Ciudad Juárez (Mexiko) - Maquiladora-Industrie

Erde - Globalisierung

978-3-14-100700-8 | Seite 248 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 350.000
Ciudad Juárez (Mexiko) | Maquiladora-Industrie | Erde - Globalisierung | Karte 248/2

Informationen

An der Nordgrenze Mexikos boomt die Industrie. Ciudad Juárez, die größte der Städte an Mexikos Grenze zu den USA, gilt als "Hauptstadt der Maquiladora". Doch der Boom hat auch zu wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Problemen geführt.

Risiken der Maquiladora-Wirtschaft
Maquiladora-Betriebe finden sich hauptsächlich in den nördlichen Bundesstaaten Mexikos. Diese Betriebe erledigen ausgegliederte Produktionsschritte, indem sie Teile weiterverarbeiten. Die meisten haben ihren Hauptsitz in den USA, gefolgt von Kanada. Die deutschen Direktinvestitionen stammen unter anderem von Siemens und Bosch, die niederländischen vor allem von Philips, das größte französische Unternehmen ist Thomson. Die wichtigsten Branchen sind, gemessen an der Beschäftigtenzahl, die Elektro- und Elektronikindustrie, die Kraftfahrzeugindustrie sowie die Textil- und Bekleidungsindustrie. Der wichtigste Bereich der Elektro-/Elektronikindustrie ist die Produktion von Fernsehapparaten: Jedes dritte Fernsehgerät in Nordamerika kommt inzwischen aus Ciudad Juárez. Bereiche der Elektro- und Elektronikindustrie beliefern auch die Kraftfahrzeugindustrie.
Auf den ersten Blick erscheint dies wie eine wirtschaftliche Erfolgsgeschichte. Angesichts der Dominanz der Teileproduktion und des Fehlens von Entscheidungszentren gilt für Ciudad Juárez allerdings der Satz, dass, "wenn die Automobilhersteller einmal husten, die Zulieferer gleich eine schwere Grippe haben". Jeder Nachfragerückgang in den USA führt zu Wachstumsschwächen in der mexikanischen Stadt. Bezeichnenderweise ist in Ciudad Juárez auch kein Umbruch zu einer Dienstleistungsstadt zu erkennen.

Strukturelle und soziale Probleme
Neben der starken wirtschaftlichen Abhängigkeit von den USA weist Ciudad Juárez immense Probleme auf, die auf das rasche Wachstum zurückzuführen sind. So umfasste die Stadt noch bis 1960 weniger als 1000 Hektar Fläche, erst dann erfolgte ein exorbitantes Wachstum. Innerhalb des neu besiedelten Gebietes von etwa 22 000 Hektar findet nun eine Verdichtung statt. Während sich dezentral Dienstleistungszentren herausbilden, verödet der alte Stadtkern. Die Stadt ist dadurch zu einer Agglomeration ohne ein eigentliches kulturelles oder funktionales Zentrum geworden. Es gibt eine Urbanisierung ohne Urbanität.
Die Steuern, die durch die Industrie erwirtschaftet werden, erhalten Mexikos Zentralregierung und die Regierung des Bundesstaates Chihuahua und fließen nur in geringem Maße an die Stadtregierung zurück. Die Infrastruktur für die Industrien erstellen zum großen Teil Entwicklungsgesellschaften für Industrieparks. Doch die private Infrastruktur weist aufgrund der öffentlichen Armut gravierende Mängel auf: Fast die Hälfte der Straßen in Ciudad Juárez sind unbefestigt und in jedem sechsten Haushalt fehlt noch immer eine Abwasserentsorgung.
Die meisten Unternehmen verlangten über lange Zeit nur eine sehr geringe Qualifikation von ihren Arbeitnehmern, überwiegend weiblichen Beschäftigten. Immerhin gibt es diesbezüglich Verbesserungen für die Arbeitnehmer. Die Betriebe führen Qualifizierungsmaßnahmen für die Beschäftigten durch. Denn die teuren Maschinen erfordern einen qualifizierten Umgang. Einige wenige Unternehmen verlagern sogar Teile von Forschung, Entwicklung und Konstruktion nach Ciudad Juárez. Von ausschließlich "verlängerten Werkbänken" kann deshalb inzwischen nicht mehr die Rede sein.
Ein Beispiel hierfür ist Delphi Automotive Systems. Bis 1999 gehörte Delphi zu General Motors. Nun bildet das Unternehmen einen selbstständigen Zulieferer. 1995 eröffnete Delphi Automotive in Ciudad Juárez ein Zentrum für Forschung und Entwicklung (FuE). In dem Forschungszentrum arbeiten etwa 2000 Mitarbeiter. Zwei Drittel der Beschäftigten sind Ingenieure, ein Drittel Techniker und administratives Personal. 85 Prozent der Belegschaft sind mexikanische Arbeitnehmer. Als positiv erweist sich die Nähe zwischen Forschung und Entwicklung sowie Produktion. Ein weiterer Vorteil ist die umfassende Ausbildung mexikanischer Ingenieure. Diese verdienen mit 20 000 US-Dollar pro Jahr zudem deutlich weniger als ihre US-amerikanischen Kollegen.
M. Fuchs

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