Boddenküste

Küstenlandschaften/Küstenformen

100750 | Seite 25 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 500.000
Boddenküste |  | Küstenlandschaften/Küstenformen | Karte 25/2

Informationen

Der Kartenausschnitt erfasst die weichseleiszeitliche Moränenlandschaft Vorpommerns mit weit verbreiteten, ackerbaulich genutzten, wellig bis hügeligen Grundmoränenplatten und die postglaziale Boddenausgleichsküste. Mit Ausnahme der westlich von Wismar gelegenen Küste, die zur Buchtenküste der Lübecker Bucht gehört, wird die gesamte Ostseeküste Mecklenburgs und Vorpommerns von der Boddenküste geprägt. Den markantesten Teil der westlichen Ausgleichsküste bildet die Halbinsel Darß/Zingst einschließlich des Großen Werders und des Bocks.Sie ist größtenteils aus Meeresablagerungen aufgebaut — Sandebenen, die zu den Bodden hin (Saaler Bodden, Barther Bodden, Grabow) oberflächlich vermoort sind und z. T. an den Bodden einen Schilfgürtel tragen. Die Pleistozänkerne sind anhand der Bodennutzung lokalisierbar: Es handelt sich zum einen um das ackerbaulich genutzte "Hohe Fischland" zwischen den Ostseebädern Wustrow und Ahrenshoop und zum anderen um den nicht durch Meeressande überdeckten Altdarß. Die feinen Meeressande bilden breite Strände, an denen bekannte Badeorte wie Graal-Müritz, Wustrow, Ahrenshoop und Prerow liegen.
Die in der Karte eingetragene Kliffküste unterliegt auch in der Gegenwart der Abtragung, z. B. am Hohen Fischland und am westlichen Darß. Sie beträgt im langjährigen Mittel fast 0,5 m pro Jahr. Zwischen Wustrow und Ahrenshoop wird mit Küstenschutzmaßnahmen versucht, diesem Prozess entgegen zu wirken. Ein Teil der Inseln (Bock) ist durch Aufschüttung von Sanden, die aus der Ausbaggerung von Schifffahrtsrinnen stammen, entstanden.

Hiddensee und Rügen
Die der Insel Rügen vorgelagerte Insel Hiddensee gehört zu den morphologisch und touristisch interessantesten Teilen der deutschen Ostseeküste. Die 72Meter hohe Moräne des Dornbusch im Norden der Insel gehört zur Nordrügener Staffel des letzten weichseleiszeitlichen Rückzugstadiums.Aufgrund seiner exponierten Lage unterliegt der Dornbusch einem starken Küstenabbruch, weshalb am westlichsten Landvorsprung (der Hucke) 1938/39 eine Schutzmauer errichtet wurde. Auffallend ist die gegensätzliche Ausprägung der Küstenformen Hiddensees: seeseitig ein meist schmaler, mit Kies und Geröllen bedeckter Strand, boddenseitig Verlandungen im Uferbereich. Die Hakenbildungen des Bessin, die am Dornbusch ansetzen, sind holozäne Anlandungen, die aus dem Sedimentmaterial des Kliffabbruchs bzw. aus Meeresablagerungen stammen.
Die aus Kreidekalken und Stauchmoränen (Piekberg 161 m) aufgebauten Halbinseln Wittow und Jasmund gehören zu den eindrucksvollsten Landschaften Rügens.Sie sind durch ihre langen und imposanten Kliffküsten touristische Attraktionen (bekannte Kreidefelsen Königstuhl (117 m) und Kap Arkona (47 m)). Wittow und Jasmund sind miteinander durch die Schaabe verbunden, eine elfKilometer lange und durchschnittlich einenKilometer breite Nehrung, die den großen Jasmunder Bodden vom Tromper Wiek der Ostsee abschließt. Sie ist aus dem Sedimentmaterial der angrenzenden kreidereichen Kliffküsten aufgebaut, wie auch die Schmale Heide, die zweite große Nehrung Rügens, die Jasmund mit den Moränen Südostrügens (Granitz) verbindet. Der durch die Schmale Heide vom Prorer Wiek der Ostsee abgeschlossene Kleine Jasmunder Bodden ist stark verlandet, z. T. vermoort und im Uferbereich mit Schilf bestanden. Sowohl der Große als auch der Kleine Jasmunder Bodden sind Brackwasserseen. Sie wurden erst 1869 durch einen Damm getrennt, als Bergen und Sassnitz eine direkte Straßenverbindung, später auch eine Eisenbahnverbindung (1892) erhielten. Die Kliffs an der Binnenseite des Großen Jasmunder Boddens stammen aus der Litorinazeit, sind z. T. auch heute noch aktiv (Ralswiek). Der Küstenabschnitt von Binz bis Thießow an der Südostspitze Rügens bildet in diesem Raum den Abschluss der Boddenausgleichsküste. Er besteht aus dem vorspringenden, bewaldeten Endmoränenkern der Granitz (Jagdschloss Granitz, 96 m Höhe), den Moränen bei Göhren und Mönchgut, die durch zwei Nehrungen an der Baaber Heide (ausgeprägte gestaffelte Strandwälle) und im Ostseeküstenbereich von Mönchgut bis Thießow miteinander verbunden sind. Der Greifswalder Bodden greift mit seinen Ausläufern Having und Hagensche Wiek tief in den Südteil Rügens ein und lässt so die Ausläufer der Moränenzüge hervortreten.

Postglaziale Entwicklung Vorpommerns
Nach dem Pommerschen Stadium der Weichseleiszeit löste sich das Inlandeis auf dem Gebiet Vorpommerns allmählich in Eisfelder auf, weshalb sich nur einzelne Endmoränenstaffeln des zurückweichenden Inlandeises feststellen lassen, wie die Velgaster Staffel, die das Kartenblatt von Wustrow in Richtung Velgast in mehreren Gletscherzungen bis nördlich von Greifswald durchläuft. Die Endmoränenzüge und die vorgelagerten Sander sind mit Laub- und Nadelwäldern bedeckt. Eine zweite Staffel durchzieht die Insel Rügen vom Dornbusch auf Hiddensee im Nordwesten bis zur Granitz im Südosten. Auch hier kennzeichnen die Waldgebiete Mittelrügens und auf Jasmund sowie die Höhenzüge auf Wittow im Wechsel mit Niederungen die Moränenzüge und die Lage von Gletscherzungenbecken, die für die postglaziale Gestalt Rügens mitentscheidend waren.
Durch den Eiszerfall entwickelten sich die Abflussrinnen der Schmelzwässer. Das Pommersche Urstromtal, das sich vom Stettiner Haff zur westlichen Ostsee erstreckt, wird im Kartenbild im Westen durch den Lauf der Recknitz von Triebsees bis nach Ribnitz markiert. Spätere Abflussrinnen prägten den Mittelteil des Urstromtales, in dem heute die Täler der Flüsse Trebel und Ryck (Bifurkation!) verlaufen. Im Osten schließlich flossen die Schmelzwässer über das Urstromtal der Peene und den Strelasund ab.
T. Topel

Graphiken

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Steilküste

Steil zum Wasser hin abfallende Küste, die durch Erosion entstanden ist.
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Flachküste

Flach zum Wasser hin abfallende Küste, die durch Abrasion entstanden ist.
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