Baikalsee - Wirtschaft

Sibirien

100750 | Seite 122 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 6.000.000
Baikalsee | Wirtschaft | Sibirien | Karte 122/2

Informationen

Der Baikalsee hat eine Fläche von 31 500 km² und ist mit bis zu 1637 Metern Tiefe das größte Süßwasserreservoir der Erde. Bemerkenswert ist die besondere Flora und Fauna der Region, die zur Ausweisung von drei Naturreservaten (Baikal-, Lena- und Bargusin-Naturreservat) und zwei Nationalparks (Cisbaikal- und Transbaikal-Nationalpark) geführt hat. 1996 wurde die gesamte Region in die Liste des Weltnaturerbes der UNESCO aufgenommen. Bedroht wird das äußerst sensible Ökosystem, das eine Vielzahl endemischer Arten umfasst, vor allem durch Umweltverschmutzungen seitens der Produktionsanlagen am Südende des Sees und durch den fortschreitenden Holzeinschlag für die Zelluloseindustrie.

Phasen der frühen Erschließung
Die industriewirtschaftlichen Verdichtungsräume am Baikalsee stammen aus verschiedenen Phasen der russischen und sowjetischen Wirtschaftsentwicklung. Ausgehend von Irkutsk kam es bereits gegen Ende des 19. Jahrhunderts entlang der neu errichteten Transsibirischen Eisenbahn (vgl. Karte 122.1) zu einem bescheidenen Industrieaufbau. Die Bahnlinie, später ergänzt durch die Baikal-Amur-Magistrale, war auch das Rückgrat für die forstwirtschaftliche Erschließung, deren Spuren in der Karte zu erkennen sind.
Der Industrieknoten von Bratsk — zeitweise ein Schwerpunkt der Erschließung im Gebiet der Angara und als Territorialer Produktionskomplex (TPK) ausgewiesen — entstand im Anschluss an das damals weltweit größte Wasserkraftwerk ab Ende der 1950er-Jahre und spezialisierte sich auf die energieintensive Produktion von Aluminium und auf die Holzverarbeitung. Lange Zeit galt die Region als Vorreiter bei der industriewirtschaftlichen Erschließung Sibiriens.
Der Raum um Irkutsk profitiert von einem relativ günstigen landwirtschaftlichen Potenzial, das bald nach der Anlage von Irkutsk als Festungssiedlung (Ostrog) im Jahr 1652 von russischen Bauern genutzt wurde. Die Besiedlung des Beckens datiert auf die Phase der frühen Erschließung durch Pelztierjäger und erste Ackerbauern. Durch den Handel mit China entwickelte sich Irkutsk zu einem Handelszentrum und später sogar zur heimlichen Hauptstadt Sibiriens. Mit dem Bau der Transsibirischen Eisenbahn begann die Zeit der Industrialisierung, auch wenn sie sich in Irkutsk zunächst auf Reparaturwerkstätten und die Metallverarbeitung beschränkte. Die übrigen Industriezweige und die Entwicklung einer auf Braunkohle basierenden Industrie sind jüngere Erscheinungen.

Sowjetzeit und Transformationsphase
Nachdem Sibirien über lange Zeit vor allem durch Zwangsarbeit erschlossen worden war, galt der Industrieknoten von Bratsk und Ust-Ilimsk als ein frühes Musterbeispiel für den Versuch, den Industrieaufbau durch einen motivierenden Appell an den Patriotismus der sowjetischen Jugend voranzutreiben. Auf dieser Basis wurde nach 1953 mit den Bauarbeiten am Wasserkraftwerk begonnen, die 1961 abgeschlossen werden konnten. Der Aufbau einer auf dieser Energiebasis geplanten Industrie mit Aluminiumverhüttung nebst Zellulose- und Papierkombinat dauerte jedoch länger, sodass zunächst ein Überschuss an elektrischem Strom produziert wurde. Er konnte auch nicht in ein Verbundnetz eingespeist werden, weil die Technologie der Ultrahochspannungsleitungen noch fehlte. Heute ist Bratsk Gegenstand einer intensiven Umweltdiskussion, die sowohl die Überflutung des Angara-Tales als auch die massive Luftverschmutzung durch Industrieabgase und das daraus resultierende Waldsterben thematisiert.
In der Transformationsphase seit Anfang der 1990er-Jahre erlebte die sibirische Industrie einen starken Einbruch in allen Produktionszweigen. Dadurch wurden auch Maßnahmen zum Umweltschutz zurückgestellt. Ausländische Investoren halten sich bislang zurück, obwohl das Investitionsklima zumindest in den ethnisch russischen Gebieten allgemein als günstig beurteilt wird. Allerdings ist der Raum von Nahrungsmittelzufuhren abhängig, zudem bleibt der Infrastrukturausbau hinter dem Bedarf zurück.
J. Stadelbauer

Graphiken

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Emissionen in der Baikalregion

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