Bevölkerungsentwicklung

Deutschland in der Europäischen Union

100750 | Seite 59 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 36.000.000
Bevölkerungsentwicklung |  | Deutschland in der Europäischen Union | Karte 59/3

Informationen

Die regionale Bevölkerungsdichte wird im Wesentlichen durch zwei Faktoren bestimmt: durch die natürliche Bevölkerungsentwicklung infolge von Geburten und Sterbefällen und durch interregionale Wanderungen. Während die natürliche Bevölkerungsentwicklung vom generativen Verhalten, der Lebenserwartung und der Altersstruktur abhängt, sind für die interregionalen Migrationsbewegungen vor allem wirtschaftliche und politische Faktoren wie die Beschäftigungssituation und die allgemeinen Lebensbedingungen in den jeweiligen Regionen ausschlaggebend. Informationen über die Bevölkerungsentwicklung einer Region werden unter anderem für Prognosen über den Infrastrukturbedarf, die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt oder die Verfügbarkeit der produzierten Waren und angebotenen Dienstleistungen benötigt.
In der EU hat sich das natürliche Bevölkerungswachstum verlangsamt. Zwar sind die Sterberaten weitgehend konstant geblieben, die Geburtenraten sind jedoch stetig zurückgegangen. Dieser Wandel des generativen Verhaltens hat seine Ursache in einer Vielzahl gesellschaftlicher Veränderungen und vollzieht sich kontinuierlich über einen längeren Zeitraum hinweg. Dagegen verlaufen die Wanderungsströme — ganz besonders in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Entwicklung in den potenziellen Zuwanderungsregionen — zeitlich instabil. So gab es beispielsweise über lange Zeit großräumige Migrationsbewegungen von den strukturschwachen Agrarregionen an der südlichen und westlichen Peripherie Europas, die zum Teil ein besonders hohes natürliches Bevölkerungswachstum aufwiesen, in die wohlhabenden Industrie- und Dienstleistungsregionen. Solche Migrationsmuster können sich allerdings rasch ändern, wenn sich in wirtschaftlichen Stagnationsphasen die Wanderungsbewegungen umkehren und die traditionellen Abwanderungsgebiete zu Rückwanderungsregionen werden. Neue Zuwanderungsländer sind seit einigen Jahren die südeuropäischen Staaten, die Arbeitsmigranten aus außereuropäischen Regionen, aber auch aus den Transformationsländern Ost- und Ostmitteleuropas anziehen. Aufgrund der Diskontinuität dieser Wanderungsbewegungen sind die Darstellungen regionaler Wanderungssalden immer nur Momentaufnahmen.
Neben der zwischenstaatlichen Migration gibt es Austauschbeziehungen innerhalb der einzelnen Länder. Abwanderungsverluste verzeichnen derzeit einige traditionelle Industrieregionen, aber auch besonders strukturschwache Regionen wie die neuen Bundesländer. Eine hohe Attraktivität als Zielgebiete haben in fast allen Teilen Europas die jeweiligen Landeshauptstädte und Regionen mit steigender Wirtschaftskraft.
Im Unterschied zu den Wanderungsbewegungen gibt es bei der natürlichen Bevölkerungsentwicklung innerhalb der einzelnen Staaten nur geringe regionale Unterschiede, die zumeist auf Besonderheiten der Altersstruktur — etwa infolge altersspezifischer Migrationen — oder, wie in Deutschland, auf einen gesellschaftlichen Wertewandel zurückzuführen sind. Diese Unterschiede fallen hingegen zwischen den einzelnen Staaten erheblich deutlicher aus.
H. Müller, F.-J. Kemper

Graphiken

Bild

Nettowanderung zwischen Ländergruppen innerhalb Deutschlands und Nettowanderung zwischen Deutschland und dem Ausland (Auswahl) von 1999 bis 2003 (Angaben in 1000)

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