Bodentypen

Deutschland – Landwirtschaft

100750 | Seite 44 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 6.000.000
Bodentypen |  | Deutschland – Landwirtschaft | Karte 44/1

Überblick


Die Karte zeigt die Verbreitung der vorherrschenden Bodentypen in Deutschland. Es handelt sich um eine stark vereinfachte Darstellung, da die Bodenentwicklung von vielen Faktoren abhängig ist und somit Böden regional sehr unterschiedlich ausgeprägt sein können.

Marschböden, Auenböden, Moorböden und Pseudogleye
Marsch- und Auenböden entstehen auf Ablagerungen der Meere bzw. Flüsse. Marschböden sind an den nordwestdeutschen Küsten und den küstennahen Flüssen verbreitet. Sie lassen sich in Seemarsch, Brackmarsch und Flussmarsch unterteilen. Die Seemarsch findet sich im Gezeitenbereich an der Nordseeküste, ist sehr fruchtbar und bietet gute Ackerbedingungen. Die Brackmarsch entsteht im Bereich großer Flussmündungen. Sie weist meist ungünstige Eigenschaften auf und wird vor allem als Grünland genutzt. Die Flussmarsch bildet sich im Unterlauf von Flüssen und hat meistens gute, fruchtbare Bodeneigenschaften.
Auenböden sind – wie ihr Name sagt – in den Auen größerer Flüsse anzutreffen. Sie sind von hohen Grundwasserständen beeinflusst, die jedoch stark schwanken können. Im Mittel- und Unterlauf der Flüsse sind die Auenböden durch regelmäßige Überschwemmungen mit Nährstoffen angereichert. Sie sind daher sehr fruchtbar und werden oft landwirtschaftlich genutzt.
Moorböden entwickeln sich, wenn durch besonders hohen Grundwasserstand oder aufgestautes Niederschlagswasser unter Ausschluss der Luft Verhältnisse eintreten, bei denen die organische Substanz nicht mehr zersetzt wird und Torf entsteht. Dieser Prozess wird als Vermoorung bezeichnet. In Deutschland sind Moorböden in den Hochlagen der Gebirge, in Senken und einigen Flussniederungen anzutreffen.
Pseudogleye können dort entstehen, wo auf gering durchlässigen Substraten (Lehm, Geschiebemergel) in weitgehend ebener Lage Staunässe auftritt. Aufgrund von Staunässe und zeitweiliger Sauerstoffarmut handelt es sich um landwirtschaftlich ungünstige Böden.

Braunerden und Parabraunerden
Die in deutschen Mittelgebirgen und in Teilen des Tieflandes vorherrschenden Braunerden und Parabraunerden treten in vielfältigem Wechsel mit anderen Bodentypen auf. Der Hauptprozess der Bodenbildung bei Braunerden ist die Verbraunung. Hierbei kommt unter anderem zur Bildung von Tonmineralen sowie von Eisenoxiden, die dem Boden seine braune Farbe geben. Parabraunerden entstehen aus Braunerden durch Tonverlagerung aus oberen in untere Bodenhorizonte. Braunerden und Parabraunerden unterscheiden sich in ihrer Bodenqualität je nach Ausgangsgestein und Verwitterungsgrad und werden unterschiedlich genutzt, etwa für Ackerbau oder Forstwirtschaft.

Podsole
Podsole und Gebirgspodsole – auch Bleicherden genannt – bilden sich, wenn auf durchlässigen Substraten, etwa sandigen Lehmen, eine Verlagerung eisenhaltiger Substanzen in tiefere Horizonte stattfindet und diese sich dort verfestigen. Ihr Humushorizont ist nur schwach ausgeprägt. Podsole sind nährstoffarme, geringwertige Böden.

Schwarzerden
Schwarzerden entstehen meist auf Löss. Bei Löss handelt es sich um feine Lockersedimente, die vom Wind herbeigetragen und abgelagert wurden. Schwarzerden zeichnen sich durch einen mächtigen, humusreichen Oberboden aus. Aufgrund ihrer hohen Fruchtbarkeit sind Schwarzerden als Ackerböden hervorragend geeignet.

