Bundesrepublik Deutschland/DDR - bis 1990

Historische Entwicklung

100849 | Seite 53 | Abb. 8 | Maßstab 1 : 12.500.000
Bundesrepublik Deutschland/DDR | bis 1990 | Historische Entwicklung | Karte 53/8

Überblick

Die Karte zeigt die beiden im Jahre 1949 proklamierten deutschen Staaten im Zeitalter des Kalten Krieges. Mit der Verabschiedung des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland wurde Bonn zur neuen Hauptstadt des westlichen Deutschland, das inmitten der DDR gelegene Westberlin wurde Bundesland. Der Ostteil der Stadt wurde mit der Proklamation der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 zur Hauptstadt der DDR.

Verwaltungsgliederung in Ost und West

In der Bundesrepublik blieben die einzelnen Bundesländer, die von den alliierten Besatzungsmächten zwischen 1945 und 1946 gegründet worden waren, im Wesentlichen erhalten. Eine Ausnahme bildete das heutige Bundesland Baden-Württemberg, das 1952 nach einer Volksabstimmung aus einem Zusammenschluss der Länder Württemberg-Baden, Württemberg-Hohenzollern und Baden entstand. 1953 kam auch die Grenzstadt Kehl aus der französischen Verwaltungszone zu Baden-Württemberg. Das zuvor politisch autonome Saarland wurde am 1. Januar 1957 Teil der Bundesrepublik Deutschland.

Die unter der sowjetischen Besatzung konstituierten Länder auf dem Gebiet der DDR – Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen – hatten in ihren Verfassungen das Prinzip der Selbstverwaltung verankert, das zusehends mit dem staatlichen Ziel einer Durchsetzung der Planwirtschaft kollidierte. Unter dem Generalsekretär Walter Ulbricht wurden die Länder im Jahre 1952 abgeschafft und durch eine zentralistische Gliederung in 14 Bezirke und die Hauptstadt Ostberlin ersetzt. Diese Bezirke waren administrativ weiter in 28 Stadt- und 191 Landkreise untergliedert. 1957 wurde auch die Selbstverwaltung der Gemeinden und 1958 die nur noch pro forma existierende Länderkammer aufgehoben.

Die politische Blockbildung nach dem Zweiten Weltkrieg und das beginnende militärische Wettrüsten der beiden konkurrierenden Großmächte USA und UdSSR führte in den Kalten Krieg, der mit dem Bau der Berliner Mauer einen ersten Höhepunkt erreichte. Am 13. August 1961 schloss die DDR, die zunehmend unter der Massenauswanderung vor allem junger Menschen und qualifizierter Facharbeiter litt, alle innerdeutschen Grenzen. Die ehemalige Demarkationslinie zur sowjetischen Besatzungszone wurde mit einem Todesstreifen und mit Selbstschussanlagen zu einer fast unüberwindlichen Grenze ausgebaut, die Grenzsoldaten erhielten Schießbefehl. Nicht weniger stark gesichert war die Berliner Mauer, die fortan die Hauptstadt Berlin-Ost vom westlichen Stadtteil trennte.

Zu einer Entspannung des deutsch-deutschen Verhältnisses kam es erst im Zuge der „neuen Ostpolitik“ unter Willy Brandt, der ab dem 21. Oktober 1969 als erster sozialdemokratischer Bundeskanzler amtierte. Nach starken Widerständen, vor allem von Seiten der westdeutschen Konservativen, wurde die DDR durch den im Dezember 1972 unterzeichneten und am 11. Mai 1973 ratifizierten Grundlagenvertrag von der BRD uneingeschränkt als souveräner Staat anerkannt. Der politische Umbruch in der Sowjetunion im Jahre 1985 markierte den Anfang vom Ende der deutschen Teilung.

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Wirtschaftsentwicklung: Marshallplan contra Planwirtschaft

Am 8. Mai 1949 wurde vom Parlamentarischen Rat in Bonn das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland angenommen. Am 14. August fanden nach 16 Jahren wieder die ersten demokratischen Wahlen statt, die CDU und CSU knapp vor der SPD zu ihren Gunsten entscheiden konnten. Konrad Adenauer wurde mit einer Stimme Mehrheit vom Bundestag zum ersten Bundeskanzler gewählt, Theodor Heuss wurde erster Bundespräsident.

