Berlin - Innenstadt 1932 / um 1980 / 2007

Berlin

978-3-14-100700-8 | Seite 35 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 50.000
Berlin | Innenstadt 1932 / um 1980 / 2007 | Berlin | Karte 35/4

Überblick


Die Zeitreihenkarte zeigt die räumliche Veränderung der Berliner Innenstadtbezirke zwischen den Jahren 1932 und 2007 am Beispiel der beiden traditionellen Stadtzentren: dem alten Stadtkern von Ostberlin und der City West in Charlottenburg. Die räumlichen Veränderungen verdeutlichen auch die Veränderungen politischer, kultureller und wirtschaftlicher Systeme.

Geschichte
Im Jahr 1871 wurde Berlin die Hauptstadt des deutschen Kaiserreichs. Die wichtigen Regierungsgebäude lagen am westlichen Rand des alten Stadtkerns. Im 2. Weltkrieg wurden diese Gebäude zum Teil zerstört, andere von der DDR Regierung nach der deutsch-deutschen Teilung weiter genutzt.
Der politische Umbruch in der DDR führte letztlich nicht nur zur Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland, sondern auch von Berlin. Seit 1991 hat der deutsche Bundestag dort seinen Sitz. Berlin ist somit Bundeshauptstadt.
Durch die Verlegung des deutschen Bundestages von Bonn nach Berlin stellte man zeitgleich die Weichen für eine künftige Entwicklung der Stadt. Im alten Stadtkern ist ein neues Regierungszentrum aus neuen und alten Regierungsgebäuden entstanden.

Wirtschaft und Verkehr
Das alte Stadtzentrum in Berlin Mitte war bis 1945 ein Banken- und Zeitungsviertel sowie ein Geschäftszentrum. Seit der deutschen Wiedervereinigung haben sich dort vor allem viele Dienstleister angesiedelt.
Die traditionelle Verkehrsinfrastruktur war 1945 zum großen Teil durch den Krieg zerstört und wurde 1961 durch die Teilung der Stadt unterbrochen (Streckenstilllegung, Abbau von Anlagen). Seit der Wiedervereinigung sind die Lücken vor allem im Bereich der ehemaligen Stadtgrenzen geschlossen worden.
Kernstücke der heutigen Verkehrsinfrastruktur sind der neue Hauptbahnhof auf dem Gelände des früheren Lehrter Stadtbahnhofs sowie der Großflughafen Berlin Brandenburg International, der sich noch im Ausbau befindet.

Ost-West-Unterschiede
Die nach dem Krieg stark zerstörte Innenstadt von Ostberlin wurde zwischen 1945 und 1989 nach den Vorgaben des sozialistischen Städtebaus umgestaltet. Das Stadtbild war durch einen Mix von Regierungsgebäuden und Wohnbauten geprägt. Das Geschäftszentrum wurde an den Alexanderplatz und in die Karl-Marx-Allee verlagert.
Der westliche Teil der Berliner Innenstadt wuchs nach der Teilung in Richtung des Kurfürstendamms, verbunden mit einem Funktionswandel in den bürgerlichen Altbauvierteln Charlottenburgs. Einen neuen Schwerpunkt bildeten hier Geschäfte für den gehobenen Einzelhandel, Unterhaltungsstätten und Dienstleistungen. Die Nutzung als Wohnviertel war dagegen rückläufig.
In den 1980er Jahren änderten sich die städtebaulichen Vorstellungen. Innenstadtsanierungen und großzügige innerstädtische Neubauten gewannen in Berlin-West an Bedeutung. Ost-West-Gemeinsamkeiten
Obwohl die stadtplanerischen Entscheidungen in Berlin-Ost aufgrund der Verfügbarkeit des Umlandes vor einem ganz anderen Hintergrund getroffen wurden, sind die stadträumlichen Entwicklungen in beiden Teilen der Stadt sehr ähnlich.
Die Großwohnanlagen am Stadtrand, die neuen Industriegebiete entlang vorhandener Entwicklungsachsen, Altbausanierungen und Neubauten in der Innenstadt verdeutlichen diese Gemeinsamkeiten.

