Bozen - Stadtentwicklung, Landschaftsverbrauch

Südtirol – Räume im Wandel

978-3-14-100782-4 | Seite 22 | Abb. 1
Bozen | Stadtentwicklung, Landschaftsverbrauch | Südtirol – Räume im Wandel | Karte 22/1

Informationen


Bozen ist nicht nur Landeshauptstadt, sondern mit knapp über 100 000 Einwohnern auch die größte Stadt der autonomen Provinz Südtirol. Mit Einrichtungen wie einer Universität, einem Bischofssitz und einigen Krankenhäusern hat Bozen in seiner Region eine große zentralörtliche Bedeutung. Unterstrichen wird diese Stellung durch die internationale Anbindung an die Brennerautobahn und die Brennerbahn, mit denen die Stadt u. a. direkt von München und Verona aus zu erreichen ist.

Entwicklung und Struktur der Stadt
Bozens historischer Kern liegt zwischen den Flüssen Talfer und Eisack. Im Norden, Süden und Osten war der Ende des 12. Jahrhunderts gegründete Marktort durch Berge geschützt. Bis ins 20. Jahrhundert blieben Bozens Fläche und Einwohnerzahl klein: 1837 lebten rund 10 000 Einwohner in der Stadt, 1910 war deren Zahl auf rund 30 000 angestiegen. Entscheidend für die weitere Entwicklung Bozens waren die Eingemeindungen von Zwölfmalgreien (1911) und Gries (1925). Die verstreuten Flächen von Zwölfmalgreien finden sich in der Karte etwa in Rentsch, St. Magdalena und Oberau-Haslach wieder. Das alte Gries bildet das Zentrum des heutigen Stadtteils Gries-Quirein.
Die Eingemeindungen allein führten jedoch nicht zum Bevölkerungsanstieg: Ab den 1920er-Jahren wurde in Südtirol eine Italianisierungskampagne betrieben, in deren Folge Zehntausende Italiener zuzogen. Allein in Bozen stieg die Zahl der Einwohner von 37 000 (1931) auf 89 000 (1961). 1966 wurde erstmals die Grenze von 100 000 erreicht. Seitdem bewegen sich die Zahlen um diese Marke. Zeitgleich musste Wohnraum geschaffen werden, sodass um die alten Kerne neue Viertel entstanden, deren Genese in der Karte abzulesen ist.

Herausforderungen und Probleme
Über 70 % der Bozener Fläche wird von Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Arealen eingenommen. Auf nur 12 % stehen Wohnhäuser. Seit Jahren gibt es unterschiedliche politische Auffassungen, wie einem weiteren Anstieg der Einwohnerzahlen begegnet werden kann. Da die Berge im Norden, Süden und Osten der Altstadt eine Stadterweiterung in diese Richtungen verhindern, können nur im Westen neue Siedlungsflächen ausgewiesen werden. Dort liegt der „Grieser Grünkeil“, der mit Bauernhöfen und Weinparzellen als traditionell schützenswerte Grünfläche gilt. Entsprechend weist die Karte dort eine Konfliktzone zwischen Stadt und Umland aus. Ein Alternativvorschlag zu Neubauten sieht vor, die innerstädtischen Brachflächen neu zu erschließen. Das ehrgeizigste Projekt dieser Art betrifft den Bahnhof und die an ihn grenzenden Industrie- und Gewerbeflächen. Dort sollen Areale mit unterschiedlichen Schwerpunkten entstehen, z. B. Bezirke für Ateliers und integrierten Wohnbau, vorwiegend für Wohnbau bestimmte Bezirke und Bezirke für Gewerbe und Handwerk. Vorgesehen sind dabei Fußgängerbereiche, verbindende Grünanlagen und verkehrsberuhigte Zonen.
Eine der daraus resultierenden Konfliktzonen ist in der Karte südwestlich von St. Magdalena eingetragen: Bisher gibt es dort eine klare Trennung zwischen Bebauung und Grünflächen. Die Planung sieht einen „Paseo“ oder „Grünen Zipp“ vor. Dessen Kernelement soll ein Weg für Fußgänger und Radfahrer sein, über den eine Vielzahl an Freizeitaktivitäten erschlossen und der urbane Raum mit dem Umland wie ein Reißverschluss verzahnt werden soll.

Dietmar Falk