Bitterfeld-Wolfen - Landschaftswandel - 1935

Bitterfeld-Wolfen - Räume im Wandel

978-3-14-100384-0 | Seite 26 | Abb. 1
Bitterfeld-Wolfen | Landschaftswandel | Bitterfeld-Wolfen - Räume im Wandel | Karte 26/1

1935

Ende des 19. Jahrhunderts wurden große Firmen auf Bitterfeld aufmerksam. Die AEG Berlin gründete 1893 die Elektrochemischen Werke GmbH Bitterfeld, denen noch im gleichen Jahr die Chemische Fabrik Griesheim (ebenfalls Elektrochemie) folgte. Hiermit war der Grundstein für Bitterfeld als bedeutendster Ort der europäischen Chlorchemie gelegt. Hauptgrund für die Ansiedlung waren die Kohlevorkommen der Gegend, die zur Herstellung von elektrischer Energie genutzt wurden. 1935 gab es besonders im Westen und Südwesten von Bitterfeld sehr viele Gruben, in denen Braunkohle abgebaut wurde. Es handelte sich hier um ein größeres Gebiet, in dem die Gruben dicht an dicht lagen. 13,3 Prozent der Fläche der Region wurde für den Tagebau genutzt (siehe 27.3 „Den Wandel von Räumen mit Diagrammen untersuchen“). Die AGFA Berlin gründete im Jahr 1895 eine Farbenfabrik und errichtete die Filmfabrik Wolfen im Jahr 1909. Auf der Basis der Grundchemikalien Chlor, Natronlauge und Wasserstoff entwickelten sich weitere neue Produktionslinien. Es kam zur Herstellung von Phosphor sowie Phosphorverbindungen, diverser Farbstoffe, Pflanzenschutzmittel und Kunststoffe. Bitterfeld wurde ein Standort mit innovativen Leistungen. Bereits 1913 wurde hier der Kunststoff PVC erfunden. Die chemische Industrie expandierte enorm und gewann während des Ersten Weltkriegs zusätzlich an Bedeutung. Deutschlands Kriegswirtschaft war gezwungen, sich über die chemische Industrie Ersatzprodukte für Rohstoffe zu beschaffen. So wurde in Bitterfeld 1915 eine der größten Aluminiumhütten errichtet. Auch der Braunkohlentagebau erweiterte sich zusehends, was die Umwelt sehr in Mitleidenschaft zog. Im Jahr 1925 bildete sich die I. G. Farbenindustrie AG. Dadurch wurde Bitterfeld Sitz der I. G. Farben Betriebsgemeinschaft Mitteldeutschland. In den Folgejahren kamen die Braunkohlengruben in den Besitz der I. G. Farben. Durch Nachchlorierung gelang es 1934, die weltweit erste synthetische Faser (PC-Faser) herzustellen. Bitterfeld war ein modernes Industriezentrum.

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