Betriebsgrößenstruktur in der Landwirtschaft

Deutschland - Landwirtschaft

978-3-14-100700-8 | Seite 55 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 6.000.000
Betriebsgrößenstruktur in der Landwirtschaft |  | Deutschland - Landwirtschaft | Karte 55/4

Informationen

Gab es in Deutschland 1999 noch rund 430 000 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Flächenausstattung von mindestens zwei Hektar, waren es 2005 nur noch 366 000. Der langjährige Rückgang der Betriebszahlen setzte sich damit weiter fort; zwischen 2003 und 2005 lag die jährliche Abnahmerate bundesweit bei 2,8 Prozent. Von den 366 000 noch existierenden Betrieben wirtschafteten mehr als 343 000 im früheren Bundesgebiet (93,7 Prozent) und nur knapp 23 000 in den neuen Ländern. Die Wachstumsschwelle, die in den 1980er-Jahren im früheren Bundesgebiet noch bei unter 50 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche lag, erhöhte sich zwischen 1990 und 2005 auf deutlich über 50 Hektar. Tendenziell ist es so, dass die prozentualen Verluste umso größer sind, je kleiner die Betriebe sind: Zwischen 2005 und 2006 büßten Betriebe von 2 bis 50 Hektar durchschnittlich 4,2 Prozent ihrer landwirtschaftlich genutzten Flächen ein, während Betriebe von 100 bis 200 Hektar mit einem Plus von 1,5 Prozent und Großbetriebe von 200 bis 500 Hektar mit einem Flächenzuwachs von 3,6 Prozent deutlich zulegen konnten.

Ost-West-Unterschiede
Auf der Karte ist gut zu erkennen, dass es hinsichtlich der Betriebsgrößenstruktur in den alten und neuen Bundesländern erhebliche Unterschiede gibt. Im früheren Bundesgebiet ist die Zahl der Betriebe seit vielen Jahren rückläufig, gleichzeitig stieg die durchschnittliche Betriebsgröße — trotz leicht rückläufiger Gesamtfläche — in moderatem Umfang an. In den neuen Ländern stellt sich die Situation ganz anders dar: Hier wurden nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten aus den rund 4500 landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), die entweder auf Pflanzenbau oder auf Tierhaltung spezialisiert waren und im Vergleich zu Betrieben im Westen sehr groß waren — eine LPG-Pflanzenproduktion bewirtschaftete durchschnittlich 5000 Hektar —, im Zuge der grundlegenden Umstrukturierung zunächst zahlreiche Betriebe neu oder wieder gegründet. Während die Zahl der Betriebe von 1991 bis 1995 in Westdeutschland deutlich zurückging, legte sie in Ostdeutschland zunächst kräftig, und von 1995 bis 1998 noch immerhin leicht zu. Dieser Aufwärtstrend endete 1999, als erstmals mehr Betriebe die Bewirtschaftung einstellten als neue gegründet wurden.

Betriebsgrößenstruktur und Erbrecht
Nicht nur zwischen den alten und neuen Ländern, sondern auch innerhalb des früheren Bundesgebietes und der neuen Ländern variieren die Betriebe hinsichtlich ihrer Größe erheblich. Während die durchschnittliche Flächenausstattung der Betriebe in Bundesländern wie Baden-Württemberg, Bayern und Rheinland-Pfalz unter oder allenfalls knapp über 25 Hektar lag, war sie in Schleswig-Holstein (54 Hektar) und Niedersachsen (46 Hektar) teilweise mehr als doppelt so hoch. Diese regionalen Unterschiede haben weniger naturgegebene als vielmehr agrarhistorische Gründe. In Westdeutschland wirken sich zwei Vererbungsformen, die Realteilung und die Anerbensitte, bis heute stark auf die Betriebsgrößen aus. Realteilung bedeutet freie Teilung des Bodens unter Erbberechtigten und führt tendenziell zu Flurzersplitterung und einem höheren Anteil an Nebenerwerbsbetrieben. Anerbensitte bedeutet, dass nur einer der Erben den Hof bekommt und wirtschaftlich untragbare Belastungen durch Abfindungsansprüche weichender Erben vermieden werden. Mit dieser Privilegierung des Hoferben soll einer Zersplitterung des Betriebes mit der Folge unwirtschaftlich kleiner Betriebseinheiten vorgebeugt werden.
B. Forstner

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Flächennutzung in Deutschland 2006

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