Deutsches Reich 1937

Deutschland – politisch

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Deutsches Reich 1937 |  | Deutschland – politisch | Karte 58/2

Informationen

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs hatte Deutschland an seiner Ost- und Westgrenze bedeutende Gebietsverluste hinnehmen müssen, durch die das Deutsche Reich etwa 70 000 km² seines Territoriums und mehr als 6 Mio. seiner Einwohner verlor. Die neuen deutschen Staatsgrenzen waren bei den Friedensverhandlungen beschlossen und am 28. Juni 1919 in den vom Deutschen Reich und von den 27 beteiligten Mächten unterzeichneten Versailler Verträgen ratifiziert worden. Die Waffenstillstands-Bedingungen hatte man der deutschen Seite ultimativ zugestellt, Gegenvorschläge wurden von vornherein abgelehnt. Zu den Vereinbarungen zählten auch die Verpflichtung zur Entmilitarisierung aller deutschen Rheinlande und zu Reparationszahlungen, unter anderem in Form einer anteiligen Abgabe der Jahresproduktion der Eisen- und Stahlerzeugung und der landwirtschaftlichen Produktion.

Das nationalsozialistische Deutsche Reich
Auch wenn die deutschen Länder 1937 formal noch bestanden, war das föderalistische System längst aufgehoben. Die Gleichschaltung der Länder, auch der Kommunen, Verbände und Vereine, vollzog sich in den Tagen zwischen dem 5. und 9. März 1933, wobei sich die Nationalsozialisten zur Machteroberung einer charakteristischen Doppelstrategie bedienten: Auf der einen Seite gab es auf der Straße die revolutionären Aktionen von unten, auf der anderen die scheinlegalen administrativen Maßnahmen der Reichsregierung. Begründet wurde die konzertierte Aktion mit der Wahl vom 5. März 1933, bei der die NSDAP mit 43,9 Prozent und die Deutschnationalen mit 8 Prozent eine — relativ knappe — Mehrheit errungen hatten.
Hitler, durch das "Ermächtigungsgesetz" vom 23. März 1933 in der Lage, Reichsgesetze zu erlassen, besiegelte das Ende des föderalistischen Systems durch das "Vorläufige Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich" vom 31. März und durch das "Zweite Gesetz zur Gleichschaltung der Länder" vom 7. April. Hitler konnte nun persönlich Reichsstatthalter ernennen, die ihrerseits über die Landesregierungen unumschränkt herrschten. Es entwickelte sich durch diesen Gleichschaltungsprozess eine verfassungsrechtliche Situation, die — charakteristisch für die totalitäre Herrschaftsform des "Dritten Reichs" — nie eindeutig geklärt wurde: eine unmittelbare Einheit von Partei und Staat und ein damit einhergehendes Kompetenzgerangel, das die Identifikation der Funktionäre mit den Zielen der Bewegung keineswegs schwächte, sondern vielmehr stärkte.
Im Jahre 1937 war die nationalsozialistische Herrschaft im Innern des Reiches gefestigt und der Antisemitismus zu einer Staatsdoktrin geworden. Die "Gleichschaltung" der deutschen Bevölkerung war durch die Arbeit des Reichspropagandaministeriums von Joseph Goebbels und durch die Beseitigung der politischen Gegner abgeschlossen. Hitler wandte sich nun verstärkt außenpolitischen Unternehmungen zu.
Am 5. November versammelte er die drei Oberbefehlshaber des Heeres, der Marine und der Flotte nebst dem Reichsaußenminister von Neurath und dem Reichskriegsminister von Blumberg zu einer Geheimkonferenz in der Reichskanzlei. Im kleinen Kreis entwickelte er in einer vierstündigen Rede noch einmal jene außenpolitischen Pläne, die er bereits in seiner Schrift "Mein Kampf" niedergelegt hatte. Was bis zu diesem Zeitpunkt ein ideologisches Fernziel gewesen war, die Vergrößerung des Herrschaftsraumes des "arischen" deutschen Volkes, wurde nach dieser Geheimkonferenz zum Bezugspunkt der konkreten deutschen Wirtschafts- und Außenpolitik.
D. Bode, K. Lückemeier