Deutscher Bund 1815

Deutschland - staatlicher Wandel 1815 bis 1942

978-3-14-100770-1 | Seite 60 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 9.000.000
Deutscher Bund 1815 |  | Deutschland - staatlicher Wandel 1815 bis 1942 | Karte 60/1

Informationen

Die Vertreter der Großmächte Österreich, Preußen, Frankreich, Großbritannien und Russland waren sich in Wien von Beginn an einig, dass nach den Napoleonischen Kriegen die alte Ordnung Europas wieder hergestellt werden müsse, dass Herrschaft auf dem monarchischen oder — wie in Großbritannien — auf einem gewachsenen Prinzip beruhen müsse und dass legitime Monarchien bei der Abwehr revolutionärer Kräfte zusammenstehen sollten.

Territoriale Neuordnung
Die meisten deutschen Mittel- und Großstaaten gewannen Territorien hinzu. Der Verlust der politischen und territorialen Souveränität der deutschen Kleinstaaten hingegen, der ihnen durch den von Napoleon 1803 erzwungenen Reichsdeputations-Hauptausschluss zugefügt worden war, wurde nicht wieder rückgängig gemacht, sondern bestätigt.
Zu den Mitgliedsstaaten des Deutschen Bundes zählten bei seiner Gründung das Kaiserreich Österreich, die Königreiche Preußen (mit Ausnahme der Provinzen Westpreußen, Ostpreußen und Posen), Bayern, Sachsen, Hannover und Württemberg, das Kurfürstentum Hessen(-Kassel), die Großherzogtümer Hessen(-Darmstadt), Mecklenburg-Schwerin, Mecklenburg-Strelitz, Oldenburg, Sachsen-Weimar-Eisenach, Luxemburg und Baden, die Herzogtümer Holstein und Lauenburg, Nassau, Braunschweig, Sachsen-Gotha, Sachsen-Coburg, Sachsen-Meiningen, Sachsen-Hildburghausen, Sachsen-Altenburg, Anhalt-Dessau, Anhalt-Köthen und Anhalt-Bernburg, die Landgrafschaft Hessen-Homburg, die Fürstentümer Waldeck, Lippe, Schaumburg-Lippe, Schwarzburg-Rudolstadt, Schwarzburg-Sondershausen, Reuß ältere Linie, Reuß jüngere Linie, Hohenzollern-Hechingen-Sigmaringen und Liechtenstein und außerdem die Freien Städte Lübeck, Bremen, Hamburg und Frankfurt am Main.

Idee der nationalen Einigung
Die Idee einer nationalen Einigung der deutschen Kleinstaaten hatte durch die Französische Revolution neue Nahrung bekommen. Verstärkt erhob sie sich in der antinapoleonischen Opposition, in der sich ab 1806 verschiedene politische Kräfte sammelten. Neben den freiheitlich-liberalen gab es auch konservative und nationalistische Strömungen.
Die nationale Bewegung formierte sich zunächst in geheimen Verbindungen und an den Universitäten. Die Logen standen überwiegend unter dem Einfluss der Romantik, in der eine frühe Begeisterung für die hehren Ziele der Französischen Revolution — Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit — einen veritablen Hass gegen Frankreich und gegen den in der Revolution verkörperten "Massenmenschen" umgeschlagen war. Vor allem nach der Doppelschlacht von Jena und Auerstedt (1807), als Napoleon Preußen vernichtend schlug, begannen viele der Romantiker auf einen ebenso exklusiven wie aggressiven Nationalismus zu setzen.
Burschenschaftliche Gründungen wurden etwa ab 1805 an den Universitäten angeregt. Gefordert wurden politischer Liberalismus, staatsbürgerliche Freiheit und Gleichheit. Aber diese fortschrittlichen Motive mischten sich auch hier mit völkischen und antisemitischen Vorstellungen. Die Träger der antinapoleonischen Opposition, die deutsche Nationalbewegung, sahen sich durch den Wiener Kongress und durch die Gründung des Deutschen Bundes um die Früchte ihrer Anstrengungen betrogen. Als strategisch nützliche Verbündete gegen einen gemeinsamen Feind hatten sie einige Jahre lang eine relative Freizügigkeit genossen. Nun, nach dem Untergang Napoleons, mussten sie der Tatsache ins Auge sehen, dass das kurzzeitige Bündnis zwischen ihnen und den Fürsten von Letzteren aufgekündigt wurde, da die Landesherren durchaus nicht das Interesse einer nationale Einigung, sondern dasjenige einer Wiederherstellung ihres alten Besitzstandes verfolgten. Nach dem Wartburgfest schlug Metternich die deutsche Nationalbewegung mit aller Entschiedenheit nieder. Bis 1820 waren alle "politischen" Professoren wieder von den Universitäten verschwunden.
K. Lückemeier

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