Böden

Erde - Böden/Desertifikation

978-3-14-100700-8 | Seite 234 | Abb. 1 | Maßstab 1 : 90.000.000
Böden |  | Erde - Böden/Desertifikation | Karte 234/1

Informationen

In den verschiedenen Teilen der Erde lassen sich jeweils typische Arten von Böden erkennen. Ihre sehr unterschiedliche Beschaffenheit wird durch eine Vielzahl von Geofaktoren beeinflusst, etwa von dem vorhandenen Gestein und dem Klima, der jeweiligen Flora und Fauna, dem Landschaftsrelief und den spezifischen Einflüssen des Wassers.
Die feuchtkalten Polargebiete weisen aufgrund des Permafrostes stark vernässte Böden mit starker physikalischer Verwitterung und geringer Pflanzenbedeckung auf. Infolge der geringen Zersetzung pflanzlicher Rückstände sind Rohhumus- und Torfbildung beachtlich. In tieferen Lagen bilden sich sogenannte Tundrengleye, Grundwasserböden mit Oxidations- und Reduktionszonen entsprechend den Grundwasserschwankungen. Die sich südlich anschließenden Gley-Podsole und Moor-Podsole sind vernässte und verarmte Podsole, die auch staunass sein können (Pseudogley-Podsole).
Im kühlfeuchten Klima der Nadelwaldzone liefert der vorherrschende Nadelwald schwer zersetzbare Streu mit geringer biologischer Aktivität, wodurch es zur Ansammlung von Rohhumus und zur Wanderung von Eisen- und Aluminiumverbindungen kommt. Das großflächige Auftreten von quarzreichen Lockergesteinen fördert die Ausbildung von typischen Podsolen (s. Profil im Atlas). Weitere Bodenvarianten wie Gleye treten unter Wassereinfluss auf.
Zu den Böden der Laubwaldzone gehören die (Para-)Braunerden, die im feucht-gemäßigten Klima der Nordhalbkugel unter Laubwäldern vorherrschend sind.
Bei kontinentalem Klima mit geringen Niederschlagsmengen ist die Auswaschung von Nährstoffen gering; Steppenböden sind kalkhaltig, vielfach auf Löss entwickelt, und weisen eine starke biologische Aktivität auf. Daraus ergibt sich eine hohe Fruchtbarkeit wie beispielsweise in der Ukraine, der Pampa und im Mittleren Westen der USA mit den Great Plains.
Im Süden Russlands und im Westen der USA folgen unter Kurzgrasprärie bzw. Trockensteppe die Kastanoseme, die durch karbonathaltige A-Horizonte, insgesamt geringere Mächtigkeit und geringeren Humusgehalt gekennzeichnet sind (s. Profil).
Die Halbwüsten- und Wüstenböden der ariden Zonen sind mit ihrer charakteristischen Armut an organischer Substanz und den vielfach vorhandenen Kalkkrusten in allen Erdteilen mit Salzböden vergesellschaftet. Diese, insbesondere die Solontschake, bilden sich in abflusslosen Senken bei hoch anstehendem salzhaltigem Wasser, wobei es an der Oberfläche infolge kapillar aufsteigenden Wassers zur Bildung von Salzkrusten kommt.
Zu den Böden der feuchten und wechselfeuchten Tropen und Subtropen gehören die lateritischen Böden, die sich bei hohen Temperaturen und Niederschlägen in langer Zeit aus stark verwitterten Silikatgesteinen bei geringem Humusgehalt entwickelt haben. Dabei wurden Silikatverbindungen und Pflanzennährstoffe ebenso wie der größte Teil des organischen Materials aus dem Oberboden abgeführt, Eisen und Aluminium wurden gleichzeitig angereichert (daher auch ferrallitische Böden).
Diese Verbindungen verhärten in Trockenzeiten zu tiefrotem Laterit; es können sich Lagerstätten von Bauxit bilden. Diese ausgelaugten, sauren, nährstoffarmen Böden nehmen weite Gebiete der feuchten und wechselfeuchten Tropen ein (s. Profil). Die roten und gelben Podsolböden im Südosten der USA ("Red Yellow Podzolics"), im südlichen Brasilien sowie in China und in Queensland (Australien) sind nicht so stark verwittert und auch jünger als die Latosole; weiterhin sind sie basischer und zeigen Tonverlagerung, was durch Klimaunterschiede erklärt wird.
Die fast schwarzen fruchtbaren Vertisole (Indien: "Regur"; USA: "Black Cotton Soil"; Nordafrika: "Tirs"; Nordaustralien) kommen in wechselfeuchten Gebieten vor. Das für Vertisole typische Tonmineral Montmorillonit ist für Schrumpfung in Trocken- und für Dehnung in Nasszeiten verantwortlich und bewirkt eine relativ hohe Austauschkapazität.
In Gebieten mit Mittelmeerklima treten rote und braune mediterrane Böden auf (Terra Rossa). Sie sind auf Kalkgestein entstanden; ihr leuchtendes Rot ist auf den Hämatitgehalt zurückzuführen.
Zu den mineralischen und hydromorphen Böden zählen die Alluvialböden der großen Schwemmländer, die aufgrund der zeitweisen Überschwemmungen nur schwach ausgeprägte Bodenprofile aufweisen. Verschiedenartiges Material wird je nach Einzugsbereichen der Flüsse abgesetzt. Diese Gebiete gehören zu den für die Ernährung der Menschheit wertvollsten. In Süd- und Ostasien sind große Flächen den sogenannten Paddy Soils zuzurechnen, die als Grundwasserböden stark anthropogen verändert dem Nassreisbau dienen.
Die in Gebirgen ausgeprägten Böden wechseln kleinräumig so stark, dass ihre Verbreitung auf der vorliegenden kleinmaßstäbigen Karte nur stark generalisiert wiedergegeben werden kann. Insgesamt sind ihre Böden ähnlich denen in den Flachländern ausgebildet.
P. Pertsch

