandene Hochfläche); vgl. "Ville" auf der Karte

Erzgebirge: seit dem 12. Jahrhundert von Westen her durch Bauern und Bergleute besiedelt, lange als Böhmerwald bezeichnet, erst ab 1815 als Name in einer Karte enthalten, war zunächst nur eine Verwaltungsbezeichnung für Gebirge mit Erzvorkommen; alter Name "fergunna" (805, althochdeutsch: Waldgebirge)

Franken: Landschaft, deren Name auf einen Stammesnamen und wahrscheinlich auf das Adjektiv "franka" (germanisch: mutig) zurückgeht; das ursprüngliche Siedlungsgebiet der Franken lag am Niederrhein; das heutige Franken gehörte seit 1803 zum überwiegenden Teil zu Bayern

Frankfurt am Main: entstand am Mainübergang (Endung "-furt") zwischen Oberrheinebene und Wetterau in einem alten Siedlungsgebiet an der Stelle eines Königshofes und einer Pfalz; 794 als Franconofurd genannt (Furt der Franken); später Namensübertragung durch Siedler auch auf Frankfurt an der Oder

Freiberg (Sachsen): 1168 nach Silberfunden an der Stelle eines Dorfes gegründet, Bergbau-, Handwerks- und Handelssiedlung, Zuwanderung von Bergleuten aus dem Harz; zunächst "Sächsstadt" (Stadt der Sachsen), später Freiberg, da jeder Zugewanderte freies Schürfrecht hatte

Fürth: entstand im 8. Jahrhundert am Übergang der Straße Frankfurt - Regensburg über die Regnitz, Namensableitung von der dortigen Furt (1238 Fürthe, 1062 Vurte)

Hessen: von einem Stammesnamen (1074: Hessun provincia)

Jena: um 1200 an der Stelle eines Dorfes an einem Saaleübergang gegründet, 1557 Universitätsgründung; Name ist landwirtschaftlicher Herkunft: von "jani" (mittelhochdeutsch: im Weinbau ein Streifen des Weinberges) und zeugt vom ausgeübten Weinbau

Kaiserslautern: entstand an der Stelle eines fränkischen Königshofes an einer alten Straße; Name ist eine Zusammensetzung aus Bezügen auf eine Kaiserpfalz von Friedrich Barbarossa und die Lage am Fluss Lauter

Kassel: Name stammt von der fränkischen Bezeichnung "cassela" (Befestigung) aus dem 10. Jahrhundert; erhielt Stadtrecht um 1180

Kraichgau: Zusammensetzung aus "-gau" (u. a. mit "gou", "gewi" und "gawi" verwandt: Land, Landschaft, Gegend, Umgegend) und einem Gewässernamen (Kraichbach); oft wird Gau als Bezeichnung für das offene Land im Gegensatz zum Gebirge verwendet; war ursprünglich eine Landschaftsbezeichnung

Mannheim: im 8. Jahrhundert ein Fischer- und Bauerndorf, Neugründungen als Stadt 1606 und 1720 (als Residenzstadt der Kurpfalz); Name enthält den Personennamen "manno", zusammen mit

"-heim" bedeutet er: Wohnort des Manno

Main: "mayn" (14. Jahrhundert) bzw. "moin" (779) gehen auf die alte Bezeichnung "moenus" (lateinisch, 1. Jahrhundert) für Wasser zurück; die Zusätze Weiß und Rot beziehen sich auf die unterschiedliche Farbe des Wassers

Pfalz: alte Pfalzgrafschaft (Pfalzgrafen hielten in Abwesenheit des Königs in dessen Pfalzen bzw. Hofburgen Gericht), heute Teil von Rheinland-Pfalz

Sachsen: Name ist aus dem Nordwesten Deutschlands (ursprüngliches Stammesgebiet der Sachsen, vgl. Niedersachsen); im Zuge einer Erbfolge von Herzogstiteln in das heutige Sachsen gekommen, ab Mitte des 16. Jahrhunderts Kurfürstentum; Sachsen war ein Stammesname und kommt von "sahs" (altgermanisch: einschneidiges Schwert, Messer)

Spessart: um 1000 als Speshart genannt (Bedeutung: Spechtswald), war eine Zusammensetzung aus "speh" (Specht) und "hard" (Bergwald)

Thüringen: kommt von einer germanischen Stammesbezeichnung im 7. Jahrhundert ("Toringia" bzw. "Turingia"); später Landgrafschaft Thüringen (12. bis 15. Jahrhundert)

Thüringer Wald: Gebirgsname, der auf einen Landesteil und auf zusammenhängende Waldgebiete verweist (vgl. auch Frankenwald, Steigerwald, Pfälzerwald)

Wetterau: alt besiedelte Senke mit fruchtbaren Böden am Fluss Wetter; die Silbe "-au" von "eiba" (althochdeutsch: Land, Wohngebiet)

Würzburg: schon 704 genannt ("in castello virteburch"), Stelle einer Burg an einer Furt durch den Main, an der sich wichtige Straßen kreuzten

Zittau: Anfang des 13. Jahrhunderts aus einem Dorf entstanden, lag an einer Handelsstraße, Stadtrecht 1255, Name von "zitava" (slawisch: Getreideort)

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Die Großlandschaften der Mittelgebirgsschwelle

Geologisch gesehen gibt es vier wesentliche Bestandteile: das variszische Grundgebirge, das Deckgebirge aus den Sedimenten des Zechsteins und des Erdmittelalters, die jungen vulkanischen Gesteine sowie die jungen Sedimente der Erdneuzeit. In Abhängigkeit von der tektonischen Entwicklung (Art, Größe und Lage der Bruchschollen; Hebung/Senkung), der Beschaffenheit des Gesteins und dem Wechsel des Klimas wurden charakteristische Landschaften geformt.

