Arktis - Nordpol-Entdeckung/Hoheitsansprüche

Polargebiete

100750 | Seite 170 | Abb. 2 | Maßstab 1 : 72.000.000
Arktis | Nordpol-Entdeckung/Hoheitsansprüche | Polargebiete | Karte 170/2

Überblick


Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts gab es zahlreiche Expeditionen zur Entdeckung und Erforschung der Arktis (Nordpolargebiet). In der Karte sind die Routen bedeutender Expeditionen dargestellt.

Die Entdeckung des Nordpols
Bis heute ist ungeklärt, wer den geographischen Nordpol zuerst entdeckt hat. In der Karte ist die Peary-Expedition von 1909 eingezeichnet. Der US-amerikanische Polarforscher Robert Peary behauptete damals, als erster Mensch den Nordpol erreicht zu haben. Allerdings bestand der Polarforscher Frederick Cook – ebenfalls ein US-Amerikaner – darauf, bereits 1908 am Nordpol gewesen zu sein. Zwischen den beiden Forschern entwickelte sich ein heftiger Streit. Obwohl es keine eindeutigen Beweise gab, wurde Peary im Jahr 1911 vom amerikanischen Präsidenten als offizieller Entdecker des Nordpols anerkannt.

Weitere Forschungs- und Entdeckungsreisen
Neben dem Wettlauf zum Nordpol fanden zahlreiche weitere Arktis-Expeditionen statt. Sie hatten vor allem zum Ziel eine Passage zu finden, die den Seeweg zwischen Europa und Asien erheblich verringern sollte. Die Karte zeigt zwei wegweisende Expeditionsrouten: einerseits die erste geglückte Durchfahrt der Nordwestpassage von 1903 bis 1906 (durch Roald Amundsen mit dem Schiff „Gyøa“) und andererseits die erste Durchfahrt der Nordostpassage entlang der Küste Nordasiens zum Beringmeer in den Jahren 1878/79 (durch den Schweden Nordenskjöld mit dem Schiff „Vega“).
Eine deutsche Arktis-Expedition führte von 1868 bis 1870 unter Kapitän Koldewey nach Ostgrönland und Spitzbergen. Der deutsche Geograph Drygalski überwinterte 1892/93 am Rande des Inlandeises in Westgrönland. Diese Forschungen führte dann der Geophysiker Alfred Wegener mit seiner großen Grönland-Expedition von 1929 bis 1931 weiter (siehe Karte). Dazu wurde mit einfachen Mitteln die Überwinterungsstation „Eismitte“ errichtet.

Hoheitsansprüche
Die Arktis ist strategisch von großer Bedeutung. Bereits 1958, zur Zeit des Kalten Krieges, erreichte das US-amerikanische Atom-U-Boot „Nautilus“ als erstes Schiff den geographischen Nordpol. Die USA machten damit gleichzeitig ihre militärische Machtposition gegenüber Russland (ehemalige Sowjetunion) deutlich. Im Jahr 1977 gelangte der russische Eisbrecher „Arktika“ als erstes Schiff über Wasser zum Nordpol.
Heute sind es vor allem wertvolle Bodenschätze (z. B. Kohle, Erdöl, Erdgas sowie Edelmetalle wie Gold und Platin) und große Fischvorkommen, die die Arktis so bedeutsam machen. Durch das Schmelzen der arktischen Eisdecke infolge des Klimawandels werden diese Rohstoffe immer leichter zugänglich und wecken damit starke wirtschaftliche Interessen.
Fünf Anrainer-Staaten erheben Hoheitsansprüche auf die Gebiete der Arktis: Kanada, die USA, Russland, Grönland (außenpolitisch vertreten durch Dänemark) und Norwegen. Noch immer gibt es strittige Auseinandersetzungen: So beanspruchen etwa Russland und Kanada große Gebiete in der ostsibirischen See jeweils für sich. Dagegen konnten sich Russland und Norwegen im Jahr 2010 über den Verlauf ihrer Seegrenze einigen und damit einen jahrzehntelangen Grenzkonflikt beenden.

S. Lemke, V. Hochschild

Info Plus

Im ausgehenden 19. und im frühen 20. Jahrhundert wurde eine ganze Reihe von Forschungsexpeditionen in die Arktis unternommen, um eine Passage zu finden, die den Seeweg zwischen Europa und Asien erheblich verringern sollte. Neben einer prägnanten Darstellung der Eisverhältnisse und der politischen Ansprüche zeigt diese Karte die wichtigsten Routen der klassischen Arktisexpeditionen.

