Düsseldorf-Oberbilk - multikulturelles Stadtviertel

Deutschland - Bevölkerungsdynamik

978-3-14-100700-8 | Seite 73 | Abb. 7 | Maßstab 1 : 12.500
Düsseldorf-Oberbilk | multikulturelles Stadtviertel | Deutschland - Bevölkerungsdynamik | Karte 73/7

Informationen

Der citynahe, unmittelbar hinter dem Hauptbahnhof gelegene Stadtteil Oberbilk ist das älteste Industrie- und Arbeiterviertel Düsseldorfs. Eisenverarbeitende Industrien im Norden und Osten mit Stahl-, Röhren- und Kesselwerken prägten dieses Viertel von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er-Jahre hinein. Etwa ab der Mitte der 1960er-Jahre zogen verstärkt ausländische Arbeitsmigranten aus dem mediterranen Raum in das baulich vernachlässigte Viertel, wo sie zunächst noch in den alten Industriebetrieben Arbeit fanden. Die Deindustriealisierung führte jedoch seit den 1970er-Jahren zur Schließung aller großer Industriebetriebe und machte ein Drittel der Stadtteilfläche innerhalb des Gleisdreiecks für neue Nutzungen, vornehmlich auf dem tertiären Sektor, frei.

Nationalitäten in Oberbilk
Nach der Entindustrialisierung blieben die ausländischen Bewohner. In den 1990er-Jahren kamen im Zuge der globalen ökonomischen und politischen Veränderungen neue Ausländergruppen beispielsweise aus Polen und den GUS-Staaten, aber auch aus Afrika und Asien in das Viertel. Ende 2005 lebten Angehörige aus 147 Nationen im Stadtteil Oberbilk, der mit knapp über 30 Prozent einen der höchsten Ausländeranteile der Stadt Düsseldorf besitzt. Berücksichtigt man die Zahl der Einbürgerungen in den letzten zwei Jahrzehnten, so dürfte der Anteil der Bewohner mit Migrationshintergrund in Oberbilk nahe bei 40 Prozent liegen. Zu den acht wichtigsten Nationalitäten, die zwei Drittel aller ausländischen Bewohner stellen, gehören Türken (17,9 Prozent), Griechen (10,6 Prozent), Serben u. Montenegriner (9,8 Prozent), Marokkaner (8,8 Prozent), Mazedonier (5,5 Prozent), Polen (5,2 Prozent), Italiener (5,0 Prozent) und Kroaten (3,8 Prozent).

Ethnische Differenzierung
Die ethnische Vielfalt im Stadtteil Oberbilk findet auch in der räumlichen Verteilung der einzelnen Nationalitäten im Stadtteil ihren Niederschlag. Sie ist geprägt von einem Nebeneinander verschiedener Nationalitäten in einzelnen Baublöcken. Eine ghettoähnliche räumliche Dominanz einer Nationalität ist nicht vorhanden.
Seit den 1980er-Jahren hat sich in Oberbilk entlang der traditionellen Geschäftsstraßen des Stadtteils, der Kölner Straße und der unteren Eller Straße, ein vielfältiges ethnisch geprägtes Geschäftleben herausgebildet. Die Karte zeigt eine bemerkenswerte räumliche ethnische Differenzierung mit einer Dominanz von türkischen Geschäftsinhabern entlang der Kölner Straße und marokkanischen Geschäften entlang der unteren Eller Straße und ihren Nebenstraßen. Seit den 1990er-Jahren ist die Angebotsbreite des ethnisch geprägten Geschäftslebens deutlich vielfältiger und zum Teil auch hochrangiger geworden. Auch Gentrifizierungstendenzen, also der Zuzug einkommensstärkerer Gruppen infolge der Umnutzungsprozesse und des allgemeinen Strukturwandels zugunsten des Dienstleistungssektors, sind seit den späten 1980er-Jahren zu beobachten. Sie haben aber bislang nicht zu stärkeren Verdrängungsprozessen unter der ausländischen Bevölkerung geführt.
G. Glebe

Graphiken

Bild

Erdgeschossnutzung durch ausländische Geschäftsinhaberinnen und -inhaber im Ortskern von Essen

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