Argolis (Griechenland) - Landschaftswandel - 1930

Südeuropa - Mediterrane Kulturlandschaften

978-3-14-100800-5 | Seite 137 | Abb. 4 | Maßstab 1 : 250.000
Argolis (Griechenland) | Landschaftswandel | Südeuropa - Mediterrane Kulturlandschaften | Karte 137/4

Überblick

Die Region am Golf von Nauplia zählt zu den kulturhistorisch bedeutsamsten in Griechenland. Die Städte Nauplia, Argos und Mykene (Mykenä) waren in der Bronzezeit das Herz der mykenischen Kultur. Im Palast von Mykene, dessen Grundmauern die Achaier im 14. Jahrhundert v.?Chr. errichteten, herrschte nach der mythischen Überlieferung König Agamemnon, der die Griechen nach Troja führte.

Von der Polykultur zur Monokultur

Die überwiegend agrarisch genutzte Ebene war um 1930 umgeben von Bergland, das teilweise von Macchie bewachsen, teils aber auch Ödland war. Karstquellen (s. Karte) ermöglichen die Einordnung des Gebiets als Karstlandschaft. Im Küstenbereich gab es nördlich von Nauplia und westlich von Nea Kios noch zwei Sumpfgebiete. Die Ebene wurde überwiegend für den Anbau von Weizen, Mais, Oliven, Wein, Obst und Gemüse genutzt. Nur ein vergleichsweise kleiner Bereich im Zentrum der Ebene beiderseits der Straße von Nauplia nach Argos wurde bewässert. Das erforderliche Wasser wurde mit Grundwasserpumpen gefördert. Die Handelsgewächse Tabak und Baumwolle spielten nur eine untergeordnete Rolle, denn die Bauern produzierten vorrangig für den Eigenbedarf. Typisch für die frühere Argolis war eine polykulturelle Nutzung mit einer Vielfalt an Pflanzen.

Heute sind die Sumpfgebiete an der Küste fast verschwunden. Auch Weizen-, Oliven-, Wein-, Gemüse-, Obst- und Tabakanbauflächen sind im Zentrum der Ebene kaum noch zu finden. An ihre Stelle sind Zitrusfrüchte getreten. An der immensen Ausweitung der Anbauflächen für Agrumen lässt sich ein Strukturwandel vom Vorrang der Selbstversorgung hin zu einer marktorientierten Produktion erkennen, denn Zitrusfrüchte werden, ebenso wie Oliven, nicht für den Eigenbedarf produziert.

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Bodenversalzung an der Küste

Durch die Ausdehnung der Bewässerungsflächen erhöhte sich der Wasserbedarf für die Landwirtschaft. Gedeckt wird er heute mithilfe mehrerer Pumpstationen aus den Wasserreservoiren des Anavalos-Projekts oder aus den zahllosen Grundwasserbrunnen, die über das gesamte Anbaugebiet verteilt sind. Allerdings dringt wegen des Absinkens des Grundwasserspiegels im Küstenbereich vermehrt salziges Meerwasser ein. Dies führte zu einer starken Versalzung, welche die Böden für die agrarische Nutzung zunehmend unbrauchbar macht. Von dieser Entwicklung sind inzwischen große Teile der landwirtschaftlichen Flächen östlich von Argos und Nauplia betroffen (s. Karte).

Das Anavalos-Projekt

Mit der Expansion der Anbauflächen für Zitrusfrüchte ging eine Ausweitung des Bewässerungslandes einher. Ermöglicht wurde diese immense Ausweitung der bewässerten Anbauflächen durch das Anavalos-Bewässerungsprojekt: Südlich von Kiveri wurde ab Ende der 1960er-Jahre eine untermeerische Quelle (Anavalos) angezapft. Deren Wasser wird über einen ringförmig geführten Hauptkanal zu fünf Wasserreservoiren geleitet, die in den niederschlagsarmen Monaten die Wasserversorgung sicherstellen.

Die Zunahme der Siedlungsflächen rund um Argos und Nauplia fällt moderat aus. Die Spezialisierung auf Zitrusfrüchte und die Ausweitung des Bewässerungslandes haben nicht zu einer signifikanten Zuwanderung und zur Zunahme der Bevölkerung geführt. Die Konzentration des Siedlungswachstums auf den Küstenbereich zeigt vielmehr, dass die betroffenen Gemeinden in erster Linie von einer Zunahme des Sommertourismus profitieren. Außer den Stränden im Golf von Nauplia bietet die Region mit den Ruinenstätten Mykenä, Midea, Larissa und Tiryns auch kulturelle Attraktionen.

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