Die klassischen Arktisexpeditionen
Die in der Karte eingezeichneten klassischen Expeditionen sind die Peary-Expedition von 1909, die den Nordpol vermutlich als erste erreicht hat — obwohl dies bis heute umstritten ist —, die nach einigen gescheiterten Versuchen — etwa des Engländers Franklin — erste geglückte Durchfahrt der Nordwestpassage durch den Norweger Amundsen mit dem Schiff Gjoä von 1903 bis 1906 sowie die Nordostpassage entlang der Küste Nordasiens zum Beringmeer durch den Schweden Nordenskjöld mit dem Schiff Vega in den Jahren 1878/79.
Eine deutsche Arktisexpedition führte von 1868 bis 1870 unter Kapitän Koldewey nach Ostgrönland und Spitzbergen. Der deutsche Geograph Drygalski überwinterte 1892/93 am Rande des Inlandeises in Westgrönland. Diese Forschungsansätze führte dann der Geophysiker Alfred Wegener mit seiner großen Grönlandexpedition von 1929 bis 1931 weiter. Dazu wurde mit einfachen Mitteln in den Firn des Inlandeises die Überwinterungsstation Eismitte gebaut.
Um die bis heute weitgehend unerforschten arktischen Regionen und deren potenziellen Veränderungen besser verstehen zu können, wird derzeit die Entwicklung und Realisierung des neuen europäischen, bohrfähigen und ganzjährig einsetzbaren Forschungseisbrechers Aurora Borealis ("Polarlicht") vorangetrieben. Das Projekt wird seit März 2007 durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert, welches die erforderlichen finanziellen Mittel für die notwendigen ingenieur-wissenschaftlichen Arbeiten zur Verfügung stellt.

Hoheitsansprüche
Dass das Nordpolarmeer zu einer strategisch wichtigen Region geworden ist, belegen nicht nur die Fahrten des US-amerikanischen Atom-U-Boots Nautilus 1958, das unter dem Eis bis zum Nordpol gelangte, und die des sowjetischen Eisbrechers Arktika 1977. Nach Ende des Kalten Krieges sorgten im Sommer 2007 zwei russische Forschungs-U-Boote für Aufsehen, die 4000 Meter unter der Wasseroberfläche am Nordpol eine russische Flagge hissten.
Bezüglich der Hoheitsansprüche in der Arktis vertraten Russland (bzw. die ehemalige Sowjetunion), Kanada und die USA ursprünglich das Sektorenprinzip mit einem territorialen Anspruch jeweils bis zum Nordpol. Die Gründe für den aktuellen russischen Vorstoß zum Pol liegen weniger in einer Vergrößerung ihres Territoriums als vielmehr in der Hoffnung auf umfangreiche Bodenschätze. Am Grund des Nordpolarmeeres werden soviel Erdöl- und Erdgasreserven wie in der gesamten OPEC vermutet, darüber hinaus größere Diamanten- sowie Edel- bzw. Buntmetallerzvorkommen als irgendwo sonst auf der Welt. Um das Polgebiet tatsächlich beanspruchen zu können, müsste es Russland gelingen, einen einwandfreien geologischen Nachweis zu liefern, dass das Gebiet mit dem russischen Kontinentalsockel eine Einheit bildet. Ähnliche Bemühungen verfolgen derzeit auch Kanada und Dänemark.
Grönland gehört seit 1721 zum dänischen Königreich. Es steht seit 1979 unter Selbstverwaltung. Spitzbergen (Svalbard) unterliegt seit 1925 gemäß einem internationalen Vertrag der Souveränität Norwegens mit eingeschränkten Nutzungsrechten. Auch Deutschland ist als Unterzeichnerstaat der freie Zugang garantiert. Russland unterhält seit 1932 in Barentsburg umfangreiche Stationen und baute bis vor kurzem, ebenso wie Norwegen, auf Spitzbergen Kohle ab.
1996 wurde von Dänemark, Finnland, Island, Kanada, Norwegen, Russland, Schweden, den USA als Mitgliedern und drei Ureinwohner-Organisationen als ständigen Teilnehmern, denen ein Mitspracherecht eingeräumt ist, der Arktische Rat gegründet, der als Forum des Interessensausgleichs dienen soll. In einem umfassenden Bericht informierte der Arktische Rat im Jahr 2004 über die historischen Entwicklungen der Arktis, ihren gegenwärtigen Zustand und die möglichen Folgen des Klimawandels.
V. Hochschild