Hochschollen wurden stark herausgehoben. Ihr Deckgebirge ist abgetragen, sodass das Grundgebirge hervortritt. Heute prägen weiträumige Einebnungsflächen einen Teil dieser Hochschollen (Harz, Eifel). Andere Hochschollen haben eher den Charakter schmaler Gebirgskämme (Hunsrück, Taunus, Thüringer Wald). Auch Fichtelgebirge, Oberpfälzer Wald und Böhmerwald sind Hochschollen, sie bilden den Ostrand der Stufenlandschaften Süddeutschlands.

Tiefschollen wurden nicht so stark gehoben wie die Hochschollen oder sanken zum Teil sogar ab. Auf ihnen blieben die Sedimente des Deckgebirges weitgehend erhalten. Thüringer Becken und Wetterau sind typische Becken und Senken. Sie sind im Vergleich zu den Hochschollen reliefarm, ihre Ränder werden zum Teil durch Schichtstufen markiert. Elbsandsteingebirge und Teile des Hessischen Berglandes sind Beispiele für stärker herausgehobene Tiefschollen, die Mittelgebirgscharakter haben, zum Teil mit markantem, gesteinsbedingtem Formenschatz und mit Spuren jüngerer vulkanischer Aktivitäten. Vogelsberg und Rhön verdanken ihre Gestalt u. a. auch vulkanischen Prozessen.

Die Stufenlandschaften Süddeutschlands sind durch den Gegensatz von weit gespannten, verhältnismäßig reliefarmen Landschaften und markanten Stufen charakterisiert. Das Deckgebirge blieb auch hier erhalten. Häufig wechselnde, unterschiedlich widerständige Gesteine, vor allem Sandstein und Muschelkalk, sowie anhaltende Abtragungsprozesse haben das heutige Relief geprägt (u. a. Pfälzer Wald, Hohenloher Ebene, Grabfeld, Frankenwald, Spessart, Fränkische Alb). Besonders auffällig sind die markanten Schichtstufen.

Eine Sonderstellung nehmen der Oberrheingraben (in der Karte angeschnitten) und das mittlere Rheintal im Südwesten ein. Ihnen folgen Hauptverkehrsachsen von europäischer Bedeutung. Hier liegen außerdem zahlreiche Siedlungen.

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Besonderheiten

• Der höchste Berg im mittleren Teil Deutschlands ist der Fichtelberg im Erzgebirge (1214 m).

• Es gibt Staatsgrenzen, die Gebirgskämmen folgen (Erzgebirge und Böhmerwald zur Tschechischen Republik).

• Die Oder und die Neiße sind Grenzflüsse zwischen Deutschland und Polen.

• Flüsse wie die Elbe, die Mosel und der Rhein durchbrechen die Mittelgebirgsschwelle in markanten Tälern.

• Bei Nebra nahe Halle/Saale ist eine Ruinenstätte verzeichnet, Fundort der Himmelsscheibe von Nebra aus der frühen Bronzezeit.

• Im mittleren Teil Deutschlands liegen mehrere Teilräume, in denen sich Burgen, Schlösser und Klöster konzentrieren. Beispiel sind der Mittelrhein und Franken.

• Mehrere Regionen weisen Doppelbezeichnungen bei Ortsnamen auf: mit deutschen und slawischen Ortsnamen in der Lausitz (Sorben), mit deutschen und polnischen Ortsnamen östlich der Oder (Schlesien), mit deutschen und tschechischen Ortsnamen in der Tschechischen Republik sowie mit deutschen und französischen Ortsnamen im Elsass.

• Im Bereich der Mittelgebirge gibt es Talsperren und Stauseen, zum Beispiel im Sauerland und an der Eder (Wasserversorgung, Hochwasserschutz).

• Im Bundesland Nordrhein-Westfalen befindet sich der Verdichtungsraum Rhein-Ruhr, der in der Karte als zusammengewachsenes geschlossenes Siedlungsgebiet erkennbar ist.

• Die Bahnlinien im Bereich der Mittelgebirge weisen zahlreiche Tunnel auf. Sie sind an gestrichelten Linien erkennbar, zum Beispiel zwischen Erfurt und Nürnberg sowie zwischen Göttingen und Würzburg.

• Im mittleren Teil Deutschlands liegt mit Berlin ein Stadtstaat.

• Südlich von Leipzig und Spremberg sind zahlreiche große künstliche Seen in Bergbaufolgelandschaften zu erkennen (ehemalige Braunkohlentagebaue).

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Graphiken

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Köln

Der innere Bereich des heutigen Kölns.
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