Graphiken

Bild

Funktionen des Bodens

Download

Bild

Bodenbildungsprozesse und Nährstoffbereitstellung

Bodenbildungsprozesse sind Humusbildung, Mineralisierung, Verwitterung und Kationenaustauschkapazität
Download

Bild

Zusammenstellung und Unterscheidung der wichtigsten organischen Substanzen im Boden

Download

Bild

Bodenprofil und Bodenhorizonte

Eine charakteristische Ausprägung von Horizonten ergibt ein Bodenprofil. Bodenhorizonte entstehen durch Prozesse der Bodenbildung
Download

Bild

Modellhafte Darstellung der Bodenentwicklung in der gemäßigten Zone

Download

Bild

Zusammenwirken der Bodenbildungsfaktoren

Die Entstehung und Entwicklung von Böden, welche zur Ausprägung bestimmter Bodenhorizonte, Bodentypen führt.
Download

Bild

System Boden

Ein an der Erdoberfläche im Grenzbereich von Lüfthülle und festem Gestein durch Umwandlung mineralischer und organischer Substanzen entstandene Gemisch aus festen anorganischen und organischen Bestandteilen, Wasser, Luft und Organismen.
Download

Bild

Gley

Der weltweit auftretende Bodentyp Gley ist nicht an bestimmte Klimazonen oder Ausgangsmaterialien gebunden, sondern wird vielmehr durch hoch anstehendes Grundwasser geprägt.
Download

Bild

Podsol

Podsole sind saure, nährstoffarme Böden der feuchtkalten und feuchtgemäßigten Klimate und gelten als ertragsarm.
Download

Bild

Braunerde

Die Braunerde ist der über weite zusammenhängende Gebiete verbreitete, vorherrschende Bodentyp des gemäßigten Klimabereichs.
Download

Bild

Parabraunerde

Ein anderer weit verbreiteter Bodentyp im gemäßigt-humiden Klima ist die Parabraunerde, bei der Tonmineralien vom Oberboden in tiefere Bodenbereiche verlagert werden.
Download

Bild

Tschernosem (Schwarzerde)

Schwarzerden sind die vorherrschenden Böden der kontinentalen Steppengebiete. Die humusreichen und tiefgründigen Böden gehören zu den fruchtbarsten Böden der Welt.
Download

Bild

Bodenprofil

Der Ablauf bodenbildender Prozesse führt zu einer Gliederung des Bodens in verschiedene oberflächenparallele Zonen, die jeweils durch annähernd gleiche Merkmale und Eigenschaften gekennzeichnet sind und als Bodenhorizonte bezeichnet werden.
Download

Google Maps

Zur Orientierung

Die Lage und Ausdehnung dieser Diercke Karte kannst Du Dir zur Orientierung als Kartenrahmen in Google Maps anzeigen lassen.

Jetzt orientieren