Bevölkerung

Mittel- und Südamerika – Bevölkerung/Staaten

978-3-14-100782-4 | Seite 164 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 65.000.000
Bevölkerung |  | Mittel- und Südamerika – Bevölkerung/Staaten | Karte 164/4

Informationen

Der Anteil der Bevölkerung Lateinamerikas an der Weltbevölkerung wuchs in den vergangenen Jahrzehnten stark an. Er erhöhte sich von 3,8 Prozent im Jahre 1900 auf 8,6 Prozent im Jahre 2004; vermutlich werden es 2050 etwa 8,4 Prozent sein. In den Jahren zwischen 2007 und 2050 wird die Bevölkerung Lateinamerikas voraussichtlich um 215 Mio. Menschen zunehmen. Die jährliche Wachstumsrate lag 2007 bei durchschnittlich 1,5 Prozent, und damit deutlich unter der Wachstumsrate Afrikas (2,4 Prozent), aber geringfügig über derjenigen Asiens (1,2 Prozent). Rund ein Drittel der lateinamerikanischen Bevölkerung lebt in Brasilien, dem hinsichtlich seiner Einwohnerzahl fünftgrößten Land der Welt.

Verstädterung
Stärker als die Bevölkerung insgesamt wächst der Anteil der Stadtbevölkerung; im Jahr 2007 lag er bei 76 Prozent. Die durchschnittliche jährliche Zuwachsrate hatte zwischen 1995 und 2000 ein Niveau von 2,3 Prozent. In zahlreichen Staaten lebt ein großer Teil der Bevölkerung in wenigen Großstädten, vor allem in der Hauptstadt. Diese Tendenz wird als Metropolisierung bezeichnet.
Die Tendenz zur Verstädterung setzte in Lateinamerika erst zwischen Mitte der 1930er-Jahre und dem Ende des Zweiten Weltkriegs ein und ist stärker ausgeprägt als in Asien und Afrika. Sie unterscheidet sich auch in den einzelnen lateinamerikanischen Staaten. Zu den wichtigsten Gegenmaßnahmen der betroffenen Regierungen zählen die Entwicklung der Landwirtschaft durch Landreform und Dorferschließung, die gezielte Industrialisierung der Provinz zur Schaffung von Arbeitsplätzen und der Ausbau der Klein- und Mittelstädte.

Bevölkerungsdichte
Die demographische Entwicklung ist abhängig von den Geburten- und Sterberaten, der Kindersterblichkeit und der durchschnittlichen Lebenserwartung. Während die Geburtenraten in Lateinamerika bislang nur relativ langsam rückläufig sind, ging die Sterbeziffer deutlich schneller zurück, vor allem dank wichtiger medizinischer Erfolge. Zum Vergleich einige Daten: In der Periode von 1990 bis 1995 lag die Geburtenrate in Lateinamerika bei 2,7 Prozent (weltweit 2,5 Prozent, Europa 1,3 Prozent); die Sterberate bei 0,7 Prozent (weltweit 0,9 Prozent, Europa 1,0 Prozent); die Kindersterblichkeit auf 1000 Geburten bei 52 (weltweit 63, Europa 11) und die Lebenserwartung bei 68 Jahren (weltweit 67, Europa 75).
Ein deutliches Merkmal der Bevölkerungsverteilung ist die Bevorzugung von Küstensäumen, günstigen Hochgebirgslagen — etwa den Hochtälern von Mexiko und Bogota — und verkehrsgünstig gelegenen Räumen, beispielsweise entlang des Amazonas und seiner Nebenflüsse. Des Weiteren zeigen sich höhere Bevölkerungsdichten in agrarischen Gunsträumen wie dem Norden Argentiniens.
In Gebieten mit ungünstigen Bedingungen kann auch eine geringe absolute Dichte einen starken Bevölkerungsdruck auslösen, der durch Zuwanderung verstärkt werden kann.
G. Kettermann

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Städtische Expansion im 20. Jahrhundert im Großraum Sao Paulo

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