Bangladesch - Überschwemmungen

Südasien

978-3-14-100700-8 | Seite 166 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 6.000.000
Bangladesch | Überschwemmungen | Südasien | Karte 166/4

Informationen

Bangladesch ist Teil des indischen Subkontinents. Mit einer Fläche von 147 600 km² ist das Land weniger als halb so groß wie Deutschland. Es wird fast völlig von Indien umschlossen; im Südosten grenzt es an Myanmar (Birma). Das Staatsgebiet besteht zum großen Teil aus von Hochwasser gefährdeten Gebieten im Mündungsgebiet von Ganges (Padma) und Brahmaputra (Jamuna). Diese haben ein weitverzweigtes Delta aufgeschüttet, eine amphibische Landschaft, die nur wenige Meter über dem Meeresspiegel liegt. Durch Verlegungen des Flusslaufs ändert sie ständig ihr Aussehen. In der Hochwasserzone der schlickreichen Seichtwasserküste wächst ein "Gezeitenwald" aus Mangroven in das Meer hinein. Dieser Wald liefert der einheimischen Bevölkerung das Brennmaterial.
Starke Niederschläge in der Monsunzeit und das Hochwasser der Flüsse während der Schneeschmelze im Himalaya verursachen Jahr für Jahr Überflutungen der Siedlungen und der landwirtschaftlich genutzten Gebiete. Wenn zusätzlich tropische Wirbelstürme vom Golf von Bengalen aus auf die Küste treffen, kommt es häufig zu verheerenden Überschwemmungskatastrophen mit meterhohen Flutwellen an der Küste. Auch Großstädte wie Kalkutta mit seinen rund 11,5 Mio. Einwohnern, Dhaka mit 9,5 Mio. Einwohnern und Chittagong mit seinen 3 Mio. Einwohnern sind von diesen Flutkatastrophen betroffen.

Land und Klima
Mit 142 Mio. Einwohnern und einer Bevölkerungsdichte von gut 960 Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Bangladesch zu den am dichtesten bevölkerten Staaten der Erde. Eine Trendwende ist nicht abzusehen; das jährliche Bevölkerungswachstum lag im Zeitraum zwischen 1990 und 1999 bei durchschnittlich 1,6 Prozent pro Jahr. Zugleich zählt das Land zu den ärmsten Entwicklungsländern der Erde. Fast ein Drittel der Bevölkerung lebt unterhalb der Armutsgrenze, die Analphabetenrate liegt bei 60 Prozent, die Arbeitslosenquote bei 40 Prozent. Mehr als die Hälfte der Beschäftigten war 2005 in der Landwirtschaft tätig; im Dienstleistungssektor arbeiteten zu diesem Zeitpunkt etwa 34 Prozent.
Die Klimagunst der Randtropen lässt in Bangladesch eine üppige immergrüne Vegetation gedeihen. Charakteristisch für die Region ist ein Monsunklima mit hohen Niederschlägen während der Monate Mai bis September und gleichmäßig hohen Temperaturen zwischen 24 °C und 26 °C im Jahresmittel. Die niederschlagsreichsten Gebiete befinden sich um Silhat (Sylhet), in den Chittagong Hills und an den Hängen des Khasigebirges; dort liegt auch Cherrapunji, mit mehr als 11 000 Millimetern Niederschlag im Jahresmittel der regenreichste Ort der Erde. Ursächlich für die starken Niederschläge in allen genannten Gebirgen ist die Stauwirkung der Höhenzüge. Die Zeit von Dezember bis Februar ist die Trockenperiode, in der zum Teil Bewässerungsfeldbau betrieben wird.

