Arktis - Nordpol-Entdeckung/Hoheitsansprüche

Polargebiete

978-3-14-100803-6 | Seite 238 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 72.000.000
Arktis | Nordpol-Entdeckung/Hoheitsansprüche | Polargebiete | Karte 238/2

Überblick

Die Polargebiete zählen zu den am spätesten erforschten Gebieten der Erde. Nach wenigen vereinzelten Vorstößen in der frühen Neuzeit setzte ihre systematische Erkundung erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein. Einige dieser frühen Expeditionen, die unter hohen Risiken unternommen wurden und nicht wenige Expeditionsteilnehmer das Leben kosteten, sind heute legendär.

Im ausgehenden 19. und im frühen 20. Jahrhundert wurde Forschungsexpeditionen in die Arktis vor allem unternommen, um eine Passage zu finden, die den Seeweg zwischen Europa und Asien erheblich verkürzen sollte.

Die klassischen Arktisexpeditionen

Die in der Karte eingezeichneten klassischen Expeditionen sind:

• die Peary-Expedition von 1909, die den Nordpol vermutlich als erste erreicht hat – obwohl dies bis heute umstritten ist –,

• die nach einigen gescheiterten Versuchen – etwa des Engländers Franklin – erste geglückte Durchfahrt der Nordwestpassage durch den Norweger Amundsen mit dem Schiff Gjoä von 1903 bis 1906 sowie

• die Nordostpassage entlang der Küste Nordasiens zum Beringmeer durch den Schweden Nordenskjöld mit dem Schiff Vega in den Jahren 1878/79.

Eine deutsche Arktisexpedition führte von 1868 bis 1870 unter Kapitän Koldewey nach Ostgrönland und Spitzbergen. Der deutsche Geograph Drygalski überwinterte 1892/93 am Rande des Inlandeises in Westgrönland. Diese Forschungsansätze führte dann der Geophysiker Alfred Wegener mit seiner großen Grönlandexpedition von 1929 bis 1931 weiter. Dafür wurde die Überwinterungsstation Eismitte mit einfachen Mitteln in den Firn des Inlandeises gebaut.

Mehr anzeigen

Hoheitsansprüche

Dass das Nordpolarmeer schon zu Zeiten des Kalten Krieges zu einer strategisch wichtigen Region geworden war, belegen die Fahrten des US-amerikanischen Atom-U-Boots Nautilus 1958, das unter dem Eis bis zum Nordpol gelangte, und die des sowjetischen Eisbrechers Arktika zum Nordpol 1977. Nach Ende des Kalten Krieges sorgten im Sommer 2007 zwei russische Forschungs-U-Boote für Aufsehen, die 4000 Meter unter der Wasseroberfläche am Nordpol eine russische Flagge hissten.

Bezüglich der Hoheitsansprüche in der Arktis vertraten Russland (bzw. die ehemalige Sowjetunion), Kanada und die USA ursprünglich das Sektorenprinzip mit einem territorialen Anspruch jeweils bis zum Nordpol.

Nach internationalem Recht ist im Arktisgebiet das Seerechtsüberabkommen der Vereinten Nationen anzuwenden. Innerhalb der 200-Seemeilen-Wirtschaftszone hat der jeweilige Küstenstaat das ausschließliche Nutzungsrecht (zum Beispiel hinsichtlich Fischerei und Bergbau). Die in der Karte blau abgegrenzten Gebiete liegen außerhalb dieser Zone. Dort gilt als entscheidendes Kriterium die Ausdehnung des Festlandssockels unter dem Meer. Es hat jeweils das Land das Nutzungsrecht (zum Beispiel Rohstoffabbau), zu dessen Festlandssockel das jeweilige Territorium gehört. Darin könnten Gründe für den russischen Vorstoß 2007 liegen. Am Grund des Nordpolarmeeres werden große Vorkommen an Erdöl, Erdgas, Diamanten, Edel- und Buntmetallerzen vermutet. Um diese Rohstoffe abbauen zu können, müsste es Russland gelingen, einen einwandfreien geologischen Nachweis zu liefern, dass das Polargebiet mit dem russischen Kontinentalsockel eine Einheit bildet. Andererseits gilt der Grundsatz, dass die fünf Anrainer als Mitglieder des Arktischen Rats bei der Ausbeutung von Rohstoffen im Nordpolargebiet kooperieren.

Grönland gehört seit 1721 zum dänischen Königreich. Es steht seit 1979 unter Selbstverwaltung. Spitzbergen (Svalbard) unterliegt seit 1925 gemäß dem internationalen Spitzbergen-Vertrag der Souveränität Norwegens. Auch muss Norwegen den anderen rund 40 Unterzeichnerstaaten des Vertrags die gleichen Nutzungsrechte einräumen, die es selbst hat. Deutschland hat daher freien Zugang zu Spitzbergen. Insbesondere Russland macht von den Nutzungsrechten Gebrauch und errichtete Siedlungen und Steinkohlenbergwerke, wovon gegenwärtig nur noch Barentsburg in Betrieb ist.

Seit 1996 besteht der Arktische Rat. Mitglieder sind Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden und die USA. Hinzu kommen sechs Ureinwohner-Organisationen als ständige Teilnehmer. Ihnen ist ein Mitspracherecht eingeräumt. Der Arktische Rat dient als Forum des Interessensausgleichs (zum Beispiel hinsichtlich der Rohstoffförderung), hat ein Abkommen über Such- und Rettungseinsätze beschlossen und ermöglicht die gemeinsame wissenschaftliche Erforschung der Arktis.

Mehr anzeigen