Asien - politische Übersicht

Asien - Staaten und Geschichte

978-3-14-100770-1 | Seite 141 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 56.000.000
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Informationen

Ein überwiegender Teil der asiatischen Staaten hat seine heutigen Grenzen erst nach dem Zweiten Weltkrieg erhalten, als zahlreiche Länder von den ehemaligen Kolonialmächten in die Unabhängigkeit entlassen wurden. Im vormaligen Britisch-Indien führten langjährige Konflikte zwischen den Hindus und Muslimen 1947 zur Teilung in die Staaten Indien und Pakistan. Die von Japan im Zweiten Weltkrieg besetzten Länder Myanmar (Birma), Indonesien, Vietnam und die Philippinen erhielten ebenfalls Autonomiestatus. Das seit 1910 japanische Korea wurde 1948 in Nord- und Südkorea gespalten. Vor dem Hintergrund des Kalten Krieges kam es in Asien zu einer ganzen Reihe blutiger Konflikten wie dem Korea-, Indochina- und Vietnamkrieg. 1954 wurde Indochina in die souveränen Staaten Laos, Kambodscha sowie Nord- und Südvietnam aufgeteilt; 1976 erfolgte die vietnamesische Wiedervereinigung unter kommunistischer Herrschaft. Im chinesischen Bürgerkrieg errangen die Kommunisten nach 1945 den Sieg. Das Land wurde 1949 Volksrepublik und stieg zugleich zu einer Großmacht auf. Ab 1985 erfolgte der politische Umbruch in der Sowjetunion. Er führt 1991 zur Auflösung der UdSSR und zur Entstehung zahlreicher neuer Staaten in Mittelasien, im Kaukasus und in Osteuropa.

Asien und Europa
Charakteristisch für den asiatischen Kontinent im Altertum war der Gegensatz zwischen den frühen Kulturen in Vorderasien, Indien und China einerseits und den zahlreichen, durch Sprache, Sitten und Bräuche unterschiedenen Nomadenvölkern der innerasiatischen Steppe und Arabiens andererseits. Durch Alexander den Großen, das Römische Imperium und das Byzantinische Reich stand Vorderasien im Altertum in einer engen kulturellen Beziehung zu Europa. Im 7. und 8. Jahrhundert drangen arabische Muslime bis Südasien vor und verbreiteten dort den Islam. Im 13. Jahrhundert eroberten Dschingis Khan und seine Nachfolger weite Teile des Kontinents und schufen mit dem Mongolenreich das größte Reich der Weltgeschichte.
Vasco da Gama entdeckte 1498 den Seeweg nach Indien. Zunächst kamen die Portugiesen, gefolgt von den Niederländern, den Briten und Franzosen. Seit dieser Zeit, verstärkt ab dem 18. Jahrhundert, begannen die europäischen Kolonialmächte, Süd- und Südostasien unter sich aufzuteilen und Hegemonien auch in anderen asiatischen Räumen zu errichten. Spanien hielt bereits seit dem 16. Jahrhundert die Philippinen besetzt, Großbritannien unterwarf ab 1756 den indischen Subkontinent, Frankreich erwarb Indochina, die Niederlande besetzen die Sunda-Inseln als "Niederländisch-Indien". Unterdessen entwickelte sich mit dem Niedergang des Osmanischen Reiches in der Nordhälfte Asiens Russland zur vorherrschenden Macht, vor allem auf Kosten des chinesischen Reiches. Um 1900 traten mit Japan und den USA weitere Kolonialmächte auf den Plan. Die USA entrissen Spanien 1898 die Philippinen, Japan besetzte Korea und die Mandschurei. Nur wenige Länder wie China, Afghanistan, Iran (Persien) oder Thailand konnten eine, allerdings oft eingeschränkte, Selbstständigkeit bewahren.
Die Entstehung neuer souveräner Staaten im 20. Jahrhundert wurde vielerorts von schweren kriegerischen Auseinandersetzungen begleitet. Mit der Teilung der Welt in die ideologisch gespaltenen Lager der USA und der UdSSR erlangte China ab der Mitte des 20. Jahrhunderts als zweites Land auf dem asiatischen Kontinent den Status einer Weltmacht.

Neue Wirtschaftsmacht VR China
In China kam es 1949 nach einem langjährigen Guerillakrieg zum Sturz der Regierung Chiang Kai-shek. Mit rund 2 Mio. seiner Anhänger floh dieser auf die Insel Taiwan, auf der er 1950 die Nationale Republik China proklamierte. Bis 1971 hatte diese in der UNO den Alleinvertretungsanspruch, der jedoch im Zuge der Annäherung der USA und der Volksrepublik China zugunsten letzterer verloren ging. Bis heute wird Taiwan von China als abtrünnige Provinz betrachtet.
In der Sozialistischen Volksrepublik China kam es unter Mao Tse-tung, der ab 1949 das Amt des Vorsitzenden der Zentralen Volksregierung bekleidete, zu einer Verstaatlichung von Industrie und Handel und einer Kollektivierung der agrarischen Produktion. Die 1958 begonnene Kampagne des "Großen Sprungs nach vorn", der Versuch einer ökonomischen Wachstumssteigerung durch politische Mobilisierung, scheiterte. Von 1966 bis 1969 dauerte die "Kulturrevolution", während der die "Rote Garde" rücksichtslos gegen alle politischen Gegner vorging. Ungeachtet dessen etablierte sich die VR China sukzessive als "dritte Weltmacht". 1971 erfolgte die Anerkennung durch die UNO und die Aufnahme als ständiges Mitglied in den Sicherheitsrat. Die Besuche des US-Präsidenten und des deutschen Bundeskanzlers markierten 1972 den Beginn einer vorsichtigen Öffnung nach Westen. Nach Maos Tod 1976 und dem Sturz der "Viererbande" verfolgte die VR China einen gemäßigt sozialistischen Kurs. Die Demokratiebewegung von 1989 wurde jedoch militärisch niedergeschlagen. Der teils repressiven und undemokratischen Politik nach innen steht in der Gegenwart die weitgehende Öffnung zur Marktwirtschaft gegenüber. Seit sich China Anfang der 1990er-Jahre verstärkt dem Außenhandel öffnete, erlebt das Land einen starken Wirtschaftsboom. In vielen landwirtschaftlichen und industriellen Produktionsbereichen hat die Volksrepublik im globalen Vergleich inzwischen eine unangefochtene Spitzenposition. Kehrseite des Wirtschaftswachstums ist ein riesiges Heer von annähernd 200 Mio. Wanderarbeitern, die unter äußerst schwierigen Bedingungen leben und arbeiten müssen.

Russland und die GUS
1985 führte die Wahl Michail Gorbatschows zum Generalsekretär der KPdSU zu tief greifenden politischen Veränderungen in der Sowjetunion, durch die sich in der Folge die asiatische Staatenwelt stark veränderte. Die demokratischen Reformen führten zur Abspaltung zahlreicher nichtrussischer Völker und schließlich zum Zerfall der UdSSR. 1991 wurde die Sowjetunion formell aufgelöst; auf ihrem Territorium entstanden neben der Russischen Föderation die Nachfolgestaaten Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan, Kirgisistan, Georgien, Armenien, Aserbaidschan, Ukraine, Weißrussland, Moldawien, Estland, Lettland und Litauen. Unter der Führung Russlands schlossen sich diese Staaten ab 1991 zur "Gemeinschaft Unabhängiger Staaten" (GUS) zusammen (vgl. Karte 94.2).
D. Bode, K. Lückemeier

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