Berliner Urstromtal - Besiedlung

Brandenburg und Berlin - Landschaftsentwicklung

978-3-14-100380-2 | Seite 27 | Abb. 2
Berliner Urstromtal | Besiedlung | Brandenburg und Berlin - Landschaftsentwicklung | Karte 27/2

Überblick

Ein Urstromtal ist ein Tal in Nordmitteleuropa, das von Schmelzwässern während der Eiszeiten genutzt wurde. Die Urstromtäler führten die Schmelzwasser nach Nordwesten in Richtung Nordsee. Die Urstromtäler werden zwar von den heutigen Strömen und Flüssen benutzt, die jedoch diese Täler nicht ausfüllen.

Wanderungsbewegungen im Urstromtal

Die ersten Zeugnisse menschlicher Kultur im Berliner Raum lassen sich bis in die Steinzeit zurückdatieren. Dann folgt eine große Zeitspanne, über die man bisher wenig weiß und in der die Germanen das Gebiet besiedelt hatten. Große Teile von ihnen verließen das Spree-Havel-Gebiet. Im 6./7. Jahrhundert wanderten slawische Gruppen ein. Zwei slawische Stämme siedelten im heutigen Berliner Raum, allerdings nicht auf dem späteren Berlin-Cöllner Areal.

Der hochmittelalterliche Landesausbau

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wuchs die Bevölkerung Mitteleuropas stark an, und es wurde notwendig und profitabel, neue landwirtschaftliche Anbauflächen zu erschließen. Ackerboden gewann an Wert, und das von den slavischen Heiden besiedelte Land bot sich für den „Landesausbau“ an, da man dort nicht die lästigen Besitzansprüche der bisherigen Bewohner berücksichtigen musste. Die Siedlungsstruktur veränderte sich massiv. Es kam verstärkt zur Vermessung des Landes und zum Übergang von Vieh- und Agrarwirtschaft zu Getreideanbau. Gleichzeitig spannte sich das Verbindungsnetz der Straßen und Wege immer enger; es entwickelten sich ganze Siedlungsräume. Doch auch die kulturlandschaftlichen Veränderungen des Landesausbaus waren immens. Im Laufe des 11. Jahrhunderts nahmen die Rodungen immer größere Ausmaße an und bewirkten eine beträchtliche Ausweitung des bestehenden Kulturlandes. Die großen Fluss- und Talauen, ausgedehnte Sumpfgebiete sowie sandige Böden, die schwer zu bearbeiten waren und wenig Ertrag versprachen, wurden vielfach zum ersten Mal bestellt. Auch die Initiative der Landes- und Grundherren war für die größtenteils friedlich verlaufende Siedlungsbewegung von zentraler Bedeutung. Die Landes- und Grundherren waren motiviert durch die Ausweitung ihrer Herrschaftsräume und die Steigerung ihrer Erträge. So entstanden Ende des 12. Jahrhunderts auf zwei von Nebenarmen der Spree umflossenen Inseln Berlin im Nordosten und Cölln im Südwesten. Zuvor hatte sich dort wahrscheinlich bereits eine Kaufmannssiedlung befunden. Die Lage versprach einige Vorteile: Beide Siedlungen waren durch die Insellage naturräumlich gut geschützt. Sie lagen am Übergang von Fernstraßen über die Spree zwischen den Hochflächen des Barnim und Teltow.