Detroit - Nutzung und Veränderung einer Downtown

Nordoststaaten der USA - Wirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 201 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 25.000
Detroit | Nutzung und Veränderung einer Downtown | Nordoststaaten der USA - Wirtschaft | Karte 201/3

Informationen

Die Karte zeigt die Downtown von Detroit, die im Westen durch den John Lodge Freeway (benannt nach dem einflussreichen Bürgermeister in den 1920er-Jahren), im Norden durch den Fisher Freeway (benannt nach der Fisher Body Company, einem Automobil-Karosseriebauerbetrieb zu Beginn des 20. Jahrhunderts), im Osten durch den Chrysler Freeway (Name nach dem amerikanischen Automobilhersteller) und im Süden durch den Detroit River als Riverfront begrenzt wird. Bereits die Straßennamen lassen die Bedeutung der Automobilindustrie in Detroit erahnen, der die Stadt den Beinamen "motor city" verdankt.

Der Grundriss von Detroit
Üblicherweise sind US-amerikanische Städte durch ein schachbrettartiges, orthogonales Straßennetz gekennzeichnet. Dies trifft auf das Straßennetz der Downtown Detroits nicht zu. Die Freeways in Detroit werden etwa mittig durch drei Hauptachsen geschnitten, die sich im Herzen der Downtown am Campus Martius treffen: die Michigan Avenue, die Gratiot Avenue und die Woodward Avenue. Letztere, einst die zentrale Einkaufsstraße der Stadt, zieht sich heute als "Hauptarterie" durch die Downtown. Sie ist benannt nach Augustus B. Woodward, dem ersten Oberstern Richter des Michigan Territory, das nach 1837 zum 26. Bundesstaat Michigan wurde. Woodward hat die insgesamt fünf Hauptavenuen geplant, zu denen auch die Grand River Avenue (zwischen Woodward und Michigan Avenue) und die Jefferson Avenue gehören, die von der Downtown Detroit in verschiedene Richtungen durch den Staat Michigan führen.
Als Hauptstadt des Michigan Territory wurde Detroit 1805 von einem verheerenden Brand zerstört wurde. Daher steht auf der Flagge Detroits der lateinische Ausspruch "Speramus Meliora; Resurget Cineribus" (Wir hoffen auf Besseres; es wird aus der Asche auferstehen). Woodward entwarf einen Plan zum Wiederaufbau der Stadt, der sich in seinen Grundrissen an den Plan von Washington D. C. von 1791 anlehnt. Charakteristisch für diesen Entwurf sind breite Avenuen und Hauptstraßen, die radial von zentralen Plätzen mit markanten Monumentalbauten oder Wahrzeichen ausgehen. Die strahlenförmige Straßenanordnung geht vermutlich auf den Grundriss von Karlsruhe zurück und damit auf einen Stadtgrundriss aus der Epoche des Absolutismus. Die strahlenförmige, radiale Anordnung der Hauptstraßen, die auf einen zentralen Platz zulaufen, betont den Mittelpunkt der irdischen Welt, den Herrschaftssitz des gottgleichen Monarchen.
Die enorme Wirkung dieses Konzepts blieb nicht ohne Folgen. Radialachsenkonzepte wurden im Lauf der Zeit zu einer bevorzugten Methode, die Autorität der Stadtmitte als absolutes Stadtgestaltungselement zu zeigen. Solche Diagonalstraßenverbindungen sowie die Anlage sternförmiger Straßenkreuzungen mit dazugehörigen Sternplätzen wurden auch in der Haussmannschen Straßenplanung für Paris Mitte des 19. Jahrhunderts und — in Anlehnung daran — in den 1862 veröffentlichten Plänen des Stadtarchitekten James Hobrecht für Berlin aufgenommen. In beiden Fällen ging es dann aber eben nicht mehr oder nicht mehr allein um die Dokumentation des Herrschaftsanspruchs eines Monarchen, sondern um die Symbolkraft dieser städtebaulichen Figur, die die Stadtmitte als Primatstadt überdeutlich betont.