Rendzinen und Rohböden
Wo Kalkgesteine an die Oberfläche treten, sind Rendzinen ausgebildet (z. B. im Süddeutschen Schichtstufenland und in den Kalkalpen). Sie sind flachgründig und besitzen einen dünnen, dunklen, humus- und nährstoffreichen Oberboden. Wegen ihrer Flachgründigkeit sind Rendzinen aber für die Landwirtschaft nur eingeschränkt nutzbar. Rohböden sind wenig entwickelte Böden mit einem geringmächtigen Oberboden über dem darunterliegenden Ausgangsgestein. Diese Rohböden finden sich insbesondere im Hochgebirge, wo in den höchsten Lagen keine Bodenbildung mehr stattfindet.

M. Felsch, R. Pertsch, S. Lemke

Info Plus

Böden mit gleichen Horizontfolgen und mit daraus resultierenden gleichen Merkmalen und Eigenschaften werden als Bodentypen bezeichnet. Sie entstehen als Ergebnis Boden bildender Prozesse, die wiederum durch das Zusammenwirken verschiedener "Geofaktoren" wie Gestein, Klima, Flora und Fauna, Relief, Wasser, Mensch und Zeit gesteuert werden. Von den Bodentypen sind die Substrate bzw. Bodenarten — vor allem Ton, Lehm, Sand und Mischformen — zu unterscheiden.

