Belfast - Segregation

Britische Inseln - physisch

978-3-14-100700-8 | Seite 111 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 100.000
Belfast | Segregation | Britische Inseln - physisch | Karte 111/2

Informationen

Die gewaltsame Phase des nordirischen Konflikts, von Einheimischen euphemistisch "The Troubles" genannt, begann 1969 in der Stadt Derry, dem früheren Londonderry. Seit dem Karfreitagsabkommen von 1998 ist sie ausgesetzt bzw. mit der Einsetzung einer Regionalregierung aus Unionisten — die für den Verbleib im Vereinigten Königreich — und Nationalisten — die für die Zugehörigkeit zur Republik Irland votieren — unter Ausschluss der gemäßigten Gruppen faktisch beendet. Die dem Konflikt zugrunde liegenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verwerfungen bestehen jedoch bereits seit der frühen Neuzeit und dauern auch heute noch an.
Vordergründig geht es um die Benachteiligung der katholischen Minderheit — die zumeist originär von der irischen Insel abstammt und eine Vereinigung Nordirlands mit der Republik Irland befürwortet — durch die protestantische Mehrheit, die überwiegend im 16. und 17. Jahrhundert aus Schottland und England eingewandert war und in der folgenden Zeit als wirtschaftlich und politisch überlegene Oberschicht die traditionellen irischen Gesellschaftsstrukturen massiv veränderte. Die gegensätzlichen Haltungen des britischen Unionismus und irischen Nationalismus sind jedoch auch mit tiefer liegenden, komplexen sozioökonomischen, politischen und geographischen Faktoren verbunden.

Räumliche Muster der Segregation
Die räumliche Verteilung beider Gruppen ist in Belfast durch eine starke sektorale räumliche Ordnung gekennzeichnet. Vom Stadtzentrum ausgehend erstreckt sich ein Sektor bis an die Stadtgrenze im Südwesten, in dessen Bezirken (Wards) nahezu ausschließlich nationalistische Einwohner leben. Einen zweiten, räumlich nicht so ausgedehnten Bereich bilden die Wards New Lodge, Water Works, Ardoyne und Teile von Cliftonville, Chichester Park und Cavehill. Zwischen ihnen eingeschlossen ist ein Sektor, der von Stadtzentrum bis in die nordwestlichen Außenbezirke Highfield, Glencairn, Legoniel, Ballysillan etc. reicht, in dem, ebenso wie in den östlichen Teilen der Stadt, fast ausschließlich Loyalisten wohnen. Die Wards im Südosten in Richtung Lisburn und im Nordwesten in Richtung Newtownabbey sind hingegen relativ gemischt.
Besonders im Westen Belfasts hat die Stadtverwaltung die Wohnbereiche beider Gruppen großräumig scharf gegeneinander abgegrenzt. Die Grenzlinien bestehen zum Teil aus mehrere Meter hohen Wellblechmauern, zum Teil auch aus Drahtzäunen. Nur die "Friedenslinie" ist eine "dauerhafte" Konstruktion wie die ehemalige Berliner Mauer. Ähnliche lokale Begrenzungen findet man am Rande des Zentrums sowie in Ballymacarrett und Cromac.
Die flächenhaft in der Karte dargestellte Northern Ireland Multiple Depriviation Measure (NIMDM — nur unvollständig übersetzbar mit "Nordirischer Mehrfach-Benachteiligungsindex") zeigt, dass die Bewohner der städtischen Randbezirke im Süden, Südosten, Osten sowie im Norden deutlich unterdurchschnittlich betroffen sind. Je näher die Stadtbezirke zum Zentrum liegen, desto höher ist der aus 43 Teilindizes aus den Bereichen Einkommen, Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Bildung, Versorgung, Wohn- und Lebensqualität sowie Kriminalität für alle nordirischen Wards berechnete Index. Dieses generelle räumliche Muster wird jedoch an einigen Stellen durch Abweichungen in beiden Richtungen unterbrochen: Auf der einen Seite gibt es relativ innenstadtnahe, wenig benachteiligte und zugleich konfessionell gemischte Wards wie beispielsweise Botanic, Windsor und Ballynafeigh, auf der anderen aber auch randstädtische, sehr benachteiligte und konfessionell homogene Wards wie Upper Springfield, Glen Road und Glencairn.
J. Güßefeldt, B. Richter

Google Maps

Zur Orientierung

Die Lage und Ausdehnung dieser Diercke Karte kannst Du Dir zur Orientierung als Kartenrahmen in Google Maps anzeigen lassen.

Jetzt orientieren