Deutschland - Bevölkerungsveränderung 2015–2030

Bevölkerung und Migration

100849 | Seite 50 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 7.000.000
Deutschland | Bevölkerungsveränderung 2015–2030 | Bevölkerung und Migration | Karte 50/1

Überblick

Nach aktuellen Prognosen werden sich die Einwohnerzahlen von 2015 bis 2030 in verschiedenen Teilen Deutschlands recht unterschiedlich entwickeln. Dabei zeichnen sich einige Muster ab, wobei es dazu jeweils auch Ausnahmen gibt.

Gegensätzliche Trends im Westen und Osten

Es tritt zunächst ein Gegensatz hervor zwischen den ostdeutschen Bundesländern, die in weiten Teilen auch künftig Einwohner verlieren werden (Ausnahmen: Berlin und Umland, Dresden, Leipzig), und den westdeutschen Bundesländern, die im Vergleich dazu deutlich stabiler sind. Innerhalb Westdeutschlands zeigt sich ein Mosaik ganz unterschiedlicher Räume. Ausgeprägte Wachstumsregionen mit starken Zuwächsen sind zum Beispiel Hamburg und sein Umland, Teile Niedersachsens, Köln / Bonn, das Rhein-Main-Gebiet um Frankfurt sowie große Teile Süddeutschlands (Baden-Württemberg und Bayern). Daneben stehen Regionen mit einer deutlich rückläufigen Bevölkerungsentwicklung; dazu zählen das Ruhrgebiet, Westfalen, das Saarland sowie einige peripher gelegene Räume an der Nordseeküste, in Rheinland-Pfalz und an der Grenze zu Tschechien. Es gibt also auch im Westen relativ viele Regionen, in denen die Entwicklung mit starken Bevölkerungsverlusten negativ verläuft, allerdings sind sie meist kleiner und inselhafter als in Ostdeutschland. Insgesamt spiegeln sich in den beschriebenen Strukturen Lage, wirtschaftliche Strukturen sowie die jeweilige Wirtschaftskraft und die Attraktivität der jeweiligen Lebensräume wider.

Ein zweites Muster, das vor allem in hoch verdichteten Ballungsräumen in Erscheinung tritt, ist der Gegensatz zwischen den Großstädten selbst, die in der Regel ein vergleichsweise moderates Wachstum aufweisen, und ihrem unmittelbaren Umland, das durch Suburbanisierung aller Wahrscheinlichkeit nach erheblich stärkere Zugewinne verzeichnen wird. Exemplarisch für diese Entwicklung stehen vor allem Hamburg und München, aber auch in Berlin, Köln, Frankfurt, Nürnberg, Stuttgart, Freiburg und anderen Städten lässt sich dieser Trend gut erkennen.

Dass eine positive Bevölkerungsentwicklung manchmal auch abseits der großen Ballungsräume zu erwarten ist, zeigen die Gebiete rund um den Bodensee oder im Voralpenland. Hier sind u. a. die attraktiven Freizeitmöglichkeiten, die Wirtschaftskraft, die Nähe zu Wirtschaftszentren und die infrastrukturelle Ausstattung wichtige Faktoren. In einer ähnlichen Situation werden sich einige ländliche Gebiete in Niedersachsen befinden, die u. a. von der wirtschaftlichen Entwicklung der Landkreise Cloppenburg und Vechta zu einer Agrarwirtschaftsregion von internationalem Rang profitieren (vgl. 59.5).

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Die Folgen demografischer Veränderungen

Starke demografische Veränderungen stellen die öffentliche Hand immer vor Herausforderungen, ganz gleich ob sie negativ oder positiv ausfallen. Bei einem starken Bevölkerungsrückgang wird es für die Länder, Kreise und Kommunen zunehmend schwierig, die soziale Infrastruktur (Kindergärten, Schulen, Gesundheitsversorgung, Nahverkehr usw.) aufrechtzuerhalten, wodurch die Lebensqualität unter Umständen beeinträchtigt wird, was die Abwanderung – vor allem von gut ausgebildeten Fachkräften und jungen Familien – tendenziell verstärkt. Mit dieser negativen Verstärkungsdynamik, die zu einer starken Überalterung führt (vgl. 81.6), haben vor allem viele ländliche Gebiete in Ostdeutschland zu kämpfen. Doch auch ein starkes Bevölkerungswachstum stellt die Raumplanung vor große Aufgaben, wenn sie Entwicklungskonzepte beispielsweise im Hinblick auf Pendlerströme und öffentlichen Nahverkehr, aber auch zu Wohnraum, sozialer Infrastruktur, Verwaltungsfunktionen oder Naherholung der Zuwanderung anpassen müssen.