Regionale Verteilung
Die in der Karte dargestellten Bodentypen werden im Folgenden nach Bodenlandschaften gegliedert. Dabei ist zu beachten, dass die in Deutschland vorhandene Vielfalt an Böden auf dem Kartenbild zugunsten eines besseren Überblicks reduziert ist. Dargestellt sind vielmehr einzelne Bodentypen, die in der jeweiligen Region dominieren, aber in Abhängigkeit von den naturräumlichen Gegebenheiten mit anderen Böden assoziiert sind (Gesellschaften von Bodentypen). Im Alpenvorland beispielsweise sind die dargestellten Parabraunerden als Leitböden mit Braunerden, Pseudogleyen und Gleyen als Begleitböden assoziiert. Im norddeutschen Tiefland können zu den Parabraunerden Ranker, Podsole, Gleye, moorige Böden und schwarzerdeartige Bildungen treten.
Marsch- und Auenböden entstehen auf meist lehmigen Ablagerungen der Flüsse oder Meere. Sie haben einen speziellen, sich periodisch verändernden Grundwasser- und Bodenwasserhaushalt. Von der aus marinen Sedimenten im Gezeitenbereich an der Nordseeküste gebildeten, im Allgemeinen sehr fruchtbaren Seemarsch ist die in den großen Flussmündungen entstandene, meist ungünstige Eigenschaften aufweisende Brackmarsch und die im Unterlauf gebildete Flussmarsch zu unterscheiden. Flussaufwärts geht letztere in Auenböden über. Der dominierende Boden bildende Prozess ist jeweils die Vergleyung (Wechselspiel von Reduktion bei Sättigung mit Wasser und Oxidation bei Luftzutritt; verbunden mit Stoffverlagerung und -ausfällung). Gleye können, wenn der Wasserhaushalt reguliert werden kann, gute Böden sein. Vermoorung tritt als Prozess dann in Erscheinung, wenn durch besonders hohen Grundwasserstand oder aufgestautes Niederschlagswasser unter Ausschluss der Luft Verhältnisse eintreten, bei denen die organische Substanz nicht mehr zersetzt wird und Torf entsteht. Dies kann in Mitteleuropa in den Hochlagen der Gebirge, in Senken und einigen Flussniederungen eintreten.
Schon früh wurden die Auenwälder vernichtet, um die fruchtbaren Böden landwirtschaftlich zu nutzten. Dabei kam es zu Flussregulierungen, Grundwasserabsenkungen und Erosion.
Die in Deutschland im Mittelgebirge, aber auch in Teilen des Tieflandes vorherrschenden Braunerde- und Parabraunerdegesellschaften treten in vielfältigem Wechsel mit anderen Bodentypen auf. Hauptprozess der Bodenbildung bei Braunerden ist die Verbraunung (Verwitterung des Primärgesteins, Neubildung von Tonmineralen und Eisenoxidhydraten, Braunfärbung, Versauerung). Die Verbraunung ist der typische Prozess, der unter Laub- und Mischwäldern in der kühl-gemäßigten Klimazone bei humiden Bedingungen einsetzt. Parabraunerden entstehen aus Braunerden durch Tonverlagerung aus oberen in untere Horizonte.
Die Böden des Tieflandes umfassen neben den Parabraunerden vor allem Podsole und Schwarzerden. Podsole und Gebirgspodsole — auch Bleicherden genannt — bilden sich, wenn auf durchlässigen Substraten, etwa sandigen Lehmen, eine Verlagerung eisenhaltiger Substanzen in tiefere Horizonte stattfindet und diese sich dort verfestigen. Ihr Humushorizont ist nur schwach ausgeprägt, es handelt sich um nährstoffarme, geringwertige Böden.
Schwarzerden entstehen meist auf Löss. Markantes Merkmal ist der mächtige, schwarze, humusreiche A-Horizont, der sie zu besten Ackerböden macht. Schwarzerden entstehen in winterkalten, kontinentalen Steppen, in denen große Mengen organischer Substanz anfallen (Humusbildung). In Mitteleuropa sind Schwarzerden Reliktböden aus der Nacheiszeit. Infolge der Änderung der Geofaktorenkonstellation unterliegen sie Degradationserscheinungen (Versauerung, Entkalkung, Tonverlagerung).
Wo Kalkgesteine an die Oberfläche treten, wie im Süddeutschen Schichtstufenland und in den Kalkalpen, sind Rendzinen ausgebildet, die auch als intrazonale Böden klassifiziert werden, da die Entstehung vor allem gesteinsbedingt abläuft. Sie sind durch ihre Flachgründigkeit und einen dünnen, dunklen, humus- und nährstoffreichen A-Horizont über einem hellen C-Horizont charakterisiert. Der aus dem Polnischen stammende Name "Rendzina" bedeutet "Rauschen" und bezieht sich auf das Geräusch, das die zahlreichen Steine dieses Bodens am Streichblech eines Pfluges erzeugen.
Auf gering durchlässigen Substraten (Lehm, Geschiebemergel) in weitgehend ebener Lage können Staunässeböden (Pseudogleye) entstehen. Boden bildender Prozess ist auch hier die Vergleyung (s. o.), im Unterschied zu den Gleyen wird sie aber nicht durch den schwankenden Grundwasserstand bestimmt, sondern durch die Staueigenschaften des Substrates.
Der Faktor Klima beeinflusst die Bodenbildung in den Höhenstufen, insbesondere im Hochgebirge. In den höchsten Lagen findet keine Bodenbildung mehr statt, sodass hier entsprechende Rohböden dominieren.
M. Felsch, R. Pertsch

Graphiken

Bild

Funktionen des Bodens

Download

Bild

Bodenbildungsprozesse und Nährstoffbereitstellung

Bodenbildungsprozesse sind Humusbildung, Mineralisierung, Verwitterung und Kationenaustauschkapazität
Download

Bild

Zusammenstellung und Unterscheidung der wichtigsten organischen Substanzen im Boden

Download

Bild

Bodenprofil und Bodenhorizonte

Eine charakteristische Ausprägung von Horizonten ergibt ein Bodenprofil. Bodenhorizonte entstehen durch Prozesse der Bodenbildung
Download

Bild

Modellhafte Darstellung der Bodenentwicklung in der gemäßigten Zone

Download

Bild

Zusammenwirken der Bodenbildungsfaktoren

Die Entstehung und Entwicklung von Böden, welche zur Ausprägung bestimmter Bodenhorizonte, Bodentypen führt.
Download

Bild

System Boden

Ein an der Erdoberfläche im Grenzbereich von Lüfthülle und festem Gestein durch Umwandlung mineralischer und organischer Substanzen entstandene Gemisch aus festen anorganischen und organischen Bestandteilen, Wasser, Luft und Organismen.
Download