Bevölkerungsentwicklung (1990-2001)

Bevölkerung

978-3-14-100761-9 | Seite 11 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 2.000.000
Bevölkerungsentwicklung (1990-2001) |  | Bevölkerung | Karte 11/4

Informationen

Mit Deutschlands Wiedervereinigung setzte eine Bevölkerungsveränderung ein, die besonders die neuen Bundesländer in Zukunft vor große Herausforderungen stellen wird. So verloren Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen allein von 1990 bis Ende 2003 zusammen 8,9 % ihrer Bevölkerung. Mit 14,9 % weniger Bevölkerung belegte Sachsen-Anhalt den schlechtesten Platz. Dagegen stieg die Bevölkerungszahl in den alten Bundesländern im selben Zeitraum um 8,4 %.
Das Jahr 2003 gilt als wichtiger Wendepunkt der demographischen Entwicklung in Deutschland, denn seitdem kann die Zahl der Zuwanderer die Abnahme bei der seit 1972 negativen natürlichen Bevölkerungsentwicklung nicht mehr ausgleichen.

Die Situation in Sachsen-Anhalt
Die Volkszählung von 1964 ergab für das Gebiet des heutigen Bundeslandes Sachsen-Anhalt eine Bevölkerung von 3,23 Mio. Seitdem ist die Zahl kontinuierlich nach unten gegangen. 1990 lag sie bei 2,89 Mio., Mitte 2008 bei nur noch 2,40 Mio. Dies ist zum einen einer rückläufigen Geburtenrate, zum anderen den Wanderungsbewegungen geschuldet. 1991 standen fast 30 000 Zuzügen deutlich über 61 000 Fortzüge gegenüber. Im ersten Halbjahr lagen die Zahlen noch bei knapp über 15 000 Einwanderern und mehr als 22 000 Auswanderern.
Die Karte verzeichnet die größten prozentualen Verluste bei den drei kreisfreien Städten Magdeburg, Dessau-Roßlau und Halle. So lebten Ende 1990 noch 281 000 Menschen in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt, deren Bevölkerung 2008 auf 230 000 zurückgegangen war. In Halle lebten zu den selben Zeitpunkten 274 000 und 233 000 Einwohner. Das kleinere, erst 2007 durch die Kreisreform entstandene Dessau-Roßlau schrumpfte von 114 000 auf 89 000 Menschen.
Auf Ebene der Landkreise gab es ebenfalls nur negative Entwicklungen. Die Karte weist jedoch zwei Gebiete aus, die eine Zunahme der Bevölkerung verzeichnen konnten: der Norden des Landkreises Börde nordwestlich von Magdeburg und der Norden des Saalekreises rund um Halle. Insgesamt gesehen gingen in beiden Kreisen die Bevölkerungszahlen 1990—2008 zwar um jeweils über 7000 Menschen zurück. Die Umzüge aus den Kernstädten von Magdeburg und Halle in den suburbanen Raum wirkten in den genannten Teilen jedoch ausgleichend. Das gleiche Phänomen einer solchen Suburbanisierung ist auf der Karten auch rund um Wolfsburg und Braunschweig (Niedersachsen), Jena (Thüringen), Leipzig (Sachsen), Potsdam (Brandenburg) und Berlin zu beobachten.

Prognose
Für 2025 wird erwartet, dass Sachsen-Anhalts Bevölkerung seit 2008 um 20 % oder mehr als 490 000 Personen zurückgehen wird. Dafür verantwortlich wird zu über 80 % das Geburtendefizit sein, denn die Wanderungsverluste werden als kontinuierlich abnehmend angenommen — 2025 sollen sie sogar zum Stillstand gekommen sein.
Das Bild in den kreisfreien Städten und den Landkreisen wird ähnlich differenziert wie heute sein. Die prognostizierten Zahlen bewegen sich zwischen dem geringsten Rückgang von 9,1 % (Magdeburg) und dem höchsten Wert von 29,3 % (Mansfeld-Südharz).
In einer Studie aus dem Jahr 2008 bezeichnet das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung die Gesamtheit Ostdeutschlands als "demographisches Notstandsgebiet des europäischen Kontinents". Bewertet wurde die Entwicklung bis 2030 in 285 Regionen Europas. Dabei befanden sich mit Sachsen-Anhalt, Chemnitz und Thüringen gleich drei ostdeutsche Regionen unter den zehn Regionen, die die stärksten Bevölkerungsverluste zu tragen haben.
D. Falk

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