Berlin - City (westliche und östliche Innenstadt)

Deutschland - Hauptstadt Berlin

978-3-14-100870-8 | Seite 72 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 20.000
Berlin | City (westliche und östliche Innenstadt) | Deutschland - Hauptstadt Berlin | Karte 72/2

Überblick

Die Karte der Innenstadt von Berlin spiegelt die jüngere Geschichte der jahrzehntelang geteilten Stadt wider. Sie zeigt neben den beiden prägnanten Stadtzentren in West und Ost das ab 1990 entstandene neue Zentrum am Potsdamer Platz, die Standorte von Bundes- und Regierungsbehörden sowie ausländische Vertretungen und Landesbehörden, die sich seit der Verlegung von Hauptstadtfunktionen in Berlin angesiedelt haben. Ebenfalls dargestellt sind die wichtigsten Verkehrsverbindungen.

Stadtentwicklung während der Teilung

Die stark kriegszerstörte Innenstadt von Ost-Berlin wurde zwischen 1945 und 1989 nach Maßgaben des sozialistischen Städtebaus umgestaltet. Eine wichtige Grundlage der Baumaßnahmen war ab 1968 der Generalbebauungsplan. Bestimmt wurde das Stadtbild vor allem durch Partei und Regierung, Kultur und Bildung, aber auch durch Wohnbauten. Das Geschäftszentrum verlagerte sich an den Alexanderplatz und in die Karl-Marx-Allee. Erst in den 1980er-Jahren setzte mit dem Neuaufbau des Nikolaiviertels und der Errichtung von mehreren "Devisenhotels" eine stärkere Kommerzialisierung des Zentrums ein.

Der Citybereich von West-Berlin war traditionell Kultur-, Geschäfts- und Unterhaltungszentrum. Nach der Teilung wuchs die City in Richtung des Kurfürstendamms, verbunden mit einem Funktionswandel in den Altbauvierteln Charlottenburgs. Zum neuen Schwerpunkt wurden hier Geschäfte für den gehobenen Einzelhandel, Unterhaltungsstätten und Dienstleistungen, während die Wohnnutzung rückläufig war. Viele staatliche Institutionen, aber auch Kultur- und Bildungseinrichtungen lagen außerhalb der City über die Stadt verstreut (Senatsverwaltungen, Museen in Dahlem und Charlottenburg, Freie Universität).

Nach dem Mauerbau 1961 orientierte sich die städtebauliche Entwicklung in West-Berlin nicht mehr, wie bislang, an den Verkehrsachsen der S-Bahn. Die neuen Industrie- und Wohngebiete entstanden vielmehr auf den noch freien Flächen zwischen den Trassen, einige Großwohnanlagen am "grünen" Stadtrand. Die kriegsbedingten Zerstörungen wurden nun als Chance gesehen, die Stadt zu einer "aufgelockerten Stadtlandschaft" umzugestalten. Dieser Idee entsprang ab den 1960er-Jahren das Kulturforum (Philharmonie, Neue Nationalgalerie, Staatsbibliothek) nahe dem Potsdamer Platz. Durch die Ansiedlung von Bundesbehörden und den Ausbau zu einer bedeutenden Messe- und Kongressstadt (Internationales Kongresszentrum ICC) gelang es, den Verlust von Industriearbeitsplätzen teilweise auszugleichen, mittels einer speziellen Berlin-Förderung wurde auch ein Teil der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe erhalten.

In den 1980er-Jahren änderten sich die städtebaulichen Vorstellungen im Wohnungsbau, da das prognostizierte Bevölkerungswachstum nicht eintrat. Nach dem städteplanerischen Konzept der Internationalen Bauausstellung (IBA) von 1984 sollten vor allem die Altbaugebiete der Berliner Innenstadt als Wohngebiete zurückgewonnen werden. Zur Innenstadtsanierung gesellten sich anspruchsvolle innerstädtische Neubauten.

Obwohl die stadtplanerischen Entscheidungen in Ost-Berlin aufgrund der Verfügbarkeit des Umlandes vor einem ganz anderen Hintergrund getroffen wurden, glichen sich die stadträumlichen Entwicklungen in erheblichem Maße: kompakte Stadt, Großwohnanlagen am Stadtrand, neue Industriegebiete entlang der vorhandenen Entwicklungsachsen, Altbausanierung und Wohnneubauten in der Innenstadt. Die Nutzungsfelder waren in der Innenstadt von Ost-Berlin allerdings größer, da im sozialistischen Städtebau durch die Bodenneuordnung großflächiger geplant und gebaut werden konnte. Ost-Berlin entwickelte sich zur führenden Industriestadt, war Hauptstadt der DDR und vereinigte ein Fünftel des gesamten wissenschaftlichen Potenzials der DDR auf sich.

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Hauptstadtentwicklung ab 1990

Der politische Umbruch in der DDR führte am 9. November 1989 zur Öffnung der Mauer und zur Wiedervereinigung der Stadt. Am 20. Juni 1991 beschloss der Deutsche Bundestag die Verlegung seines Sitzes nach Berlin und stellte damit eine wichtige Weiche für die städtebauliche Entwicklung. In den folgenden Jahren setzte zwischen beiden Stadthälften eine konkurrierende Entwicklung ein, die vom Dienstleistungssektor bestimmt wurde (vor allem Handel, Kultur, Unterhaltung) und neue Stadtstrukturen generierte.

Durch umfangreiche Sanierungs- und Baumaßnahmen ent-wickelte sich der Bezirk Mitte zu einem neuen Kultur- und Geschäftszentrum, überdies beherbergt er u.a. das Regierungsviertel mit Bundeskanzleramt, Bundestag und Ministerien, verschiedene Bildungseinrichtungen und den neuen Hauptbahnhof. Die angrenzenden Bezirke, insbesondere Prenzlauer Berg, aber auch Friedrichshain und Kreuzberg, wurden durch die räumliche Nähe zur neuen Mitte stark aufgewertet. Das alte Zentrum im Westen rund um Kurfürstendamm, Kantstraße und Bahnhof Zoo musste dagegen einen gewissen Bedeutungsverlust hinnehmen, dort werden gegenwärtig aber starke neue Entwicklungsimpulse gesetzt.

Die alten Berliner Verkehrsstrukturen waren 1945 zum großen Teil zerstört, andere wurden durch die Teilung der Stadt unterbrochen. Nach 1961 entstanden in beiden Stadtteilen voneinander unabhängige Verkehrsnetze aus Fern-, U- und S-Bahnen, Straßen und Flughäfen. Ab 1990 wurden die Lücken im Bereich der ehemaligen Stadtgrenzen mit großem Aufwand wieder geschlossen. Kernstücke der neuen Verkehrsinfrastruktur sind der neue Hauptbahnhof und der im Bau befindliche Großflughafen Berlin Brandenburg International (BER). Für Touristen aus dem In- und Ausland ist Berlin ein attraktives Ziel geworden, der Tourismus boomt.

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