M. Felsch, J. Seibel

Info Plus

Die Zeitreihenkarte zeigt die Veränderungen der Berliner lnnenstadtbezirke am Beispiel der beiden traditionellen Stadtzentren — dem alten Stadtkern von Ostberlin und der City West in Charlottenburg — und dem seit 1990 neu entstandenen Zentrum am Potsdamer Platz. Sichtbar werden dabei die städtebaulichen Folgen gesellschaftlich-politischer Systeme ebenso wie die Neuordnungen des Verkehrssystems und die Spuren des wirtschaftlichen und kulturellen Wandels.

Politik und Gesellschaft
1871 wurde Berlin Hauptstadt des Deutschen Kaiserreiches, später war es Hauptstadt der Weimarer Republik. Die Regierungsgebäude konzentrierten sich am Westrand des alten Stadtkerns. Einige dieser Gebäude, etwa die Reichskanzlei, wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört, andere wurden von der DDR-Regierung weiter genutzt (wie das Haus der Ministerien) oder waren nach der deutschen Teilung repräsentativen Zwecken vorbehalten (Reichstag). Das politische Zentrum von Ostberlin verlagerte sich in die Mitte des alten Stadtkerns (Spreeinsel).
Der politische Umbruch in der DDR führte am 9. November 1989 zunächst zur Öffnung der Mauer und wenig später, am 3. Oktober 1990, zur Wiedervereinigung Deutschlands und beider Stadthälften. Am 20. Juni 1991 beschloss der Deutsche Bundestag nach langen Kontroversen die Verlegung seines Sitzes nach Berlin und stellte damit die Weichen für die künftige Entwicklung der Stadt. Im Laufe der folgenden zehn Jahre wurde die volle Funktionsfähigkeit Berlins als Parlaments- und Regierungssitz erreicht. In dieser Periode wurde im alten Stadtkern ein neues Regierungszentrum aus Neubauten und alten Regierungsbauten der DDR aufgebaut.

Wirtschaft und Verkehr
Das alte Stadtzentrum in Berlin Mitte war bis 1945 ein Banken- und Zeitungsviertel und — ebenso wie die City-West — ein Geschäftszentrum. Nach den unterschiedlichen Entwicklungen während der Teilung der Stadt (s. u.) hat seit 1990 eine konkurrierende Entwicklung eingesetzt, die vom Dienstleistungssektor bestimmt wird (v. a. Handel, Kultur, Unterhaltung, Ansiedlung von Niederlassungen und Institutionen) und zum Teil neue Stadtstrukturen hervorbringt.
Die traditionellen Verkehrsstrukturen waren 1945 zum großen Teil durch den Krieg zerstört (Bahnhöfe, Gleiskörper), andere wurden 1961 durch die Teilung der Stadt unterbrochen (Streckenstilllegung, Abbau von Anlagen). Nach 1961 wurden in beiden Stadtteilen voneinander weitgehend unabhängige Verkehrsstrukturen mit Fern-, U-, Straßenbahnen, Autobahnen und Flughäfen geschaffen. Seit 1990 wurden die Lücken vor allem im Bereich der ehemaligen Stadtgrenzen mit großem Aufwand wieder geschlossen. Kernstücke der Verkehrsinfrastruktur des heutigen Berlins sind der neue Hauptbahnhof auf dem Gelände des Lehrter Stadtbahnhofs sowie der gegenwärtig noch im Ausbau befindliche Großflughafen Berlin Brandenburg International.

Ost-West-Unterschiede
Die stark kriegszerstörte Innenstadt von Ostberlin wurde zwischen 1945 und 1989 nach Maßgaben des sozialistischen Städtebaus umgestaltet, Grundlage der Baumaßen war der Generalbebauungsplan von 1968. Bestimmt wurde das Stadtbild vor allem durch Partei und Regierung, Kultur und Bildung, zum Teil aber auch durch Wohnbauten; das Geschäftszentrum verlagerte sich an den Alexanderplatz und in die Karl-Marx-Allee. Erst in den 1980er-Jahren setzte mit dem Neuaufbau des Nikolaiviertels und der Errichtung von mehreren "Devisenhotels" eine stärkere Kommerzialisierung der City ein.
Der Citybereich von Berlin-West war traditionell vor allem Kultur-, Geschäfts- und Unterhaltungszentrum. Nach der Teilung der Stadt wuchs die City in Richtung des Kurfürstendamms, verbunden mit einem Funktionswandel in den bürgerlichen Altbauvierteln Charlottenburgs. Zum neuen Schwerpunkt wurden hier Geschäfte für den gehobenen Einzelhandel, Unterhaltungsstätten und Dienstleistungen, während die Nutzung als Wohnviertel rückläufig war. Mit dem weiträumigen Kulturforum entstand am östlichen Cityrand, in unmittelbarer Nähe großer Stadtbrachen, ein neues kulturelles Zentrum. Staatliche Einrichtungen und bestimmte Kulturstätten konzentrierten sich nicht in der City, sondern lagen über die gesamte Stadt verstreut (Senatsverwaltungen, Museen in Dahlem und Charlottenburg, Freie Universität).

