Arbeitsmigration

Asiatisch-pazifischer Wirtschaftsraum

978-3-14-100700-8 | Seite 151 | Abb. 3 | Maßstab 1 : 36.000.000
Arbeitsmigration |  | Asiatisch-pazifischer Wirtschaftsraum | Karte 151/3

Informationen

Jeden Tag verlassen zirka 2500 Einwohner der Philippinen ihr Land, um anderswo ein Auskommen zu suchen. Fast 8 Mio. Filipinas und Filipinos, also rund ein Viertel der Arbeitsbevölkerung, waren Ende 2006 in rund 100 Ländern außerhalb der Philippinen beschäftigt. Mehr als 3 Mio. von ihnen gehen einer zeitlich befristeten und legalen Beschäftigung nach, etwa 1,6 Mio. arbeiten unter illegalen Bedingungen. Weitere 2,8 Mio. Filipinas und Filipinos haben sich im Ausland bereits niederlassen, viele von ihnen sind mit Ausländern oder Ausländerinnen verheiratet und haben mit oder ohne Ehe die Staatsbürgerschaft des Ziellandes angenommen. In Europa leben und arbeiten derzeit legal über 500 000 philippinische Staatsangehörige, davon etwa 23 000 in Deutschland.

Arbeitsmigration in Ostasien
Im Jahre 1950 waren die Philippinen nach Japan noch die am weitesten entwickelte Volkswirtschaft in Südostasien. In den 1980er-Jahren jedoch hatten die "Tigerstaaten" Singapur, Hongkong und Taiwan die Philippinen überholt und heuerten immer mehr Arbeitskräfte aus dem Ausland an — unter anderem auch von den Philippinen. In diesen Ländern ermöglichen "importierte" Haushaltsangestellte heute der Mittelschicht die Vollerwerbsarbeit, während Arbeitsmigranten die schlecht entlohnten Tätigkeiten übernehmen. So tragen sie zur weiteren wirtschaftlichen Auseinanderentwicklung der Tigerstaaten und ihres eigenen Herkunftsland bei.
Während in den 1960er-Jahren die wenigen Arbeitsmigranten, die es gab, bevorzugt nach Amerika und Europa gingen, ließen in den 1970er-Jahren die Petrodollars eine erhebliche Nachfrage nach Produktionsarbeitern und Haushaltsangestellten im Mittleren Osten entstehen. Zugleich veränderte sich durch neue Arbeitsangebote das Geschlechterverhältnis der Migranten: Waren 1975 nur 12 Prozent der philippinischen Arbeitsmigranten Frauen, waren es 2002 nach Angaben der "Philippine Overseas Employment Administration" bereits 72 Prozent.
Auch innerhalb der Philippinen finden seit Jahrzehnten erhebliche Wanderungen aus den Provinzen in den Großraum Manila statt. Ursache dafür sind neben einer geringen landwirtschaftlichen Produktivität auch Vertreibungen ("Displacements") durch die Plantagenwirtschaft und Infrastrukturprojekte. Während die Binnenmigranten meist sehr armen Haushalten entstammen, kommen die Arbeitsmigranten, die ins Ausland gehen, mehrheitlich aus Haushalten der Mittelschicht.
Auch in China ist das Einkommensgefälle die Hauptursache für die Binnenmigration aus den westlichen Regionen in die "neuindustrialisierten" Boomprovinzen, die hauptsächlich an der Ostküste liegen.
Bei der Migration aus Burma, Laos oder Kambodscha in das Nachbarland Thailand spielen neben wirtschaftlichen Gründen auch politische Verfolgung und ethnische Konflikte eine Rolle. Die Migranten leben in Thailand meist ohne Aufenthaltspapiere. Das schlägt sich in sehr geringen Löhnen und weitgehender Rechtlosigkeit nieder.
N. Reese

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Bevölkerung, Beschäftigung und Erwerbsquote in Japan 1955-2020

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