Deutscher Bund - Territorien 1818

Deutscher Bund - Territorial- und Stadtentwicklung

978-3-14-100390-1 | Seite 27 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 2.000.000
Deutscher Bund | Territorien 1818 | Deutscher Bund - Territorial- und Stadtentwicklung | Karte 27/3

Überblick

Erzbistümer, Herzogtümer, Grafschaften und freie Reichstädte

<p>Im Vergleich zu anderen Epochen waren die Herrschaftsgebiete in der frühen Neuzeit besonders stark zersplittert. Das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz war aufgeteilt in zahlreiche Territorien. Auch die größeren Herrschaftsgebiete wie das Erzbistum Trier, das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken und das Kurfürstentum Pfalz verfügten über kein zusammenhängendes Territorium. Geistliche Gebiete unter der Herrschaft von Bischöfen und Erzbischöfen standen weltlichen Gebieten wie der Grafschaft Falkenstein und der Grafschaft Leiningen gegenüber. Hinzu kamen Kleinststaaten unter der Herrschaft von Reichsrittern, deren Schwerpunkte am nördlichen Oberrhein und in der Wetterau lagen. Teile des heutigen Südwestens von Rheinland-Pfalz gehörten zum Königreich Frankreich. Im Osten des Landes dehnten die Landgrafen von Hessen seit dem Spätmittelalter ihr Einflussgebiet aus. Im Nordosten und Südwesten setzte sich das Adelsgeschlecht der Nassauer durch.
In dem Flickenteppich der geteilten Herrschaftsgebiete wuchs den Kurfürsten als den ranghöchsten Reichsfürsten die größte Machtfülle zu. Mit den Pfalzgrafen bei Rhein, die von Mannheim aus regierten, sowie dem Mainzer und dem Trierer Erzbischof verfügten drei der sieben Kurfürsten über Herrschaftsgebiete im Raum des heutigen Rheinland-Pfalz. Gegen diese Machtfülle konnten sich die Städte nicht durchsetzen, die seit dem Mittelalter nach Unabhängigkeit strebten. Trier, Mainz, Kaiserslautern, Boppard und Annweiler wurden zwar zu Bischofsstädten mit besonderen Rechten. Den Status freier Reichsstädte erreichten jedoch nur Speyer und Worms.</p>

Französische Herrschaft: Entstehung von Territorialstaaten

<p>Das Ideal des geschlossenen Territorialstaats moderner Prägung setzte sich erst in Folge der Französischen Revolution und der Herrschaft Napoleons durch. Unter französischer Herrschaft wurden 1798 bis 1814 auf den Gebieten links des Rheins französische Departements eingerichtet. Nach dem Sturz Napoleons wurden die Grenzen in Staatsverträgen 1815 und 1816 zwischen Preußen, Österreich, Bayern und Hessen-Darmstadt geregelt. Der Norden wurde preußische Rheinprovinz, der Osten dem Herzogtum Nassau zugeschlagen. Die Pfalz fiel an Bayern, die rheinhessische Region um Mainz an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt. Die Exklave im Raum Birkenfeld wurde von einem oldenburgischen Regierungspräsidenten verwaltet. Verlierer der territorialen Neuordnung waren vor allem die geistlichen Gebiete der Fürstbistümer Trier, Mainz und Speyer sowie die freien Reichsstädte Speyer und Worms.</p>