Balearen (Spanien) - Tourismus

Europa - Tourismus

978-3-14-100870-8 | Seite 121 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 50.000
Balearen (Spanien) | Tourismus | Europa - Tourismus | Karte 121/2

Überblick

Die Balearen gehören zu den wichtigsten Ferienregionen Europas. Mehr als 12 Mio. Gäste bereisen jährlich die Inselgruppe, zu der neben Mallorca auch Menorca, Ibiza und Formentera gehören. Die Balearen bilden seit 1983 eine politisch eigenständige autonome Region innerhalb des Königreichs Spanien. Ihre politische Stellung ist der eines deutschen Bundeslandes vergleichbar.

Urlauberhochburg Europas

usländischen Gästen stellen die Deutschen, die sich seit den frühen 1990er-Jahren eine Art Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Briten liefern. Allerdings gibt es Unterschiede zwischen den Inseln. Während die Deutschen auf Mallorca klar in der Mehrheit sind, zieht es die Engländer stärker nach Menorca, Ibiza und Formentera. Spanische Urlauber geraten inzwischen zunehmend in die Minderheit, nur auf den kleineren Inseln stellen sie noch größere Anteile. Die stärksten Zuwächse gab es zuletzt bei Urlaubern aus Russland.

Ihre im europäischen Vergleich herausragende Stellung unter den Ferienzielen verdanken Mallorca und seine Nachbarinseln unter anderem der leichten Erreichbarkeit. Rund 98 Prozent aller Touristen erreichen die Balearen auf dem Luftweg. In Deutschland steht der Flughafen Palma de Mallorca an erster Stelle unter den ausländischen Flugzielen. Viele Low-Cost-Fluggesellschaften wie Air Berlin fliegen Mallorca gleich mehrfach täglich mit einem sogenannten Mallorca-Shuttle an. Ein zweiter Pluspunkt der Balearen ist, dass sie sehr unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, weil sie vom Strand-, Familien- und Partytourismus bis zu hochwertigen Sportangeboten und ruhigen Rückzugsplätzen im Hinterland eine breite Palette von Urlaubsmöglichkeiten bieten.

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Entwicklungsphasen des Balearen-Tourismus

Entwicklungsphasen des Balearen-Tourismus

Die Tourismusentwicklung auf den Balearen verlief in verschiedenen Phasen. Die erste, von etwa 1960 bis 1972, war eine frühe Boomphase ohne planerische Eingriffe. Aus dieser Zeit datieren gravierende, überwiegend irreversible Landschaftszerstörungen, vor allem durch Verbauung der Küsten. Die zweite Phase von 1973 bis 1980 brachte den Balearen einen ersten Rückschlag durch die "Ölkrise" und eine weltweite wirtschaftliche Rezession. In der dritten Phase ab etwa 1981 reagierte die Tourismusbranche auf diesen Einbruch mit Billigangeboten für Kunden mit geringer Kaufkraft; das Ergebnis war ein rascher Qualitätsverfall des touristischen Angebots. In der vierten Phase, die Ende der 1980er-Jahre begann, verlor Spanien innerhalb weniger Jahre durch wirtschaftliche Veränderungen im In- und Ausland seine komparativen Kostenvorteile. Weil ein weiteres Absenken des Preisniveaus aus Rentabilitätsgründen nicht mehr möglich war, setzte langsam ein Umdenken ein, hin zu einer qualitativen Aufwertung des touristischen Angebots. Für Neubauten galten fortan strenge Planungsvorgaben, die Kontrollen von Hotellerie und Gastronomie wurde verschärft. In Einzelfällen wurden zur Auflockerung der Strandverbauung alte Hotelbauten wieder abgerissen.

