Argolis (Griechenland) - Landschaftswandel

Balkanhalbinsel – Wasser

978-3-14-100782-4 | Seite 66 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 250.000
Argolis (Griechenland) | Landschaftswandel | Balkanhalbinsel – Wasser | Karte 66/3

Informationen

Die Region am Golf von Nauplia zählt zu den kulturhistorisch bedeutsamsten in Griechenland. Die Städte Nauplia, Argos und Mykene (Mykenä) waren in der Bronzezeit das Herz der mykenischen Kultur. Im Palast von Mykene, dessen Grundmauern die Achaier im 14. vorchristlichen Jahrhundert errichteten, herrschte nach der mythischen Überlieferung König Agamemnon, der die Griechen nach Troja führte.

Von der Polykultur zur Monokultur
Die überwiegend agrarisch genutzte Ebene war um das Jahr 1930 umgeben von Bergland, das teilweise von Macchie bewachsen, teils aber auch Ödland war. Im Küstenbereich gab es nördlich von Nauplia und westlich von Nea Kios noch zwei Sumpfgebiete. Die Ebene wurde überwiegend für den Anbau von Weizen, Mais, Oliven, Wein, Obst und Gemüse genutzt. Nur ein kleiner Bereich im Zentrum der Ebene beiderseits der Bahnlinie bzw. Straße von Nauplia nach Argos wurde bewässert. Das dazu notwendige Wasser wurde mit Grundwasserpumpen gefördert. Da die Handelsgewächse Tabak und Baumwolle nur eine untergeordnete Rolle spielten, kann man davon ausgehen, dass die Bauern überwiegend für den Eigenbedarf produzierten, nicht für den Markt. Gestützt wird diese Vermutung durch die Anbauvielfalt. Eine polykulturelle Nutzung wie in der Argolis ist in der Regel nicht in erster Linie marktorientiert.
Im Jahr 2006 waren die Sumpfgebiete im Küstenbereich verschwunden. Auch die Weizen-, Oliven-, Wein-, Gemüse-, Obst- und Tabakanbauflächen im Zentrum der Ebene hatten sich weitgehend aufgelöst, allenfalls am Rand der Ebene und in den Seitentälern waren sie noch zu finden. An ihre Stelle waren Zitrusfrüchte getreten. An der immensen Ausweitung der Anbauflächen für Agrumen lässt sich ein Strukturwandel von der Selbstversorgung hin zu einer marktorientierten Produktion erkennen, denn Zitrusfrüchte werden, ebenso wie Oliven, nicht für den Eigenbedarf produziert. Auch lassen sich mit Agrumen höhere Marktpreise und höhere Einnahmen für die Bauern erzielen.

Bodenversalzung an der Küste
Durch die wachsenden Bevölkerungszahlen in Argos und Nauplia stieg der Trinkwasserbedarf in beiden Orten an. Auch durch die Ausdehnung der Bewässerungsflächen erhöhte sich der Wasserbedarf. Gedeckt wurde er zunächst durch erhöhte Grundwasserentnahme. Allerdings drang durch die damit verbundene Senkung des Grundwasserspiegels im Küstenbereich salziges Meerwasser in den Grundwasserbereich ein. Dies führte zu einer Versalzung des bis zu 1,5 Kilometerbreiten Küstenstreifens zwischen Myli und Nauplia, der dadurch für eine agrarische Nutzung unbrauchbar wurde. Die Bodenversalzung ist inzwischen gebietsweise bis Argos und Agla Trias fortgeschritten.
Ein Vergleich der in der Legende dargestellten Werte für die Bodenversalzung mit Werten, die von ausgewählten Nutzpflanzen toleriert werden, zeigt, dass gerade die in mediterranen Klimaverhältnissen gut gedeihenden Pflanzen nur eine geringe Salinitätsschwelle besitzen, und dass es dringend einer Lösung des Versalzungsproblems bedarf, damit die in der Region hauptsächlich kultivierten Zitrusfrüchte weiterhin die Haupteinnahmequelle der Bewohner dieser Region bleiben können. Paradoxerweise wachsen gerade die als mäßig tolerant einzustufenden Oliven mit einer Salinitätsschwelle von 4,0 mS bevorzugt in den ohnehin nicht bewässerten und deshalb nicht in von der Bodenversalzung bedrohten Randbereichen.
H. Kronfeldner

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Weitere Materialien

Animation

Schema der Bodenversalzung - und der Einfluss von Drainagemaßnahmen

In dieser Animation wird die Entstehung von Bodenversalzung in trockenen Gebieten gezeigt. Zudem wird deutlich gemacht, inwieweit Drainagemaßnahmen der Bodenversalzung entgegenwirken können. (Für diese Animation wird Tonausgabe benötigt)
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