Ciudad Guayana - Entwicklungspol

Kolumbien/Venezuela

978-3-14-100700-8 | Seite 211 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 250.000
Ciudad Guayana | Entwicklungspol | Kolumbien/Venezuela | Karte 211/4

Informationen

Die wichtigste Stadt am Nordrand des Berglandes von Guayana war bis vor wenigen Jahrzehnten das rund 100 Kilometer flussaufwärts gelegene Ciudad Bolívar, die Hauptstadt des Bundesstaates Bolívar. Etwas oberhalb von ihr führte von 1967 bis 2006 eine einzige Brücke über den Orinoco. Deswegen war Ciudad Bolívar lange der "Hauptzugang" zu Ciudad Guayana.

Entstehung des Entwicklungspols
Wichtige Voraussetzungen für die Entstehung des dortigen Entwicklungspols waren das Vorhandensein des 790 Meter hohen "Eisenerzbergs" Cerro Bolívar und weitere Eisenerzlagerstätten sowie die Sicherstellung der Energieversorgung für die Eisen-, Stahl- und Aluminiumindustrie. Diese Energie lieferte zunächst das 1962 eröffnete 372-MW-Wasserkraftwerk kurz vor der Caroni-Mündung — das später auf über 3000 MW ausgebaut wurde —, dann auch das Großkraftwerk am Guri-Stausee, das 1968 mit der ersten Stufe in Betrieb genommene wurde und heute mit einer Leistung von 10 000 MW zu den weltgrößten Wasserkraftwerken zählt; sein Strom wird heute nach Kolumbien und Brasilien exportiert. Weitere wichtige Faktoren waren die Bauxit-Lagerstätten in der Sierra de los Pijiguaos, die durch eine 52 Kilometer lange Erzbahnstrecke mit dem neuen Verladehafen Puerto Gumilla am Orinoco verbunden sind, und die 1953 gegründete staatliche Corporación Venezolana de Guayana (CVG) als regionale Entwicklungsbehörde mit weitgehenden Vollmachten in den Bereichen Industrialisierung, Hydroenergiegewinnung, infrastrukturelle Erschließung und städtebauliche Planung.
Die Geschichte des "Entwicklungspols" begann 1952 mit dem Bau von Erzaufbereitungsanlagen und eines Erzhafens westlich der Caroni-Mündung durch die Orinoco Mining Company. Gleichzeitig entstand eine Werksiedlung in Puerto Ordaz. 1954 begann der Export von der Erzaufbereitungsanlage in Puerto Ordaz. In Matanzas wurde 1962 die staatliche Siderúrgica del Orinoco (SIDOR) in Betrieb genommen; ihre anfängliche Kapazität von 1,2 Mio. Tonnen Eisen pro Jahr wurde bis 1984 auf 4,8 Mio. Tonnen gesteigert. Ab 1974 begann der Ausbau zu einem integrierten Stahlwerk mit der Herstellung von Profilstahl, Röhren, Drähten und anderen Walzprodukten. Bereits 1990 stellte SIDOR 90 Prozent dieser Stahlprodukte Venezuelas her.
Weitere Werke entstanden als Joint-Venture-Unternehmen zwischen der CVG und ausländischen Gesellschaften, darunter 1974 eine Fabrik zur Herstellung von Eisenbriketts, 1978 ein Pelletier-Werk zur Erzeugung von 1,2 Mio. Tonnen Pellets pro Jahr — beide überwiegend auf den Export ausgerichtet — und 1979 eine Midrex-Anlage, die aus Stückerz und Pellets jährlich 0,7 Mio. Tonnen Eisenschwamm für die Stahlproduktion erzeugt. 1980 wurde diese Anlage um eine weitere ergänzt.
Eine zweite wichtige Industriebranche ist die Aluminiumproduktion. 1967 und 1978 entstanden mit US-amerikanischer bzw. japanischer Kapitalbeteiligung zwei Aluminiumwerke, die über eigene Häfen verfügen. Sie verarbeiteten zunächst importierten Bauxit. Standortvorteile waren neben der Zugänglichkeit für Hochseeschiffe die günstigen Strom- und Lohnkosten. Seit 1983 werden diese Werke aus den Bauxitgruben von Los Pichiguaos versorgt, wodurch sie ihre Kapazität von 0,4 Mio. Tonnen pro Jahr auf 0,86 Mio. Tonnen aufstocken konnten. Dazu siedelten sich weitere, kleinere Aluminiumfabriken an.
Die übrigen Industrien, unter anderem ein Zementwerk, haben für den Arbeitsmarkt keine nennenswerte Bedeutung. Allerdings werden in den drei Gewerbezonen viele Arbeitskräfte beschäftigt, meist in Kleinbetrieben der Bau- und Handelsbranche.
G. Mertins

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