Croquis zur Raumstruktur (Kartenskizze)

Südtirol – Bevölkerung/Raumstruktur

978-3-14-100782-4 | Seite 25 | Abb. 4
Croquis zur Raumstruktur (Kartenskizze) |  | Südtirol – Bevölkerung/Raumstruktur | Karte 25/4

Informationen

Die Karte führt Aussagen der Karten 24.1 (Wohnbevölkerung) und 25.3 (Bevölkerungsentwicklung und Pendlerströme) zusammen und verbindet sie mit solchen zu Verkehrswegen und, anhand von Beispielgemeinden, zu Wirtschaft und Arbeit (siehe auch Grafik). Durch die skizzenhafte Verdichtung können Erkenntnisse zur Raumstruktur Südtirols leichter gewonnen und deutlicher akzentuiert werden.

Siedlungsräume und Verkehrsachsen
Die Bevölkerungsverteilung in Südtirol wird durch Siedlungskorridore der Haupttäler von Etsch, Eisack und Rienz bzw. Drau (Pustertal) bestimmt. Im oberen Etschtal (Vinschgau) werden sie zu schmalen Bändern. Durch diese Täler führen, teils seit der Antike, auch die Hauptverkehrsachsen. Die Brennerautobahn ist heute die wichtigste. Die Verkehrsachsen treffen in den Ballungsgebieten aufeinander.
Zu den Siedlungskorridoren zählen auch einige Nebentäler. Grödnertal und Gadertal (Corvara) sind Schwerpunktgebiete des Alpentourismus in der Dolomitenregion, die ihrerseits durch Regionalstraßen in Ost-West-Richtung zwischen Etsch (Neumarkt) und Piave erschlossen werden. Sie führen über Hochgebirgspässe wie das Sellajoch und zum Wintersportzentrum Cortina d’Ampezzo. Das Sarntal nördlich von Bozen ist weder eine Tourismusregion noch verläuft dort eine wichtige Verkehrsverbindung, dennoch ist es, da bäuerlich geprägt, weiträumig besiedelt. Eine Regionalstraße führt durch das untere Passeiertal und über den Jaufenpass und verbindet Meran mit Sterzing.
Abwanderungsgebiete sind Seitentäler des Vinschgaus und Burggrafenamts (Ultental) sowie das Tauferer Ahrn- Rein- und Mühlwaldertal. Sie befinden sich häufig in oder in der Nähe von Schutzgebieten, die keine ausgesprochenen Tourismusregionen sind.

Wirtschaft und Beschäftigung: Beispiele
Die Beispiele Martell und Laurein (Vinschgau) zeigen Faktoren, die eine Abwanderung begünstigen. So ist trotz Wintertourismus (Martell) der Dienstleistungssektor unterdurchschnittlich vertreten. In beiden Gemeinden dominiert der Agrarsektor, im Fall von Martell Erdbeeranbau und -verarbeitung („Erdbeertal“). In beiden Gemeinden sind mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen im primären und sekundären Sektor beschäftigt. Die traditionelle Landwirtschaft (Vieh- und Weidewirtschaft) allein bietet jedoch immer weniger Höfen bzw. Betrieben ausreichende Verdienstmöglichkeiten.
Anders die Situation im Dorf Tirol: Inmitten des bedeutendsten Tourismusgebiets Südtirols (Meraner Land) mit dem Stammschloss der Tiroler Grafen verzeichnet die Gemeinde jährlich rund 100 000 Übernachtungen im Winter und rund 700 000 im Sommer. Auch profitiert sie vom milden Klima, das Obst- und Weinanbau in großem Maßstab möglich macht. Ebenfalls eine Touristenhochburg ist Corvara im oberen Gadertal.
Die Gemeinde Kiens, mit einem überdurchschnittlich hohen Anteil von Industrie und Gewerbe, ist mit ihren Streusiedlungen Teil des Ballungsraums Brixen. In Kiens herrschen Kleinbetriebe der Sachgüterproduktion mit weniger als zehn Beschäftigten vor. Mehr als zwei Fünftel der Erwerbstätigen pendeln, überwiegend nach Brixen. Industrie und Gewerbe im Tal und Tourismus in den Bergregionen (Naturpark, Skigebiet) vereint die Großgemeinde Sand in Taufers. Die Landwirtschaft ist dort von geringer Bedeutung. Von den Beispielen der Grafik kommt Sand genauso wie Neumarkt der durchschnittlichen Beschäftigungsstruktur in Südtirol am nächsten. Allerdings spielt der Tourismus im städtisch geprägten Zentrum der Bezirksgemeinschaft Überetsch-Südtiroler Unterland eine untergeordnete Rolle.

Henning Aubel