Ballungsräume bei Nacht - Westliches Russland

Europa - Physische Übersicht

978-3-14-100800-5 | Seite 87 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 16.000.000
 | Ballungsräume bei Nacht | Europa - Physische Übersicht | Karte 87/2

Überblick

Eine mitteleuropäische Stadt mit 30 000 Einwohnern bildet nachts eine Lichtglocke, die den Himmel im Umkreis von bis zu 25 Kilometern aufhellt. Weitere nächtliche Lichtquellen sind zum Beispiel Industrieanlagen, Verkehrswege und die Rohstoffförderung. Sie strahlen Licht nach oben ab oder reflektieren es. Dies ist aus dem Weltall sichtbar und wird hier in zwei Satellitenbildern gezeigt.

Neben ihrem gewünschten Effekt hat die nächtliche Beleuchtung auch negative Wirkungen auf die Umwelt. Man spricht von „Lichtverschmutzung“, da das natürliche nächtliche Licht zunehmend durch künstliches Licht überlagert wird. Dies hat zum Beispiel Auswirkungen auf zahlreiche nachtaktive Lebewesen. Das Phänomen der Lichtverschmutzung hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen.

Die nächtliche Beleuchtung macht auf eindrucksvolle Weise Siedlungs- und Verkehrsstrukturen deutlich und ist ein Spiegelbild der Bevölkerungsverteilung und der wirtschaftlichen Aktivitäten. Besonders stark, vielerorts sogar flächig beleuchtet ist ein Band, das mit wenigen Unterbrechungen von Mittel- und Südengland über die Beneluxstaaten und die Rheinachse bis nach Norditalien reicht. Es entspricht dem wirtschaftlichen Kernraum der EU, in Raummodellen auch „Blaue Banane“ genannt (s. 99.2), und wird nur von den Alpen unterbrochen. Räume wie Randstad (s. 123.2) sind als polyzentrische Ballungsräume zu erkennen, mit zahlreichen gleichrangigen, miteinander verwachsenen Städten.

Paris, Berlin und Moskau sind dagegen typische Beispiele für Einkernballungen, große monozentrische Ballungsräume. Sie zeigen oft Siedlungsachsen, die sternförmig um das Zentrum angeordnet sind. Von ihnen gehen linienartige Siedlungsbänder aus, die aus kleinen und mittelgroßen Städten im weiteren Umland der eigentlichen Ballungsräume und Verkehrswege bestehen (besonders zu erkennen bei Moskau).

Als dritte Kategorie dicht besiedelter Räume heben sich die Küsten ab, besonders eindrucksvoll am nördlichen Mittelmeer zwischen Andalusien und der Poebene.

Vergleichsweise dünn besiedelte Gebiete wie Nordschottland, das Landesinnere Spaniens, Mecklenburg-Vorpommern, die Alpen und das Dinarische Gebirge heben sich dunkel ab. Aber auch sie zeigen interessante Details. So sind die großen Alpentäler als feine helle Linien zu erkennen. Nordschottland offenbart einen Gegensatz zwischen der nur vereinzelt genutzten Westküste und der intensiv genutzten Ostküste.

Ein Sonderfall sind die Förderplattformen in der Nordsee, die wie Inseln wirken. Sie sind zum einen stark beleuchtet, zum anderen erzeugt auch das Abfackeln von Erdgas, das bei der Ölförderung frei wird, Licht.

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