Deutschland - Ökologische Landwirtschaft

Deutschland - Nachhaltige Entwicklungspfade

978-3-14-100870-8 | Seite 82 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 7.000.000
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Überblick

Die Bedeutung des ökologischen Landbaus hat in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen. Gab es 1995 gut 6600 Betriebe, waren es 2014 rund 23 400 Betriebe. Hatte der ökologische Landbau 1996 einen Flächenanteil von nur 2,1 Prozent, betreiben heute 7,7 Prozent der Betriebe auf 6,2 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche ökologischen Landbau. Der Anteil an der landwirtschaftlichen Erzeugung hat sich in diesem Zeitraum von 1,1 Prozent auf 8,3 Prozent erhöht.

In den westdeutschen Bundesländern liegen die Schwerpunkte des ökologischen Landbaus in Teilen der Mittelgebirgsregionen und im Voralpenland, wo vor allem Grünlandwirtschaft betrieben wird. Weitere Schwerpunkte liegen aufgrund der Nachfrage in den Einzugsgebieten von Verdichtungsräumen. Beim Marktfruchtanbau auf sehr guten Böden (Bördelandschaften) und in den räumlichen Schwerpunkten Veredelungswirtschaft im Münsterland und im Weser-Ems-Gebiet spielt der ökologische Landbau dagegen eine vergleichsweise geringe Rolle.

In den ostdeutschen Bundesländern setzen vor allem Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf den ökologischen Landbau.

Prinzipien des ökologischen Landbaus

Im Gegensatz zu konventionellen Landwirten können Biohöfe zum Beispiel durch abwechslungsreiche Fruchtfolgen bzw. Fruchtwechsel, den Anbau robuster Sorten, mechanische Unkrautbekämpfung und gezielten Einsatz von Nützlingen auf den Einsatz von Insektiziden und chemischen Pflanzenschutzmitteln weitgehend verzichten (vgl. 83.5). Neben der Gründüngung sind nur bestimmte organische Düngemittel erlaubt.

Innerhalb der EU sind der ökologische Landbau und die Verarbeitung zu Bioerzeugnissen durch EU-Verordnungen klar definiert. Seit 1992 fördert die EU bei Einhaltung der in den Verordnungen festgelegten Mindeststandards die ökologische Landwirtschaft. Zertifikate wie das Biosiegel nach EG-Öko-Verordnung garantieren diese Standards. Es gibt aber auch weitere Bio-Siegel, zum Beispiel von Anbauverbänden wie Demeter und Naturland.

Das Kernanliegen des ökologischen Landbaus ist nachhaltig zu wirtschaften. Durch eine genaue Abstimmung zwischen angebauten Feldfrüchten und Viehbestand versuchen zum Beispiel Betriebe, die sich der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise nach Rudolf Steiner verschrieben haben, einen geschlossenen betrieblichen Nährstoffkreislauf zu erreichen. Dadurch können sie ihr Vieh ohne Futterzukäufe mit hofeigenen Erträgen füttern und umgekehrt die Felder mit organisch gebundenem Stickstoff düngen (vorwiegend in Form von Mist bzw. Kompost), ohne chemisch-synthetische Düngemittel zuzukaufen. Zu den Vorteilen des ökologischen Landbaus zählen unter anderem eine deutliche Verbesserung der Bodenqualität, eine geringere Belastung des Grund- und Oberflächenwassers durch Nitrate, erhebliche Errungenschaften im Bereich des Tier- und Artenschutzes und die gezielte Nachzucht traditioneller Nutztierrassen, die häufig gut an die regionalen Umweltbedingungen angepasst, aber dennoch vom Aussterben bedroht sind.

Der wirtschaftliche Erfolg des ökologischen Landbaus und der wachsende Markt für ökologisch erzeugte Lebensmittel haben aber seit der Jahrtausendwende zu strukturellen Veränderungen geführt. Viele Landwirte, die ökologischen Anbau betreiben, haben sich - wie ihre konventionell wirtschaftenden Kollegen - spezialisiert, um wirtschaftlich einträglich arbeiten zu können. Deshalb ist es üblich, dass auch sie sich auf eine Reihe von Erzeugnissen konzentrieren, indem sie beispielsweise Vieh halten, ohne selbst das Futter zu erzeugen oder indem sie sich umgekehrt auf den Anbau bestimmter Feldfrüchte spezialisieren, aber auf Viehhaltung verzichten. Zunehmend gibt es nicht nur bäuerliche Einzelhöfe, die Viehhaltung, Garten- und Ackerbau in einem Betrieb miteinander verbinden, sondern auch kapitalstarke Unternehmen, die zum Beispiel vergleichsweise große Betriebsflächen ausschließlich im Getreideanbau bewirtschaften. Daher wird das Ziel geschlossener betrieblicher Stoffkreisläufe in der Praxis oft nicht erreicht.

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