Wenig später, am 7. Oktober 1949, wurde im Ostteil Deutschlands die Deutsche Demokratische Republik proklamiert. Ihre Verfassung wurde von der Provisorischen Volkskammer in Kraft gesetzt, die auch Berlin als Hauptstadt bestimmte und den Vorsitzenden der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), Wilhelm Pieck, zum ersten und einzigen Präsidenten wählte. Otto Grotewohl, der zweite Vorsitzende der SED, wurde zum Ministerpräsidenten. Damit waren auf dem Boden der ehemaligen deutschen Besatzungszonen zwei unabhängige Staaten entstanden. Jedoch weigerte sich die Regierung Adenauer gemeinsam mit zahlreichen Vertretern der konservativen Öffentlichkeit, die DDR als souveränes Staatsgebilde anzuerkennen.

Eine Reihe von Faktoren begünstigten den als „Wirtschaftswunder“ apostrophierten raschen ökonomischen Aufschwung im Westen, durch den sich die Bundesrepublik, deren Wirtschaft unmittelbar nach Kriegsende zerstört war, innerhalb kurzer Zeit zur zweitgrößten Exportnation der Welt entwickelte. Von großer Bedeutung waren die als „Marshallplan“ bezeichneten Finanzhilfen der USA, das niedrige Lohnniveau in Deutschland und die unterbewertete D-Mark, die den Export begünstigte. Hinzu kam der Zustrom qualifizierter Facharbeiter aus der DDR. Entscheidend war aber vor allem der Korea-Krieg von 1950 bis 1953. Da sich die Industrien Frankreichs, Großbritanniens und der USA auf die Produktion von Rüstungsgütern konzentrierten, entwickelte sich auf dem Sektor der Konsum- und Investitionsgüter für die deutschen Unternehmen ein breiter Markt.

Während die DDR vom Welthandel noch lange Zeit abgeschnürt blieb, wurde die Bundesrepublik rasch in die Weltwirtschaft integriert. In den wenigen Jahren von der Gründung der BRD bis zum Jahre 1960 stieg das Bruttosozialprodukt von 79 auf 303 Mrd. DM. Bereits 1953 war der 500 000. VW-Käfer vom Band gerollt, der 1972 das weltweit meistverkaufte Auto war. 1964 gab es im Westen Vollbeschäftigung und 680 000 freie Stellen, für die Gastarbeiter aus dem Süden Europas in das Land geholt wurden. Mit dem ersten Konjunktureinbruch in den Jahren 1966/67 endete die Phase des „Wirtschaftswunders“.

Die SED hatte unterdessen auf dem dritten Parteitag im Juli 1950 den ersten Fünfjahrplan für die DDR beschlossen, womit sie sich dem Planrhythmus der Sowjetunion anpasste. Ziel war die Verdoppelung der industriellen Produktionsleistung des Jahres 1936, wobei der größte Teil der Investitionen in die durch den Krieg, die Teilung und die Reparationen stark geschwächte Schwerindustrie floss. Eine Folge dieser einseitigen planwirtschaftlichen Orientierung waren Defizite in der Verbrauchsgüterproduktion. Entgegen der Vorgaben sank der Lebensstandard, einige Güter wie Fleisch und Zucker unterlagen der Rationierung.

Als es am 17. Juni 1953, rund drei Monate nach dem Tod Stalins, in der DDR zu einem Arbeiteraufstand kam, der nur mithilfe sowjetischer Panzer erstickt werden konnte, korrigierte die Staatliche Plankommission, ein Organ des Ministerrats, die Planziele. Das große Problem der ostdeutschen Planwirtschaft blieb jedoch auch in der Folgezeit die mangelnde Koordination zwischen der Staatsspitze und der Produktionsebene. Und obgleich der erste Fünfjahresplan hinsichtlich der Ziele im Bereich Schwerindustrie erfüllt werden konnte, lag der allgemeine Lebensstandard in Ostdeutschland deutlich unter dem Westniveau.

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Graphiken

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Anteil der Wirtschaftszweige an den Beschäftigten des verarbeitenden Gewerbes im Süden der DDR (1968)

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