Düsseldorf (Oberbilk) - Migrantenviertel

Deutschland - Bevölkerungsstruktur und -dynamik

978-3-14-100803-6 | Seite 81 | Abb. 7 | Maßstab 1 : 12.500
Düsseldorf (Oberbilk) | Migrantenviertel | Deutschland - Bevölkerungsstruktur und -dynamik | Karte 81/7

Überblick

Der citynahe, unmittelbar hinter dem Hauptbahnhof gelegene Stadtteil Oberbilk ist das älteste Industrie- und Arbeiterviertel Düsseldorfs. Eisen verarbeitende Industrien im Norden und Osten mit Stahl-, Röhren- und Kesselwerken prägten dieses Viertel von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1980er-Jahre hinein. Etwa ab der Mitte der 1960er-Jahre zogen verstärkt Arbeitsmigranten aus dem mediterranen Raum in das baulich vernachlässigte Viertel, wo sie zunächst noch in den alten Industriebetrieben Arbeit fanden. Die Deindustriealisierung führte jedoch seit den 1970er-Jahren zur Schließung aller großer Industriebetriebe und machte ein Drittel der Stadtteilfläche innerhalb des Gleisdreiecks für neue Nutzungen, vornehmlich auf dem tertiären Sektor, frei.

Nationalitäten in Oberbilk

Nach der Deindustrialisierung Oberbilks blieben viele Migranten bzw. deren Nachkommen im Viertel. In den 1990er-Jahren kamen im Zuge der globalen ökonomischen und politischen Veränderungen weitere Migranten anderer Nationalität hinzu, etwa aus Polen und den GUS-Staaten, aber auch aus Afrika und Asien. Dadurch lebten phasenweise Menschen aus fast 150 Nationen im Stadtteil Oberbilk. Dessen Ausländeranteil liegt mit 30,6 Prozent (Stand: Ende 2013) deutlich über dem Durchschnitt Düsseldorfs (18,4 %).

Der Unterschied zwischen „Ausländern“ und „Menschen mit Migrationshintergrund“ in der Erfassung statistischer Daten ist definitorischer Art. Zur Erfassung der Zuwanderungsbevölkerung wurde über viele Jahre ausschließlich das Merkmal der Staatsangehörigkeit verwendet. Weil aber die traditionelle Unterscheidung zwischen „deutsch“ und „nichtdeutsch“ in den letzten Jahren durch den Zuzug von Aussiedlern und Spätaussiedlern und die Einführung der doppelten Staatsangehörigkeit zunehmend an Aussagekraft verloren hat, hat sich ab Mitte der 2000er-Jahre bei der statistischen Erfassung der Zuwanderungsbevölkerung das Konzept der „Personen mit Migrationshintergrund“ durchgesetzt, das alle Zuwanderer seit 1949 und deren Nachkommen erfasst. Danach haben in Oberbilk mehr als die Hälfte der 28 600 Einwohner einen Migrationshintergrund. Zu den wichtigsten Herkunftsländern der Zuwanderer zählten die Türkei (2100 Personen), Marokko (1500) und Polen (1400).

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Differenzierung nach Nationalitäten

Die Vielfalt der Nationalitäten und Herkunftsländer findet auch in der räumlichen Verteilung im Stadtteil ihren Niederschlag. Sie ist geprägt von einem Nebeneinander in einzelnen Baublöcken. Eine räumliche Dominanz einer bestimmten Nationalität ist in Oberbilk nicht zu beobachten.

Seit den 1980er-Jahren hat sich in Oberbilk entlang der traditionellen Geschäftsstraßen des Stadtteils, der Kölner Straße und der unteren Eller Straße, ein vielfältiges Geschäftsleben herausgebildet. Die Karte zeigt eine bemerkenswerte räumliche Differenzierung mit einer Dominanz von türkischen Geschäftsinhabern entlang der Kölner Straße und marokkanischen Geschäften entlang der unteren Eller Straße und ihren Nebenstraßen. Seit den 1990er-Jahren ist die Angebotsbreite des Geschäftslebens deutlich vielfältiger und zum Teil auch hochrangiger geworden. Auch Ansätze der Gentrifizierung (Zuzug einkommensstärkerer Gruppen und damit einhergehende Verdrängung der bisherigen Wohnbevölkerung, verbunden mit einem starken Anstieg der Mieten und Aufwertung) und des allgemeinen Strukturwandels zugunsten des Dienstleistungssektors sind seit den späten 1980er-Jahren zu beobachten. Sie haben aber bislang nicht in starkem Maße zu Verdrängungsprozessen unter der ausländischen Bevölkerung geführt, sondern beschränken sich auf einige kleinere Gebiete im Stadtteil.

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Graphiken

Bild

Erdgeschossnutzung durch ausländische Geschäftsinhaberinnen und -inhaber im Ortskern von Essen

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