Bevölkerungsentwicklung und Pendlerströme

Südtirol – Bevölkerung/Raumstruktur

978-3-14-100782-4 | Seite 25 | Abb. 3
Bevölkerungsentwicklung und Pendlerströme |  | Südtirol – Bevölkerung/Raumstruktur | Karte 25/3

Informationen

Die Bevölkerung Südtirols wächst, wird aber älter. Das Landesinstitut für Statistik rechnete in seiner Bevölkerungsprognose vom Juni 2014 mit rund 565 000 Einwohnern im Jahr 2030, knapp 9 % mehr als heute. Der Zuwachs ab 2020 wird jedoch ausschließlich auf den positiven Wanderungssaldo zurückzuführen sein, d. h., im Durchschnitt übersteigen dann die Sterbefälle die Zahl der Geburten. 2030 wird jeder dritte Südtiroler älter als 60 Jahre sein.

Geburten und Wanderung
Die Grafik „Bevölkerungsentwicklung 2007–2012“ zeichnet ein differenziertes Bild der Einwohnerzahlen in den Bezirksgemeinschaften und der Landeshauptstadt. Zwar ist der größte Teil des Bevölkerungswachstums dem positiven Wanderungssaldo zu verdanken. In den Bezirksgemeinschaften Saltern-Schlern und Pustertal hat der Geburtenüberschuss allerdings einen größeren Anteil am Bevölkerungswachstum als die Migration; in Eisacktal haben beide etwa dasselbe Gewicht. In Überetsch-Südtiroler Unterland und Wipptal macht der Geburtensaldo ein Drittel des Wachstums aus. Im Vinschgau überwiegt die Abwanderung; der im Vergleich geringste Einwohnerzuwachs ist allein dem Geburtenüberschuss zu verdanken.
Ganz anders Bozen: Als einzige große Gebietskörperschaft weist sie einen negativen Geburtensaldo auf. Angesichts der starken Zuwanderung fällt er aber nicht ins Gewicht. Die beiden Gebietseinheiten mit den meisten Einwohnern, Bozen (103 000) und Burggrafenamt (99 000), haben in absoluten Zahlen den stärksten Bevölkerungszuwachs. Den im Verhältnis zur Einwohnerzahl geringsten Zuwachs verzeichnen die Bezirksgemeinschaften mit einem überproportional großen Gewicht des Geburtenüberschusses am Bevölkerungszuwachs, denn die Geburtenraten sind dort stärker als im Durchschnitt gesunken.

Gewinn und Verlust
Die Karte zeigt die Bevölkerungsentwicklung in den Gemeinden Südtirols über drei Jahrzehnte. Die Gemeinden mit rückläufiger bzw. stagnierender Einwohnerzahl sind deutlich in der Minderheit. Sie befinden sich überwiegend in Randgebieten bzw. hohen Tallagen, besonders im Westen (Vinschgau, Burggrafenamt). Zu den größten Verlierern (Verluste von mehr als 10 %) gehören auch Gemeinden in den Bezirksgemeinschaften Wipptal (Brenner, Franzensfeste), Pustertal (Prettau im Tauferer Ahrntal) und im Südtiroler Unterland (Altrei). Gewinner mit einem Zuwachs von mehr als 30 % sind meist Gemeinden entlang der Haupttäler: besonders an der mittleren Etsch bzw. um Meran und Bozen, in Überetsch und im Einzugsgebiet von Brixen und Bruneck. Auch einzelne verkehrsgünstig gelegene Gemeinden abseits der Städte weisen einen solchen Zuwachs auf, etwa im Vinschgau und Gadertal (Abtei).
Das Wachstum in den drei größten Städten selbst ist meist niedriger als in deren Umland. Die Landeshauptstadt hat sogar Einwohner verloren. Die Ursachen: Abwanderung an die Peripherie – alle angrenzenden Gemeinden verzeichnen Bevölkerungsgewinne – und ein Geburtendefizit in jüngster Zeit. Dennoch hat sich laut Landesstatistik die Geburtenrate in Bozen seit 1980 stabilisiert, in absoluten Zahlen ist die Bevölkerung zwischen den Jahren 2001 und 2010 sogar gewachsen.

Pendler
Hauptziele der Berufspendler sind die Wirtschaftszentren. Bozen verzeichnet die stärksten Ströme aus allen Richtungen. Herkunftsgebiete sind sowohl die angrenzenden Gemeinden als auch das fernere Umland. Das gilt in geringerem Maße auch für Meran, Brixen und Bruneck. Besonders starke Pendlerströme empfängt Bozen aber nicht aus dem ländlichen Umland, sondern aus den Nachbarstädten Meran, Lana, Leifers und Eppan. Auch aus dem 40 km entfernten Brixen kommen täglich 500–1000 Personen.
Kleinere Pendlerbewegungen sind über die Provinz verteilt. Zielorte sind z. B. Sterzing und Sand in Taufers im Norden sowie Schlanders im Westen. Den einzigen Pendleraustausch gibt es zwischen den nah beieinander liegenden Städten Meran und Lana.

Henning Aubel