Bevölkerungsdynamik - Außenwanderungssaldo

Italien – Wirtschaft und Bevölkerung

978-3-14-100782-4 | Seite 57 | Abb. 5
Bevölkerungsdynamik | Außenwanderungssaldo | Italien – Wirtschaft und Bevölkerung | Karte 57/5

Informationen


In der Europäischen Union (EU) gibt es für jeden Mitgliedsstaat eine räumliche Klassifizierung nach Regionen (NUTS, Nomenclature des unités territoriales statistiques), für die statistische Aussagen getroffen werden. In der Karte sind die Daten auf Basis der NUTS-2-Ebene der Regionen dargestellt, die wiederum zu fünf Gruppen von Regionen (NUTS-1-Ebene) zusammengefasst werden: Nordwesten, Nordosten, Zentrum, Süden sowie die Inseln Sardinien und Sizilien. In einem Detail unterscheidet sich die Grenzziehung der Karte von der EU-Einteilung. Hier gehört die Lombardei zum Nordosten, bei der EU zum Nordwesten.

Vom Auswanderer- zum Einwandererland
In der Folge der Gründung des italienischen Staates 1861 kam es für rund ein Jahrhundert zu massiven Abwanderungen ins Ausland. Vor allem im Süden stieg die Bevölkerungszahl so rasch an, dass die ohnehin ärmlichen Regionen die Menschen nicht mehr ernähren konnten. Neben der Binnenwanderung Richtung Norden gewann deshalb schnell die Emigration ins Ausland an Bedeutung. Von 1876 bis 1914 wurden rund 14 Mio. Italiener registriert, die ihr Heimatland verließen. Ein Großteil von ihnen steuerte die USA an. In Übersee begehrt waren außerdem Argentinien, Brasilien und Australien. Bei den Nachbarstaaten standen Österreich-Ungarn, die Schweiz, Frankreich und das Deutsche Reich als Zielregionen auf den ersten Rängen.
In der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen verließen weitere 4 Mio. Menschen Italien. Durch den allgemeinen Wirtschaftsaufschwung nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich das Migrationsverhalten und die Zielgebiete. Zum einen wurden mit einigen Staaten Migrationsabkommen geschlossen. Das mit Deutschland etwa stammte von 1955. Zum anderen gewann wieder die Binnenwanderung nach Norditalien an Bedeutung. Dennoch verließen zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und Mitte der 1970er-Jahre mehr als 7 Mio. Italiener das Land. Viele von ihnen sahen sich selbst als „Gastarbeiter“, die nach einiger Zeit im Ausland zurückkehren wollten. Tatsächlich setzte rund die Hälfte dieser letzten Auswandererwelle diesen Plan in die Tat um.
Neueste Entwicklungen
Da ab 1970 auch Italien vom Wirtschaftsaufschwung profitieren konnte und zu einer der weltweit erfolgreichsten Wirtschaftsnationen aufstieg, wandelte es sich vom Auswanderer- zum Einwandererland. Zu den ersten Immigranten dieser Zeit gehörten Nordafrikaner, die als billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft eingesetzt wurden. In den 1990er-Jahren kamen Einwanderer aus den ehemals sozialistischen Ländern Südost-, Ostmittel- und Osteuropas hinzu, namentlich aus Albanien und Rumänien.
2012 lebten in Italien 4,8 Mio. Ausländer, was einen Anteil von 7,6% an der Gesamtbevölkerung bedeutete. Damit gehört es in die Gruppe der EU-Mitglieder, deren Ausländeranteil zwischen 5 und 10 % liegt, wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Für ganz Italien lag der Wanderungssaldo zwischen den Jahren 2000 bis 2012 bei knapp über 60 Personen pro 1000 Einwohnern. Fast zwei Drittel der Einwanderer leben im Norden, ein Viertel lebt im Zentrum und nur rund 14 % im Süden. Diese Verteilung entspricht dem Nord-Süd-Gefälle des Landes und ist auf der Karte gut abzulesen.

Dietmar Falk