Ausländerreiseverkehr und Ferntourismus

Erde - Tourismus

978-3-14-100700-8 | Seite 246 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 120.000.000
Ausländerreiseverkehr und Ferntourismus |  | Erde - Tourismus | Karte 246/2

Informationen

Während der Tourismus seit den 1960er-Jahren zunächst kontinuierlich und in beträchtlichem Maße an Umfang und wirtschaftlicher Bedeutung gewann, erlebte er zu Beginn des neuen Jahrtausends erstmals einen Einbruch. Auslöser dafür waren sowohl der konjunkturelle Einbruch der Weltwirtschaft und die SARS-Epidemie in Ostasien als auch die Terroranschläge vom 11. September 2001 und die darauf folgenden kriegerischen Konflikte in Afghanistan und dem Nahen Osten, die zu einer Verunsicherung in der Branche führten. Dieser rückläufige Trend endete um das Jahr 2003, im folgenden Jahr gab es wieder Zugewinne, bis schließlich 2005 mit über 800 Mio. Ferntouristen eine neue Rekordmarke erreicht wurde. Die Zahl aller Reisenden, einschließlich der Inlandstouristen, lag dabei noch um ein Vielfaches höher. Der Welttourismusverband UNWTO geht auf der Grundlage von Schätzungen und Hochrechnungen von bis zu 6 Mrd. Reisen pro Jahr aus.
Europa rangiert unter den Tourismusregionen an erster Stelle. Dabei war Frankreich mit über 80 Mio. Reisegästen das weltweit am stärksten besuchte Land; allerdings kamen die meisten Urlauber aus europäischen Nachbarstaaten. Beim reinen Ferntourismus, ohne Berücksichtigung des innereuropäischen Reiseverkehrs, setzten sich die USA 2005 mit knapp 48 Mio. Besuchern an die Spitze. Gleich an zweiter Stelle folgte China, das um 1999 im Ländervergleich noch auf einem ähnlichen Niveau rangierte wie heute Saudi-Arabien. Der große Gewinner des Tourismusgeschäfts im Mittelmeerraum war in den letzten Jahren die Türkei, die 2005 rund 18 Mio. Reisende zählte und damit knapp vor Russland lag. Das starke Gästeaufkommen in Kanada und Mexiko wird zum überwiegenden Teil von Reisenden aus den benachbarten USA getragen. Auffällig ist der starke Ausländerreiseverkehr in den touristischen Verdichtungsräumen Südostasiens, der teils auf den starken Geschäftsreiseverkehr, teils auch auf den Erholungstourismus zurückzuführen ist.
Die ökonomische Bedeutung des Tourismus für verschiedene Länder bemisst sich nicht allein an den Gästezahlen, sondern wird wesentlich durch die wirtschaftliche Struktur des jeweiligen Landes bestimmt. Die größte Bedeutung als Wirtschaftsfaktor hat er für die vielen kleinen, klimatisch begünstigten Inselstaaten, die aufgrund ihres geringen Industrialisierungsgrades wirtschaftlich zu den Entwicklungsländern zählen. Hier sichert der Tourismus einen erheblichen Anteil der Arbeitsplätze. Auf den Fidschi-Inseln, den Seychellen, Malediven und den meisten Karibikinseln beträgt der Anteil des Tourismus am Bruttosozialprodukt mindestens 30 Prozent, zum Teil sogar deutlich mehr.
K. Lückemeier

Graphiken

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Entwicklung der Touristenzahlen weltweit

Die Entwicklungsländer stehen den Verdichtungsräumen infrastrukturell wenig entwickelte Gebiete gegenüber. Die Folge ist eine Stadt-Land-Wanderung, die die räumlichen Disparitäten noch verstärkt. Erst mit der touristischen Erschließung erhalten alle Sektoren einen wirtschaftlichen Anstoß. Gleichzeitig entstehen zwischen den neuen Wachstumspolen neuen Ungleichgewichte.
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Reiseströme des internationalen Tourismus

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