Reurbanisierung einer "Geisterstadt"
Auffällig an der Flächennutzung in der Downtown ist der große Anteil von Arealen, die als Parkplätze genutzt werden oder Freiflächen sind. Zudem finden sich im Zentrum zahlreiche Gebäude, die überwiegend leer stehen. Hierzu zählen auch einige Wolkenkratzer wie das 37-stöckige David Stott Building von 1929 im Art-Deco-Stil. Der Leerstand betrifft Schätzungen zufolge etwa 4000 Bauwerke, ein Drittel der gesamten Stadtfläche liegt brach. Dieser Verfallsprozess ("urban decay"), der Detroit den Namen einer "Geisterstadt" eingebracht hat, lässt sich deutlich bei einem Vergleich etwa von "Schwarzplänen" aus den Jahren 1916, 1950, 1960 und 1994 erkennen. Detroit gilt heute als Paradebeispiel einer schrumpfenden Stadt.
Da Detroit zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine prosperierende Stadt war, die aufgrund ihrer Prachtbauten als "Paris des Mittleren Westens" apostrophiert wurde und damit zum Symbol des American Dream avancierte, wurde diese Entwicklung zur "Dritten Welt des Westens" und zum Symbol des "American Nightmare" als "Humiliation of History" (Jerry Herron) beschrieben. Schon seit den 1970er-Jahren versucht die Stadt mit verschiedenen Maßnahmen, dieser Entwicklung entgegenzusteuern. Die "Cobo Hall" für Ausstellungen und die "Cobo Arena" für Popkonzerte und ähnliches wurden 1960 eröffnet. Das Renaissance Center ist seit seiner Fertigstellung 1976 mit 221 Metern Dachhöhe das höchste Gebäude in Michigan. Es ist gegenwärtig der Hauptsitz von General Motors, einem der größten Automobilhersteller der Welt. Der Name sollte Programm sein, aber der Versuch der Revitalisierung über ein eindrucksvolles Großprojekt schlug fehl, obwohl die Riverfront in damaliger Zeit ebenfalls zur Hart Plaza umgestaltet wurde. Dabei handelt es sich um eine überwiegend asphaltierte öffentliche Anlage, die unter anderem für Festivals und Demonstrationen genutzt wird.
Erfolgreicher als die Reurbanisierungsmaßnahmen der 1970er-Jahre war in den 1990er-Jahren das Projekt "Greektown", ein historisches Quartier mit niedriggeschossigen Gebäuden im griechischen Stil, das zahlreiche griechische Restaurants und eines der drei Casinos Detroits enthält. Dieser Straßenzug ist eine Insel der Lebendigkeit im Meer der Trostlosigkeit. Die übrigen großen Flächen von "jüngeren" Großprojekten werden für Einzelhandel und Unterhaltung genutzt oder weisen eine Mischnutzung auf. Es handelt sich vor allem um Sportarenen und Casinos. Das Stadion der Detroit Tigers (Baseball) wurde 2000 eingeweiht, zwei Jahre später in unmittelbarer Nachbarschaft das Stadion der Detroit Lions (Football). Das neue MGM Grand Casino wurde 2007 feierlich eröffnet und löste damit das südlich davon gelegene alte MGM ab.
Das Problem derartiger Großprojekte ist, dass sie nur temporär die Downtown beleben. Beispielsweise sind an Spieltagen die Parkplätze der Umgebung vorübergehend gefüllt, nach wenigen Stunden versinkt die Stadt aber wieder in ihrer Lethargie. Die im wahrsten Sinne des Wortes zentralste Revitalisierungsmaßnahme ist das Projekt Campus Martius. Ende 2004 wurde die erste Phase mit einer an die Eislaufbahn im Rockefeller Center in New York City angelehnten, saisonal geöffneten Eislaufbahn, zwei Unterhaltungsbühnen und öffentlichem Raum mit Skulpturen und beleuchteten Brunnenanlagen abgeschlossen. Dort findet sich auch der Firmenhauptsitz von Compuware mit 4000 Mitarbeitern. Von weiteren Sanierungsmaßnahmen wie der Renovierung des Book-Cadillac-Hotels erhoffen sich manche einen neuen Aufschwung in der Downtown. Möglicherweise wird Detroit dann — wieder einmal — wie ein Phoenix aus der Asche steigen.
C. Meyer, C. Muschwitz

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Weitere Materialien

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Detroit — Gesichter einer US-Amerikanischen Downtown

Autorin: C. Meyer, Trier
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Graphiken

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Detroit 2

das leerstehende Book-Cadillac-Hotel mit Hochbahn (People Mover) im Vordergrund Foto: C. Meyer, Trier
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Detroit

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Detroit Michigan Theatre

früher Kino und Konzertsaal, heute Parkhaus
Foto: C. Meyer, Trier
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Detroit 1

Blick zwischen Comercia Park Stadium und Ford Field Stadium hindurch auf das Renaissance Center Foto: C. Meyer, Trier
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