Balearen - Tourismus

Europa – Tourismus

978-3-14-100782-4 | Seite 97 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 2.400.000
Balearen | Tourismus | Europa – Tourismus | Karte 97/4

Informationen

Zur Inselgruppe der Balearen gehören neben Mallorca und Menorca noch die beiden kleineren Inseln Ibiza und Formentera; letztere werden auch als "Pityusen" bezeichnet. Die Inseln bilden eine gemeinsame Provinz und seit 1983 eine politisch eigenständige autonome Region innerhalb des Königreichs Spanien. Ihre politische Stellung ist derjenigen eines Bundeslandes in Deutschland vergleichbar.

Urlauberhochburg Europas
Auf die Balearen als touristische Destination entfielen 2006 rund 17,3 Prozent aller Fremdenankünfte in Spanien, damit lagen sie hinter Katalonien (25,7 Prozent), aber vor den Kanaren (16,4 Prozent). Nach absoluten Zahlen empfingen die Balearen 2006 mit 12,6 Mio. Besuchern fast ebenso viele Touristen wie ganz Griechenland (13,7 Mio.). Die Touristendichte auf den Balearen ist europaweit ohne Beispiel: 2006 kamen auf jeden Einwohner 12,6 Besucher. Die spanische Binnennachfrage ist dabei mit 22,3 Prozent nachrangig, aber tendenziell zunehmend. Bei der internationalen Nachfrage liefern sich Deutsche und Briten seit langem ein "Kopf-an-Kopf-Rennen", dessen wechselnde Positionen der jeweiligen nationalen Wirtschaftskonjunktur geschuldet sind. Gemeinsam stellen sie mehr als die Hälfte der touristischen Nachfrage (2006: Deutsche 33 Prozent; Briten 28 Prozent), bei mittelfristig steigender Tendenz. Im Unterschied dazu verhält sich die Nachfrage aus Skandinavien und den Benelux-Staaten auf niedrigem Niveau recht konstant (vgl. Diagramm).
Ihre im europäischen Vergleich herausragende Stellung verdanken die Balearen unter anderem der leichten und preiswerten Erreichbarkeit per Flugzeug. 96 Prozent aller Touristen erreichen die Balearen auf dem Luftweg. In Deutschland war der Flughafen von Palma de Mallorca mit etwa 3,7 Mio. Passagieren im Jahr 2005 der wichtigste angeflogene Auslandsflughafen. Entsprechend dazu ließ Palma de Mallorca mit 22,4 Mio. abgefertigten Flugpassagieren 2006 alle drei Berliner Flughäfen mit ihren insgesamt 17,1 Mio. Fluggästen deutlich hinter sich. Hinter diesen Zahlen verbergen sich wichtige Strukturmerkmale: Sogenannte Low-Cost-Fluggesellschaften aus Deutschland und Großbritannien, den wichtigsten Herkunftsgebieten der Pauschaltouristen, fliegen Mallorca mehrfach täglich mit dem "Mallorca-Shuttle" an. Allein auf die deutsche Fluggesellschaft Air Berlin, die Palma de Mallorca auch als Drehkreuz für Weiterflüge in Zielgebiete an der spanischen und portugiesischen Festlandküste nutzt, entfielen 2006 rund 21 Prozent aller Passagierankünfte.
Der Balearentourismus war und ist weiterhin gekennzeichnet durch eine einseitige Nachfrageorientierung unter den Schlagworten "Sommer, Sonne, Strand". Das Ergebnis ist eine völlige Umgestaltung der traditionellen Siedlungsstrukturen auf den Inseln: Während die Küstenlagen, mit Ausnahme von Hafenstandorten, in den vergangenen Jahrhunderten gemieden wurden, hat der Massentourismus zu einer weitgehenden Verbauung der meisten Küstenabschnitte geführt. Viele Gemeindehauptorte liegen als Dörfer küstenfern im Landesinnern, während ihre neuen "Ortsteile" an der Küste als tourismusfunktionale Retortenstädte im Sommer die Dimension von Großstädten erreichen. Als Beispiel mag die Gemeinde Calvià auf Mallorca mit ihrer Küstenlänge von rund 23 Kilometern (!) dienen, die heute international bekannte Touristenhochburgen wie Illetas, Palma Nova, Santa Ponsa, Paguera und Puerto Andratx umfasst. Im Falle von Menorca gab es mit Mahón und Ciudadela (Ciutadella) nur zwei historisch gewachsene Küstenstädte, die durch eine einzige zentrale Straßenverbindung miteinander verbunden waren. Die neuen Feriensiedlungen an den Küsten müssen heute durch Stichstraßen erschlossen werden.
T. Breuer

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Naturschutz auf Menorca

Kartographie: T. Breuer, Regensburg
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