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Ökologie und Tourismus

Die fortlaufende Steigerung der Gästezahlen wirft zunehmend Probleme bei der Wasserversorgung auf, zumal die sommerliche Trockenperiode genau in die Hochsaison fällt. Bereits 1985 war die Wasserbilanz Mallorcas im Jahresmittel ausgeschöpft, seitdem hat sich die Zahl der Besucher mehr als verdoppelt. Inzwischen sorgen mehrere große Meerwasserentsalzungsanlagen auf allen vier Inseln für eine mittelfristig hinreichende Trinkwasserversorgung.

Die Wasserverknappung ist nur eine der spürbaren Folge des ökologischen Raubbaus, der mit dem Massentourismus begann. Inzwischen hat auf den Inseln ein Umdenken begonnen. 1988 wurde an der Nordküste von Mallorca das Naturschutzgebiet Albufera ausgewiesen; das größte Feuchtgebiet der Balearen gilt heute als ökologisches Vorzeigeprojekt. Auch die Sierra de Tramuntana, die gerne von Bergwanderern besucht wird, wurde als "Naturgebiet von besonderem Interesse" ausgewiesen. Ein Meilenstein für den Naturschutz war 1993 die Ausweisung Menorcas als "Biosphärenreservat". Auf gut 40 Prozent der Inselfläche sind touristische Aktivitäten heute nur noch unter strengen Auflagen möglich."

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Strukturwandel durch Tourismus

Die Balearen waren bis in die 1960er-Jahre stark von Abwanderung betroffen, weil die Inseln keine wirtschaftliche Perspektive hatten. Der Abwanderungstrends endete mit Beginn des Massentourismus. Seither ist die Bevölkerung vor allem durch Zuwanderung - erst vom spanischen Festland, seit den 1990er-Jahren auch aus anderen europäischen Ländern - von 440 000 (1960) auf gut 1,1 Mio. Einwohner (2015) angewachsen. Von dieser Entwicklung profitierte in erster Linie Mallorca mit derzeit 876 000 Einwohnern, aber auch Ibiza (134 000 Einwohner), Menorca (95 000 Einwohner) und Formentera (12 000 Einwohner).

Der Tourismus führte auf den Balearen zu einem einschneidenden sozioökonomischen Wandel. Auf der einst agrarisch geprägten Insel entstand eine Dienstleistungsgesellschaft, die weitgehend von der touristischen Nachfrage aus dem Ausland abhängt. Auf den Dienstleistungssektor entfallen derzeit 75 Prozent der regionalen Bruttowertschöpfung, auf das Baugewerbe, das seine Aufträge im Wesentlichen der Tourismuswirtschaft verdankt, weitere 10 Prozent. Die Landwirtschaft stellt noch immer rund 10 Prozent der Arbeitsplätze, trägt aber nur noch weniger als 2 Prozent zur Bruttowertschöpfung bei.

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Vom Massen- zum Qualitätstourismus

Seit 1991 propagieren die Balearen einen Qualitätstourismus, der vornehmlich einkommensstarke Nachfragegruppen ansprechen soll. Mit dieser Trendwende wollten sie sich auch gegenüber der Türkei profilieren, die sich seit den 1980er-Jahren zu einem starken Konkurrenten entwickelt hat. Bevorzugte Zielgruppen dieses "Qualitätstourismus" sind Segler und andere Wassersportler, Golfer, Radsportler und Naturliebhaber. Obwohl diese Gruppen prozentual nur einen überschaubaren Teil der Touristen stellen, sind sie wirtschaftlich von zunehmender Bedeutung.

Der Residenztourismus von Ausländern, die die Balearen zu ihrer Wahlheimat erkoren haben, wird von der ansässigen Bevölkerung zunehmend kritisch bewertet. Allein für Mallorca schätzt man den Anteil von Flächen im Besitz ausländischer Eigentümer auf rund 20 Prozent. Das geflügelte Wort von Mallorca als dem "17. deutschen Bundesland" wird auf den Balearen nicht gerne gehört. Auf Menorca, das rund 100 Jahre lang Teil des britischen Imperiums war, ist der Anteil britischer Grundeigentümer bis heute vergleichsweise hoch.

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