Dürregefährdung / Bewässerung

Südasien - Wirtschaft und Bevölkerung

978-3-14-100770-1 | Seite 159 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 36.000.000
Dürregefährdung / Bewässerung |  | Südasien - Wirtschaft und Bevölkerung | Karte 159/4

Informationen

Klima und Landwirtschaft
Niederschläge fallen in Indien vor allem in Folge des sommerlichen Südwestmonsuns. Daher ist es wichtig, die lange Trockenzeit durch künstliche Bewässerung für den Anbau nutzbar zu machen und ausbleibende Niederschläge zu kompensieren. Die Bedeutung des Bewässerungslandes für den Getreideanbau tritt z. B. in den nordindischen Tiefebenen hervor. Am Indus, an seinen Nebenflüssen im Punjab und am Ganges ermöglicht ein breiter Gürtel von Bewässerungskanälen den Anbau von Nassreis, Mais, Weizen und Zuckerrohr. Außerdem wird Baumwolle für den Export und die einheimische Textilindustrie angebaut.
Durch die Bevorratung des Wassers für die Trockenheit und seine Verteilung durch Kanäle erhöht sich die Flächenproduktion. Hinzu kommt die Möglichkeit, bis zu drei Ernten im Jahr zu erzielen. Wenn, wie in der "Grünen Revolution" propagiert, Düngung und Maschineneinsatz zur Intensivierung des Anbaus beitragen und der Ressourcenschutz nicht vernachlässigt wird, kann dies zur Ertragssteigerung beitragen. Ein Problem dieser Art von Intensivierung wird durch einen Vergleich deutlich: Für viele Kleinbauern übersteigen die notwendigen Investitionen die möglichen Erlöse. Von der "Grünen Revolution" profitierten deshalb entgegen den ursprünglichen Absichten nur die größeren, leistungsfähigen Betriebe.
Auf den trockenen Hochflächen des Dekkan, die im Monsunschatten liegen, ist abseits der Täler und der wasserreichen Flussdeltas nur Hirse- und Erdnussanbau möglich. Hinzu kommt die Baumwolle. Auch in diesen Regionen wird Wasserbevorratung betrieben, und zwar in sogenannten Tanks (künstlich in natürlichen Mulden errichteten Stauteichen). Überall, wo sich die Möglichkeit bietet, versucht die indische Regierung, neue Staudämme zu errichten, Elektrizität zu gewinnen und neues Bewässerungsland zu schaffen. Oft geschieht das ohne hinreichende Berücksichtigung der ökologischen und menschlichen Folgen. Weit verbreitet ist auch die Brunnenbewässerung. Vielfach werden diese Brunnen mit Motorpumpen betrieben.
Der vom Monsun gut beregnete Küstensaum des Dekkan ermöglicht einen vielfältigen ganzjährigen Anbau ohne zusätzliche Bewässerung, u. a. tropische Früchte, Kokospalmen, Nassreis und Zitrusfrüchte.

Dürre und Bodendegradierung
Trotz verschiedener Bewässerungsmaßnahmen kommt es immer wieder zu verheerenden Dürrekatastrophen. Gefährdet sind besonders die Trockenräume, vor allem der Dekkan, der Nordwesten Indiens und der größte Teil Pakistans. Große Teile des Subkontinents sind zudem von Bodendegradierung betroffen. Auf Bewässerungsflächen ist die Versalzung und die damit einhergehende Verringerung der Bodenfruchtbarkeit das größte Problem. Verschärfend kann in Trockenräumen die Winderosion wirken. In den gebirgigen Landesteilen tritt Bodenerosion als Folge von Niederschlägen auf, im schlimmsten Fall gehen die oberen Bodenhorizonte ganz verloren, sodass ein weiterer Anbau unmöglich wird.
Die Umwandlung in Bewässerungsland ist ein schwerwiegender Eingriff in den Wasserhaushalt. Durch die Bewässerung steigt der Grundwasserspiegel an. Es kommt zur Versumpfung ausgedehnter Flächen und, wegen der klimatischen Bedingungen, zur Versalzung großer Areale. Dadurch verändert sich die Struktur der Böden. Sind sie feucht, quellen sie auf und werden zu einer zähklebrigen, wasserundurchlässigen Masse. Bei Trockenheit werden die Böden dann steinhart und springen rissig auf. Die landwirtschaftliche Nutzung wird erschwert und schließlich unmöglich. Noch in den 1960er-Jahren ging mancherorts pro Jahr mehr Kulturland verloren, als durch neue Bewässerungsanlagen hinzugewonnen werden konnte. Als wirksame Rekultivierungsmaßnahme hat sich die teure und deshalb auf relativ kleine Areale beschränkte vertikale Dränung erwiesen. Durch den Bau elektrisch betriebener Tiefbrunnen konnte der Grundwasserspiegel abgesenkt und das in der Tiefe abgepumpte Wasser zusätzlich zur Bewässerung genutzt werden.
P. Gaffga, W. Storkebaum, E. Astor

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