Die Hochwasser und ihre anthropogenen Ursachen
Bereits die jährlichen Hochwasser mit Höchststand im August, in der Phase des Sommermonsuns, überschwemmen fast die Hälfte des Landes. Sie können zur Katastrophe werden, wenn bei maximalen Abflussmengen ungewöhnlich starke Hochwasserwellen auftreten. Die Abflussmenge des Brahmaputra beträgt im August bereits durchschnittlich etwa 44 000 Kubikmeter pro Sekunde, also das 25-fache derjenigen Wassermenge, die im Rhein bei Köln gemessen wird. Das Küsten- und Deltagebiet im Süden wird dagegen eher von Sturmfluten des Meeres gefährdet, die durch tropische Wirbelstürme hervorgerufen werden. Der Rückstau des ins Delta drängenden Wassers bewirkt dann erhebliche Überflutungen bis ins Landesinnere.
Die Überschwemmungen werden verstärkt durch den Holzeinschlag im Mangrovenwald und im Khasigebirge. Die Ausweitung der landwirtschaftlichen Anbauflächen durch Brandrodung hat an ganzen Bergflanken zu Kahlschlägen geführt. Die Regenmassen der Sommermonate spülen dort den Boden ab. Früher versickerten sie allmählich im Waldboden, und das schützende Blätterdach verminderte den Aufprall. Der Boden speicherte die Feuchtigkeit und gab sie in trockeneren Monaten ab. Heute lagert sich der abgespülte Boden als Sediment in den Flussarmen des Deltas ab. Die Schlammfracht erhöht die Flusssohle und die Ufer. Bei den großen Abflussmengen nützen Dämme daher nur wenig; gewaltige Überschwemmungen sind die Folge. Allein zwischen 1954 und 1992 gab es elf schwere und fünf katastrophale Überschwemmungen, obwohl neue Dämme, Schleusen und Entwässerungskanäle gebaut worden waren.
Nach den Flutkatastrophen 1987 und 1988 entwickelten Regierung und Weltbank gemeinsam einen Flutaktionsplan (FAP). Danach sollen bis 2015 gefährdete Gebiete vor Überschwemmungen geschützt werden. Da aber Fluten unterschiedlichen Typs auftreten und einzelne Regionen unterschiedlich stark betroffen sind, regt sich in der Bevölkerung Widerstand, denn eine gut durchdachte Schutzmaßnahme für einen Fluttyp kann nutzlos oder sogar gefährlich für einen anderen Typ und eine andere Region sein.
Ungeachtet all dieser Schwierigkeiten zeitigen die Maßnahmen der Regierung bereits erste positive Wirkungen. Dass nach dem schweren tropischen Zyklon "Sidr", der im November 2007 über Bangladesch fegte und dabei mehr als 750 000 Häuser beschädigte, weniger als 2500 Todesopfer zu beklagen waren, war vor allem dem neuen Frühwarnsystem zu verdanken, das nach Einschätzung der Vereinten Nationen unzählige Menschenleben gerettet hat.
Trotz der Überschwemmungen hat Bangladesch eine überaus dichte ländliche Besiedlung. Der Anteil der städtischen Bevölkerung lag im Jahre 2000 lediglich bei 21 Prozent. Die Landwirtschaft ist durch Klein- und Kleinstbetriebe mit geringem Mechanisierungsgrad gekennzeichnet. Die wichtigste Kulturpflanze des Landes und das Hauptnahrungsmittel seiner Bewohner ist Reis, der vorwiegend im Nassfeldbau auf rund 80 Prozent der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche kultiviert wird und zwei bis drei Ernten pro Jahr ermöglicht. Der große Vorteil der Reispflanze ist ihre Anspruchslosigkeit; selbst lange Anbauperioden am gleichen Standort führen nicht zu Bodenermüdung.
D. Saiyak

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Bangladesch

Bangladesch ist mit 943 Ew./km² (2004) der dichtest besiedelte Flächenstaat der Erde. Aufgrund der hohen Wachstumsrate (1,9%) und des Bevölkerungsdrucks sind alle verfügbaren Flächen des Landes in Ackerland umgewandelt. Durch die Abholzung im Himalaja sind die für den Deltabereich typischen Überschwemmungen in den letzten Jahrzehnten immer häufiger und höher geworden. Da das Land zu den ärmsten der Erde gehört, kann es sich Schutzmaßnahmen kaum leisten - das gilt auch für die zu erwartenden Folgen des Klimawandels.
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