Städtebauliche Entwicklung während der Teilung
Die Kriegszerstörungen und der Mauerbau waren für den Westteil der Stadt besondere Herausforderungen. Nach der Teilung 1961 orientierte sich die städtebauliche Entwicklung in Berlin-West nicht mehr, wie bislang, an den Verkehrsachsen der S-Bahn. Die neuen Industrie- und Wohngebiete entstanden vielmehr auf den noch freien Flächen zwischen den Trassen, einige Großwohnanlagen am "grünen" Stadtrand. Die kriegsbedingten Zerstörungen wurden als Chance gesehen, die Stadt umzugestalten — hin zu einer "aufgelockerten Stadtlandschaft". Dies wurde in einigen Teilen der Stadt (beispielsweise im Bereich Kulturforum, s. Karte) auch umgesetzt. Die Karte "um 1980" zeigt für die City-West die Ergebnisse der stadtplanerischen Zielsetzungen und Entscheidungen, die nach der Teilung der Stadt in den 1960er-Jahren festgeschrieben wurden.
In Berlin-West gelang es durch die Ansiedlung von Bundesbehörden und den Ausbau zu einer bedeutenden Messe- und Kongressstadt (Internationales Kongresszentrum ICC), den Verlust von Industriearbeitsplätzen teilweise zu kompensieren und durch eine spezielle Berlin-Förderung einen Teil der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe zu erhalten; teilweise gelangen auch Neuansiedlungen.
In den 1980er-Jahren änderten sich die städtebaulichen Vorstellungen im Wohnungsbau, da das ursprünglich prognostizierte Bevölkerungswachstum nicht eintrat. Es profilierten sich Innenstadtsanierung und anspruchsvoller innerstädtischer Neubau. Nach dem städteplanerischen Konzept der Internationalen Bauausstellung (IBA) von 1984 sollten vor allem die Altbaugebiete der Berliner Innenstadt als Wohngebiete zurückgewonnen werden.
Obwohl die stadtplanerischen Entscheidungen in Berlin-Ost aufgrund der Verfügbarkeit des Umlandes vor einem ganz anderen Hintergrund getroffen wurden, gleichen sich die stadträumlichen Entwicklungen in erheblichem Maße: kompakte Stadt, Großwohnanlagen am Stadtrand, neue Industriegebiete entlang vorhandener Entwicklungsachsen, Altbausanierung und Wohnneubauten in der Innenstadt. Nur die Nutzungsfelder sind in der Innenstadt von Ostberlin größer, da im sozialistischen Städtebau durch die Bodenneuordnung großflächiger gebaut werden konnte.
Ostberlin wurde zur führenden Industriestadt, war Hauptstadt der DDR und vereinigte ein Fünftel des gesamten wissenschaftlichen Potenzials der DDR auf sich. Aufgrund des überdurchschnittlichen Bevölkerungswachstums in der Stadt stand im Wohnungsbau die Schaffung von Wohnungen (Fertigbauweise) für ca. 700 000 Menschen im Vordergrund.
M. Felsch

Materialien zu dieser Karte

Arbeitsblätter

PDF-Datei

Berlin - links und rechts der Spree

Dieses Arbeitsblatt führt auf einer virtuellen Spreedampferfahrt zu den Sehenswürdigkeiten der Bundeshauptstadt Berlin. Ein Lückentext soll ergänzt werden, wofür eine Innenstadtkarte von Berlin (z.B. Diercke Weltatlas, Diercke Drei oder Heimat und Welt) zur Hilfe genommen werden kann.
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Graphiken

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Neuordnungskonzept eines Stadterneuerungsgebietes in Berlin

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